Roboter „Temi“ hilft bei Amtsgeschäften
HRW forscht zu Einsatzmöglichkeiten von interaktiven Robotern
Einen Blick in die Zukunft werfen die Besucherinnen und Besucher des Rathauses. „Temi“ begrüßt als Dienstleistungsroboter die Kundinnen und Kunden im Bürgerbüro. Studentinnen und Studenten des Masterstudiengangs „Mensch Technik Interaktion“ an der HRW wollen gemeinsam mit dem Ruhrbots-Team soziale Robotik zum Menschen bringen und herausfinden, wie die technischen Möglichkeiten am besten eingesetzt werden können.
Über einen Touchscreen nimmt „Temi“ die Anfragen entgegen. Anweisungen können aber auch gesprochen werden. „Unser Ziel ist, zu sehen, wie gut Roboter angenommen werden“, erklärt Gian Dossena, wissenschaftlicher Mitarbeiter am HRW-Institut für Informatik. Während der zweiwöchigen Forschungsbeobachtung im Bürgerbüro sammeln die Wissenschaftler Erkenntnisse zur Nutzerführung: Ist die Menüführung verständlich? Finden die Bürgerinnen und Bürger schnell die passenden Antworten? Wo muss nachgebessert werden, wenn Vorgänge abgebrochen werden? Bei der Suche nach der richtigen Antwort greift „Temi“ auf eine vorhandene Datenbank zurück. Künstliche Intelligenz kommt bei der Spracheingabe zum Einsatz. Mit „Temi“ kann in deutscher und englischer Sprache gesprochen werden.
„Temi“ übernimmt Routineaufgaben und entlastet so die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Empfangstresen. Überprüft wird, ob die notwendigen Unterlagen für Ausweispapiere oder für die Anmeldung einer neuen Wohnadresse vorliegen. Wer mag, kann die Auskünfte auch per QR-Code auf das eigene Smartphone übertragen. Der Roboter hilft zudem bei der Orientierung im Bürgerbüro und im Rathaus. Er leitet die Besucherinnen und Besucher beispielsweise zur Wohngeldstelle und zeigt, wo der Fotoautomat und die Toiletten sind.
Geleitet wird das Wissenschaftsprojekt von Prof. Dr. Sabrina Eimler. "Wir möchten möglichst viele Menschen an dem Gestaltungsprozess beteiligen und Aufklärung leisten. Deshalb bringen wir Studierende, Forschende und Bürgerinnen und Bürger zusammen. Wir sind stolz, ein Stück der Zukunft gestalten zu dürfen", sagt sie zur Zielsetzung ihres Forschungsprojekts.
Bis zum 9. Oktober beobachten die Mitglieder des HRW-Projektteams, wie die Bürgerinnen und Bürger die Informationsangebote nutzen und ob sie die gewünschten Informationen erhalten. Zusätzliche Erkenntnisse erhoffen sie sich bei der Auswertung von Fragebögen, in denen die Nutzerinnen und Nutzer ihre Eindrücke von der Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit schildern können.
Erfahrungen hat das Ruhrbots-Projekt bereits in der Lebendigen Bibliothek gesammelt. HRW-Wissenschaftler Ramon Imort erwartet im Bürgerbüro ein anderes Nutzerverhalten: „Hier wollen die Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen möglichst schnell vorbringen und erledigen. Die Bibliothek bietet dagegen mehr Aufenthaltsqualität und ist Teil der Freizeitgestaltung.“
Monika Heisterklaus, Leiterin des Bürgerbüros, unterstützt das Forschungsprojekt. „Das ist ein spannendes Experiment, dem die Kolleginnen und Kollegen im Bürgerbüro offen und interessiert gegenüberstehen.“ Auch für die HRW-Forscher ist es ein relevanter Aspekt, welche Erwartungen die Beschäftigten an den Kollegen Roboter haben. Bis „Temi“ in den Arbeitsalltag integriert ist, wird es aber noch dauern. Im Moment jedenfalls verweist er an die Infotheke, wenn er die Anfragen nicht beantworten kann.