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Nachbarschaftsfest setzt Zeichen gegen Wohnungslosigkeit

Kontaktstelle am Borsigweg bietet Menschen in prekären Wohnsituationen Unterstützung und Perspektiven

Begegnung schaffen, Hilfsangebote sichtbar machen und gemeinsam ein Zeichen gegen Wohnungsnot setzen: Anlässlich des bundesweiten Tages der wohnungslosen Menschen am 11. September fand an der Kontaktstelle am Borsigweg ein Nachbarschaftsfest statt. Die Kontaktstelle wird im Auftrag der Stadt Bottrop vom Caritasverband Bottrop betrieben. Auch Oberbürgermeister Matthias Buschfeld besuchte das Fest und informierte sich über die Arbeit vor Ort.

Viele der Menschen, die am Borsigweg leben und durch die Kontaktstelle begleitet werden, waren zuvor ohne eigene Wohnung. In den von der Stadt Bottrop bereitgestellten Unterkünften finden sie zunächst einen sicheren und geschützten Ort. Ein eigenes Zuhause ersetzen diese Unterkünfte nicht, sie können jedoch Stabilität schaffen und eine Grundlage dafür bieten, weitere Schritte zu gehen.

© Stadt Bottrop

„Menschen ohne eigene Wohnung brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf. Sie brauchen verlässliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, Unterstützung und vor allem eine Perspektive, wie es für sie weitergehen kann“, betont Oberbürgermeister Matthias Buschfeld. „Ich schätze das Engagement der Mitarbeitenden und aller beteiligten Akteure hier vor Ort sehr. Gerade die enge Zusammenarbeit ist entscheidend, damit Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht allein gelassen werden und wieder Fuß fassen können.“

Kommunale Aufgabe gemeinsam gestalten

Kommunen sind gefordert, Angebote für obdachlose Menschen und Personen in prekären Wohnsituationen vorzuhalten. Dazu gehören neben Möglichkeiten zur Unterbringung und Notschlafstellen auch Beratungs-, Informations- und Unterstützungsangebote. In Bottrop wird diese Aufgabe von einem Netzwerk verschiedener Akteure getragen.

Die Kontaktstelle am Borsigweg ist dabei ein wichtiger Baustein. Neben der Stadt Bottrop und ihrem Sozialamt gehören unter anderem der Caritasverband, die Evangelische Sozialberatung (ESB), die evangelische Kirche beziehungsweise „Dach und Fach“, das Jobcenter, der Sozialpsychiatrische Dienst und die Polizei zum Netzwerk. Die ESB bietet beispielsweise die Möglichkeit einer Postadresse sowie Unterstützung bei der Geldverwaltung und -ausgabe.

© Stadt Bottrop

Die Caritas-Kontaktstelle unterstützt die Bewohnerinnen und Bewohner am Borsigweg bei alltäglichen und bürokratischen Herausforderungen. Darüber hinaus stehen unter anderem eine Kleiderkammer, Hygieneartikel sowie ein kostengünstiges Frühstück zur Verfügung. Artur Polligkeit, der die Kontaktstelle seit Januar 2025 verantwortet, und sein Team begleiten die dort lebenden Menschen und unterstützen sie dabei, ihre persönliche Situation zu stabilisieren.

„Wir würden gerne noch häufiger unterstützen, bevor Menschen ihre Wohnung verlieren. Leider erreichen uns viele erst, wenn die Wohnungslosigkeit bereits eingetreten ist“, sagt Polligkeit. Prävention und frühzeitige Hilfen seien deshalb ein wichtiger Bestandteil der Wohnungslosenhilfe.

Begegnung als Teil der Unterstützung

Menschen in prekären Lebenssituationen sind häufig mit mehreren Belastungen gleichzeitig konfrontiert. Körperliche oder psychische Erkrankungen, finanzielle Schwierigkeiten, Wohnungslosigkeit, fehlende stabile Beziehungen, Entwurzelung oder Gewalterfahrungen können dazu führen, dass Betroffene sich zunehmend aus sozialen Bezügen zurückziehen. Scham und fehlende Kraft können zudem erschweren, Hilfsangebote wahrzunehmen oder eigene Ansprüche und Rechte durchzusetzen.

Umso wichtiger ist es, bestehende Unterstützungsangebote bekannt zu machen und gleichzeitig Möglichkeiten für Begegnung zu schaffen. Das gegenseitige Kennenlernen kann Berührungsängste und Misstrauen abbauen und damit auch einen Beitrag zur Gewaltprävention leisten.

© Stadt Bottrop

Genau hier setzte das Nachbarschaftsfest am Borsigweg an. Unter dem diesjährigen Motto des bundesweiten Aktionstages „Hinschauen. Aktiv werden – Gemeinsam gegen Wohnungsnot“ kamen Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitende, Netzwerkpartner und Gäste miteinander ins Gespräch. Bei Tombola und Outdoorspielen sowie Grillwurst, Kuchen, Kaffee, Softdrinks und Softeis entstand eine offene Atmosphäre. Viele Bewohnerinnen und Bewohner blieben auch nach dem offiziellen Ende zusammen und ließen den Nachmittag gemeinsam ausklingen.

„Wohnungslosigkeit darf Menschen nicht an den Rand unserer Gesellschaft drängen. Es braucht sichere Orte und konkrete Unterstützung, aber genauso wichtig sind Begegnung, Gemeinschaft und das Gefühl, dazuzugehören“, sagt Alexander Hohler, Vorstand des Caritasverbandes Bottrop. „Das Nachbarschaftsfest zeigt, was entstehen kann, wenn viele Akteure gemeinsam Verantwortung übernehmen.“

Das Fest machte damit nicht nur auf das Thema Wohnungs- und Obdachlosigkeit aufmerksam, sondern zeigte zugleich, wie wichtig ein verlässliches Netzwerk vor Ort ist. Ziel bleibt es, Menschen in schwierigen Wohn- und Lebenssituationen möglichst frühzeitig zu erreichen, ihnen konkrete Unterstützung anzubieten und gemeinsam Perspektiven für ein selbstständigeres Leben zu entwickeln.

Ehrenamtliche Unterstützung gesucht

Für die Arbeit der Kontaktstelle werden weitere ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer gesucht. Gefragt sind Menschen, die Zeit, Offenheit und Empathie mitbringen und bereit sind, zuzuhören, Hilfesuchende zu begleiten und ihnen Orientierung im Alltag zu geben. Auch bei Veranstaltungen können Ehrenamtliche unterstützen, Begegnungen ermöglichen und dabei helfen, gemeinsam kleinere und größere Alltagshürden zu bewältigen. Die Einsatzzeiten können flexibel an den eigenen Alltag angepasst werden. Ehrenamtliche werden in ihre Tätigkeit eingearbeitet, fortlaufend begleitet und erhalten Möglichkeiten zur Weiterbildung und zum Austausch mit anderen Engagierten. Interessierte können sich per Mail bei infoehrenamtbottropde melden.