Was ist Schulabsentismus?
Unter Schulabsentismus versteht man das wiederholte Fernbleiben von der Schule. Die Gründe hierfür sind sehr individuell. Die Ursachen können aus allen möglichen Lebensbereichen der Schülerinnen und Schüler stammen: Sie können sowohl in der Schule selbst begründet liegen, als auch in psychischen oder familiären Bereichen. Es können unterschiedliche Formen von Schulabsentismus unterschieden werden. Auch Mischformen kommen häufig vor.
Schulangst
Bei einer Schulangst liegen bei der Schülerin / dem Schüler Ängste zugrunde, die auf leistungsbezogene und / oder soziale Problemlagen in der Schule zurückzuführen sind.
Leistungsbezogene Ängste können z. B. durch folgende Aspekte ausgelöst werden:
- Unter- oder Überforderung
- Teilleistungsschwierigkeiten
- Angst, bei Prüfungen zu versagen oder allgemein vor Bewertungen
- Angst sich vor anderen zu blamieren
- Leistungsdruck von außen (durch Lehrkräfte, Eltern etc.)
- Eigener Leistungsdruck, Perfektionismus
Soziale Problemlagen können z. B. folgende sein:
- (Cyber)Mobbing
- Schlechtes Klassenklima
- Soziale Ausgrenzung
- Fehlende soziale Unterstützung
Solche Ängste führen häufig auch zu sogenannten psychosomatischen Beschwerden. Hierunter fallen z. B. Kopf- oder Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, unkontrolliertes Zittern, ohne dass es eine somatische, also körperliche Ursache gibt. Schülerinnen und Schüler vermeiden in Folge ihrer Ängste die Schule, also die angstauslösende Situation und nicht selten chronifiziert sich dieses Verhalten, wenn an den schulischen Problemlagen nichts verändert wird.
Schulphobie
Anders, als der Name vermuten lässt, liegt die angstauslösende Situation nicht in der Schule begründet. Es handelt sich dabei um eine Trennungsangst der Schülerin / des Schülers. Diese entsteht häufig durch ungünstige familiäre Bedingungen, wie z. B.:
- Stark symbiotische Beziehungen
- Trennung oder Scheidung der Eltern
- Krankheiten (körperlich und / oder psychisch)
- Todesfälle
- Auszug / Wegzug nahestehender Personen
Die Außenwelt wird häufig als bedrohlich erlebt und die Schülerinnen/Schüler wollen sich von ihren Bezugspersonen nicht trennen, z. B. aus Angst, dass diesen Personen etwas passieren könnte. Durch die Trennung entsteht ein starker Kontrollverlust und es zeigen sich auch hier psychosomatische Beschwerden.
Infolgedessen vermeiden die Schülerinnen und Schüler stark den Schulbesuch, aber zunehmend auch andere Aktivitäten, die eine Trennung zur Bezugsperson beinhaltet (wie z. B. Übernachtungen bei den Großeltern). Durch die Vermeidung entsteht kurzfristig eine Erleichterung und häufig lassen auch die psychosomatischen Beschwerden schnell nach. Das Problem dabei ist, dass diese Entspannung wie eine Belohnung für den Körper ist und die Schülerin/der Schüler lernt: Mir geht es besser, wenn ich nicht zur Schule gehe. Es wird ein Vermeidungsverhalten eingeübt, welches immer schwieriger zu durchbrechen ist, je länger dieser Zustand andauert.
Schulschwänzen
Beim Schulschwänzen handelt es sich um ein bewusstes Fernbleiben der Schülerin / des Schülers ohne Wissen der Eltern. Die Schülerin / der Schüler geht morgens meist ganz normal aus dem Haus, trifft sich dann aber stattdessen mit Freundinnen und Freunden oder geht anderen angenehmen Aktivitäten nach. Häufig beginnt Schulschwänzen mit häufigem, bewussten Zuspätkommen zum Unterricht oder mit dem Fernbleiben einzelner Stunden / Fächer und breitet sich dann Schritt für Schritt aus.
Das Schwänzen ist dabei jedoch nicht durch Ängste o. Ä. begründet. Vielmehr spielen folgende Gründe eine Rolle:
- Motivationsdefizite in Bezug auf Schule und Lernen
- Ablehnung von Regeln
- Fehlende Perspektive
- Leistungsprobleme, das Ausbleiben schulischer Erfolge
- Entfremdung von der Schule, Ablehnung von Schule
- Wenig positive Anbindung an Schule
- Anbindung an eine (deviante) Clique
- Intensiver Medienkonsum
Bei manchen Schülerinnen / Schülern kommt es vor, dass sie zwar dem Unterricht fernbleiben, sich aber dennoch auf dem Schulgeländer aufhalten. Das System Schule wird dann als sozialer Raum genutzt, um Kontakte zu Gleichaltrigen aufrechtzuerhalten. Schule wird dann aber weniger als Bildungseinrichtung empfunden oder genutzt.
Elternbedingte Schulversäumnisse / Zurückhaltung
Bei dieser Form des Schulabsentismus unterstützen die Eltern das Fernbleiben von der Schule, indem sie es mindestens dulden oder aber den Schulbesuch selbst aktiv verhindern. Die Gründe hierfür sind sehr unterschiedlich und sollen beispielhaft aufgezeigt werden:
- Ablehnende oder gleichgültige Haltung der Eltern gegenüber Schule
- Probleme in der erzieherischen Einflussnahme
- Religiöse oder kulturelle Orientierungen (z. B. Ablehnung des Sexualkundeunterrichts oder des Schwimmunterrichts)
- Vernachlässigung, Missbrauch
- Unterstützung der Familien durch die Schülerinnen / Schüler (z. B. finanziell, Pflege von Familienangehörigen, Aufpassen auf jüngere Geschwister)
- Psychisch erkrankte Eltern(teile)
Überblick
Gründe für Schulabsentismus sind sehr individuell und unterschiedlich. Nicht zuletzt das Vorhandensein von Mischformen der oben beschriebenen Arten von Schulabsentismus erschweren es zeitweise, die Ursachen zu erkennen und anzugehen. Eine wichtige Grundlage, um Schulabsentismus frühzeitig zu erkennen, stellt ein gutes Monitoring der Fehlzeiten in der Schule dar. Wird ein häufiges Fernbleiben einer Schülerin / eines Schülers erkannt, ist ein guter Austausch zwischen der Schule, dem Elternhaus und weiteren Experten von großer Bedeutung. Um diesen Austausch zu unterstützen, gibt es in der Stadt Bottrop z. B. die Beratende und Bedarfsklärende Instanz (BBI). Hierbei handelt es sich um ein Multiprofessionelles Team, welches in regelmäßigen Abständen zusammenkommt und gemeinsam schulabsente Fälle berät. Informieren Sie sich gerne auf der nächsten Seite über die Arbeitsweise der BBI: