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Kommunaler Wärmeplan wird beraten

Bürgerinnen und Bürger konnten sich mit Fragen und Anregungen beteiligen

In den kommenden Wochen wird der Kommunale Wärmeplan (KWP) in den politischen Gremien beraten. Den Start macht die Bezirksvertretung Bottrop-Kirchhellen am 9. Juni. Danach stehen die Beratungen in der Bezirksvertretung Bottrop-Süd am 18. Juni, in der Bezirksvertretung Bottrop-Mitte am 23. Juni, im Ausschuss für Stadtplanung und Umweltschutz am 25. Juni und im Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschuss am 30. Juni an. Abschließend entscheidet der Rat in seiner Sitzung am Dienstag, 7. Juli.

Der Kommunale Wärmeplan ist ein zentrales Instrument, um die Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu erreichen. Mit einer systematischen und strategischen Planung werden fossile Energieträger schrittweise durch regenerative Energien ersetzt. 

Bürgerinnen und Bürger konnten sich mit Fragen und Anregungen am KWP beteiligen. Dazu lag der rund 140-seitige Plan bis Mitte Mai im Kundenzentrum Bauen der Stadt Bottrop zur Einsicht aus. Zudem ist das Konzept auf der Webseite der Stadt Bottrop verfügbar. 

Insgesamt gingen fünf Stellungnahmen ein – drei aus der Bürgerschaft und zwei von Verbänden. Dabei wurde die Kommunale Wärmeplanung grundsätzlich positiv bewertet. Thematisch standen insbesondere technische, wirtschaftliche und soziale Herausforderungen der Wärmewende im Mittelpunkt.

Aus der Bürgerschaft wurden verschiedene Anregungen eingebracht. Hierzu gehörten unter anderem die Forderung nach einer stärkeren Berücksichtigung von Großbatteriespeichern zur Integration erneuerbarer Energien und zur Wasserstoffproduktion. Nachgefragt wurden Perspektiven zum Ersatz von Kokereigas ab 2035, zur Nutzung von Grubenwasserabwärme, zum Einsatz von Wasserstoff für Heizzwecke sowie zu Machbarkeitsstudien für Großwärmepumpen. Darüber hinaus wurden Fragen zur zukünftigen Rolle der Gasnetze, zu möglichen Kooperationen mit Bergbauunternehmen sowie zur Verfügbarkeit industrieller Abwärme gestellt. Damit wurden teilweise Themenbereiche angesprochen, die in der unternehmerischen Entscheidung der Versorger gehört und auf die eine Kommune keinen Einfluss hat. 

Zur möglichen Nutzung von Grubenwasser zur Wärmeversorgung wird darauf hingewiesen, dass erfolgreiche Projekte an anderen Standorten nicht ohne Weiteres auf Bottrop übertragbar sind. Insbesondere die deutlich höhere Salz- und Chloridbelastung des Grubenwassers am Standort Franz Haniel würde erhebliche technische Anforderungen mit sich bringen. Zusätzlich erschweren fehlende Infrastruktur, hohe Investitionskosten, Fragen der Wasserableitung sowie rechtliche Rahmenbedingungen eine wirtschaftliche Umsetzung.

Die zukünftige Nutzung von Wasserstoff als Wärmequelle wird im weiteren Umsetzungsprozess fortlaufend beobachtet und bewertet. Aufgrund der derzeit hohen Kosten und Preisunsicherheiten kann Wasserstoff jedoch aktuell nicht als wirtschaftlich tragfähige Lösung für private Haushalte empfohlen werden.

Die Stellungnahme der Industrie- und Handelskammer (IHK) konzentriert sich auf die Sicherstellung einer zuverlässigen und bezahlbaren Wärmeversorgung für Unternehmen. Gefordert werden der Erhalt der Gasinfrastruktur, frühzeitige und transparente Ausbau- und Zeitpläne. Zudem spricht sich die IHK gegen Anschluss- und Benutzungszwänge aus und warnt vor einer möglichen Verdrängung von Gewerbeflächen durch Energieinfrastruktur. Positiv hervorgehoben werden die interkommunale Zusammenarbeit, die Entwicklung regionaler Wärmenetze, die Perspektiven einer Wasserstoffwirtschaft sowie die Nutzung industrieller Abwärme.

Auch der Regionalverband Ruhr (RVR) bewertet die Kommunale Wärmeplanung positiv. Besonders hervorgehoben wird die intensive Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen, die Nutzung digitaler Planungsinstrumente, die detaillierten Bestands- und Potenzialanalysen, die Betrachtung von Wärmespeichern sowie die Entwicklung verschiedener Zukunftsszenarien. Gleichzeitig empfiehlt der RVR, die Abstimmung mit den Nachbarkommunen weiter zu vertiefen, regionale Synergien noch stärker zu nutzen und soziale Aspekte künftig noch stärker in den Blick zu nehmen.

Die Hinweise aus der Offenlegungsphase werden in die weitere Umsetzung der Kommunalen Wärmeplanung einbezogen und bilden eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung in Bottrop. Zur Information der Bürgerinnen und Bürger sind weitere Veranstaltungen geplant. 

In Bottrop werden jährlich rund 1.137 GWh für die Wärmeversorgung benötigt, etwa 80 Prozent davon kommen aus fossilen Energieträgern. Es besteht bereits ein Fernwärmenetz im Süden. Ein Nahwärmenetz in Kirchhellen befindet sich im Ausbau. Die Potenzialanalyse hat hohe Wärmepotenziale in Form von industrieller Abwärme, Abwasserwärme und Flussthermie identifiziert. Durch die Sanierung von Wohngebäuden ließen sich jährlich 231 GWh einsparen.

Mithilfe dieser Grunddaten hat die Beratungsagentur Conenergy-Consult verschiedene Szenarien berechnet, bewertet und angepasst. In einem Zielszenario wurde ein realistisches und tragfähiges Zielbild für die Wärmeversorgung definiert, das durch den Ausbau der bestehenden Fern- und Nahwärmenetze charakterisiert ist. Für Gebiete ohne Wärmenetz zeichnet sich eine dezentrale Wärmeversorgung in Form von Heizstrom und fester Biomasse ab. Wobei Biomasse zwar nachwachsend ist, aber nicht klimaneutral.

Für die Kommunale Wärmeplanung hat sich Bottrop mit den Städten Gelsenkirchen und Gladbeck zusammengeschlossen. Synergien, die sich durch städteübergreifende Akteure, wie den Strom- und Gasnetzbetreiber EVNG sowie den Wärmenetzbetreibern Iqony und Uniper ergeben, sollen so genutzt werden.

Der KWP gibt Empfehlungen, wie die Gebäude in unterschiedlichen Gebieten künftig am preisgünstigsten mit Wärme versorgt werden können. Die aufgeführten Vorschläge ersetzen keine individuellen, projektbezogenen Planungen. Eine kommunale Umsetzungsstrategie soll Maßnahmen für die kommenden fünf Jahre entwickeln.