Neues ÖPNV-Konzept beschlossen
Nahverkehrsplan setzt auf bessere Verbindungen, stärkere Anbindung der Bahnhöfe und wirtschaftlichen Betrieb
Wie kann der öffentliche Nahverkehr in Bottrop zukunftsfähig, attraktiv und gleichzeitig wirtschaftlich gestaltet werden? Im Rahmen der Fortschreibung des Nahverkehrsplans wurde mit Blick auf diese Fragen ein neues ÖPNV-Verkehrskonzept entwickelt.
Der Bau- und Verkehrsausschuss hat in seiner Sitzung am 10. September 2026 das vorgelegte Konzept (14 Ja-Stimmen, 4 Gegenstimmen, 7 Enthaltungen) beschlossen. Vorher war der Entwurf bereits im Juli im Ausschuss vorgestellt worden und in den Bezirksvertretungen beraten worden. Dazu gekommen sind zwei Prüfauftrage und zwei Änderungsantrage. Neu ist, dass die Linie SB 16 zusätzliche Haltestellen an der „Stenkhoffstraße“ und dem „Nordfriedhof“ erhalten soll. Außerdem soll die Linienführung der 262 im Bereich des Eigener Marktes geändert werden. Mit Blick auf die Linie 268 gibt es zwei Prüfaufträge. Diese betreffen die Linienführung über den Fuhlenbrocker Markt und die Linientrennung am Hauptbahnhof bzw. am ZOB.
Das Konzept wurde gemeinsam von der Stadt Bottrop, der Planersocietät Frehn Steinberg Partner GmbH sowie der Vestischen Straßenbahnen GmbH erarbeitet. Grundlage waren eine umfangreiche Bestandsanalyse, Mobilfunkdaten zur tatsächlichen Nachfrage, die Ergebnisse einer Online-Bürgerbeteiligung sowie die Vorgaben des Haushaltssicherungskonzeptes.
„Mit dem neuen Nahverkehrsplan erreichen wir mehrere Dinge zugleich. Für die Erreichung der Klimaziele brauchen wir einen guten Nahverkehr. Wir richten das bestehende Liniennetz noch stärker an den Mobilitätsbedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger aus. So wird zum Beispiel die Anbindung des Bottroper Südens und Kirchhellens gestärkt. Wichtige Ziele innerhalb Bottrops sowie in den Nachbarstädten sollen besser erreichbar werden, ohne die Wirtschaftlichkeit des Angebots aus den Augen zu verlieren. Das gelingt mit dem vorliegenden Entwurf sehr gut“, hatte Oberbürgermeister Matthias Buschfeld bei der Vorstellung des Konzepts in einem Mediengespräch erläutert.
Das Haushaltssicherungskonzept sieht Einsparungen von jährlich 300.000 Euro im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs vor.
„Die Analyse des bestehenden Netzes zeigt, dass Bottrop bereits heute über ein dichtes Taktangebot verfügt, eine gute Erschließung nahezu aller Stadtteile sowie leistungsfähige Verbindungen in die umliegenden Städte hat“, erläutert der Technische Beigeordnete Klaus Müller. Gleichzeitig wurden jedoch auch Schwachstellen identifiziert. So bestehen beispielsweise noch Defizite bei Direktverbindungen zwischen einzelnen Stadtteilen, der Anbindung an den Schienenpersonennahverkehr sowie bei regional bedeutenden Freizeitzielen.
Besonders häufig wurde der Wunsch nach weniger Umstiegen, einer besseren Abstimmung zwischen Bus und Bahn, zuverlässigeren Fahrplänen, zusätzlichen Abend- und Nachtverbindungen sowie einer besseren Ausstattung und Barrierefreiheit an Haltestellen genannt.
Auch die Hinweise aus der Online-Beteiligung zwischen April und Juni 2025 sind in die Planungen eingeflossen. Frank Baeten vom Stadtplanungsamt fasst zusammen: „Besonders häufig wurde der Wunsch nach weniger Umstiegen, einer besseren Abstimmung zwischen Bus und Bahn, zuverlässigeren Fahrplänen, zusätzlichen Abend- und Nachtverbindungen sowie einer besseren Ausstattung und Barrierefreiheit an Haltestellen genannt.“
Die Erarbeitung basiert auf einem grundlegenden Taktwechsel, vom derzeitigen 20-Minuten Takt hin zu einem 15-/30-Minuten Takt. Künftig sollen Hauptachsen im 15-Minuten Takt bedient werden, während auf Nebenachsen ein einheitlicher 30-Minuten Takt vorgesehen ist. Damit orientiert sich Bottrop an den Taktstrukturen, die im Schienenpersonennahverkehr bereits 2019 eingeführt wurden und am überregionalen XBus Linienkonzept des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf einer verbesserten Anbindung der Bahnhöfe. So sollen künftig mehr Stadtteile den Bottroper Hauptbahnhof direkt bzw. ohne Umstieg erreichen können. Unter anderem sind zusätzliche bzw. neue Direktverbindungen aus Kirchhellen, Eigen (über Gladbecker Straße, ZOB), der Welheimer Mark (Neu: über ZOB ohne Umstieg) sowie dem Fuhlenbrock (Neu: direkte Anfahrt über Hans-Böckler-Straße – ZOB – HBF) vorgesehen.
Auch die Erreichbarkeit der Bahnhöfe Bottrop-Boy, Oberhausen Hauptbahnhof und Sterkrade soll verbessert werden. Geplant ist eine neue Direktverbindungen zwischen Sterkrade Bahnhof – Batenbrock-Nord (entlang der Horster Straße) – Boy Bahnhof und Welheim.
Zudem gibt es zwei neue Direktverbindungen aus dem Bottroper Süden zum Oberhausener HBF, zum einen über Boy und Batenbrock-Nord sowie Welheim und Batenbrock-Süd.
Darüber hinaus sieht das Konzept zahlreiche neue Direktverbindungen zwischen verschiedenen Stadtteilen vor. Dies hat sich zum einen aus der Auswertung der Mobilfunkdaten und der Online-BürgerInnen-Befragung ergeben. So sollen unter anderem Eigen und Boy direkt miteinander verbunden werden. Dazu werden der Boyer Bahnhof und der Boyer Markt und Welheim künftig direkt miteinander verbunden werden. Grafenwald (Schneiderstraße) erhält eine neue, direkte Busverbindung nach Kirchhellen.
Wenn die Verkehrswende gelingen soll, braucht es eine Veränderung im ÖPNV.
Auch regionale Freizeitziele sollen künftig besser erreichbar sein. Das Quadrat wird über die Linie SB16 durch Anbindung an die Haltestelle Im Stadtgarten direkt an den Bottroper und den Essener Hauptbahnhof angebunden. Davon profitieren auch die Knappschaft Kliniken Marienhospital Bottrop. Das Alpincenter soll Anschluss erhalten an eine neue Schnellbuslinie zwischen der Stadtbahn in Essen-Karnap und Oberhausen HBF. Davon würde auch die Eloria-Erlebnisfabrik profitieren.
Durch angepasste Linienführungen und dichtere Takte sollen insbesondere die Hauptachsen des Bottroper Busnetzes attraktiver werden. Gleichzeitig bleibt die Gesamtleistung des Busverkehrs nahezu stabil. Die Betriebsleistung reduziert sich um 4,4 Prozent (rund 190.000 Kilometer pro Jahr). Damit können die Vorgaben des 2024 beschlossenen Haushaltssicherungskonzeptes erfüllt werden, ohne auf Angebotsverbesserungen zu verzichten.
Die Vorsitzende des Bau- und Verkehrsausschusses, Susanne Jungmann, betont: Wichtig ist, dass am Ende ein finanzierbares Angebot steht, dass einen Attraktivitätsgewinn für Bürgerinnen und Bürger enthält. Wenn die Verkehrswende gelingen soll, braucht es eine Veränderung im ÖPNV. Für uns ist entscheidend, dass Angebotsverdichtung und Wirtschaftlichkeit zusammengedacht werden. Genauso wichtig ist uns, dass der ÖONV die Lebensrealitäten der Menschen in Bottrop abbildet. Die neuen Direktverbindungen zu den Bahnhöfen und zu den Freizeitzielen gehen genau in diese Richtung.“
Nach dem politischen Beschluss kann nun das formelle Beteiligungsverfahren für die Träger öffentlicher Belange (TöB) durchgeführt werden. Dazu gehören unter anderem die Nachbarstädte, der Regionalverband Rhein Ruhr, Verkehrsunternehmen und der VRR.
Der Nahverkehrsplan bildet die Grundlage für die Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in Bottrop in den kommenden Jahren.