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Ruhrgebiet fordert breite Unterstützung des Bundes

Altschuldenhilfe ersetzt keine dauerhafte Lösung der strukturellen Unterfinanzierung der Kommunen. Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch angekündigt.

Der Kommunalrat im Regionalverband Ruhr (RVR) setzt seinen Berlin-Ruhr-Dialog fort und war mit einer großen Delegation in der Bundeshauptstadt am Donnerstag, 11. Juni 2026. Die Stadt Bottrop wurde durch Oberbürgermeister Matthias Buschfeld vertreten der gemeinsam mit den anderen Oberbürgermeistern und Landräten den Forderungen der Ruhrgebietskommunen Nachdruck verlieh.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (mitte) mit der Ruhrgebietsdelegation - dahinter (links) Oberbürgermeister Matthias Buschfeld.© Stadt Bottrop

In Berlin trafen sie auf Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas, die beiden Fraktionsvorsitzenden der Regierungskoalition, Jens Spahn (CDU/CSU) und Dr. Matthias Miersch (SPD) sowie auf weitere hochrangige Mitglieder der Bundesministerien. "In diesen Gesprächen standen die drängenden Herausforderungen bei der Entwicklung des Ruhrgebiets auf der Agenda", sagte Matthias Buschfeld. "Darunter zählen die gerechte Verteilung von Sozialkosten, Modernisierung von Infrastruktur, bessere Finanzausstattung der Kommunen und Stärkung des Industriestandortes."

Die Delegation aus dem Ruhrgebiet betonte, dass das Ruhrgebiet mit seinen mehr als fünf Millionen Menschen seit Jahrzehnten erfolgreich zeigt, wie tiefgreifender industrieller Wandel gelingen und eine grüne Industrieregion mit attraktiven Lebensbedingungen entstehen kann. „Diesen Weg wollen wir unbedingt fortsetzen", lautete das gemeinsame Credo der Delegation. Dazu braucht das Ruhrgebiet jedoch handlungsfähige Kommunen, eine verlässliche Finanzierung und die passenden Förderprogramme zum Beispiel bei der Entwicklung von Brachflächen.

Bei dem Treffen kündigte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas auch einen „Aktionsplan zur Bekämpfung des Missbrauches von Freizügigkeit und Sozialleistungen im Zusammenhang mit EU-Zuwanderung" an, der noch vor der Sommerpause im Bundeskabinett beschlossen werden soll. Bottrop hat das Glück derzeit kein Brennpunkt in dieser Frage zu sein, doch in einigen Ruhrgebietsstädten fordert dieses Problem dringend eine Lösung.

Das Ruhrgebiet selbst hat sich zum Ziel gesetzt, eine zukunftsorientierte und klimafreundliche Industrieregion zu sein, die wirtschaftliche Stärke, soziale Stabilität und moderne Infrastruktur miteinander verbindet. "Wir sind eine Industrieregion und wollen das auch bleiben", sagte Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link, der Sprecher des Kommunalrats ist. "Für mehr wirtschaftliches Wachstum muss die Bundesregierung jetzt die Weichen stellen, damit das Revier seinen Weg erfolgreich fortsetzen kann und nicht abgehängt wird. Wir brauchen zwingend Unterstützung dabei, bestehende Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen. Nur mit einer verlässlichen GRW-Förderung können wir langfristig einen starken Wirtschaftsstandort und damit ein dauerhaft starkes Ruhrgebiet sichern."

Thomas Kufen, stellvertretender Sprecher des Kommunalrats und Oberbürgermeister der Stadt Essen, unterstrich dies und ergänzt: „Bei unseren Forderungen an die Bundesregierung geht es nicht allein um Geld. Auf Bundesebene müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die uns in die Lage versetzen, schneller, einfacher, gezielter und nachhaltiger zu handeln. Das Konnexitätsprinzip muss konsequent angewandt werden, nach dem Motto „Wer bestellt, bezahlt". Zudem sollten die Kommunen stärker an den geplanten Reformen wie Kommunalfinanzen, Sozialausgaben oder Armutszuwanderung beteiligt werden, damit auch praxistaugliche Lösungen beschlossen werden."

RVR-Regionaldirektor Garrelt Duin sagt zum Ende der Delegationsreise: „Das Ruhrgebiet braucht Reformen vom Bund, die nicht immer höhere Standards und Maßstäbe von den Städten und Kreisen fordern. Verlässliche Strukturen und vereinfachte Verfahren schaffen mehr personelle und finanzielle Freiräume, beschleunigen Investitionen und stärken die Eigendynamik der Kommunen. So aufgestellt wird das Ruhrgebiet den tiefgreifenden Wandel meistern."

Zentrale Forderungen der Kommunen

Eine nachhaltige Lösung der kommunalen Finanzkrise erfordert die konsequente Anwendung des Konnexitätsprinzips, eine stärkere Beteiligung des Bundes und des Landes an Sozialausgaben sowie eine grundlegende Reform der Kommunalfinanzierung, u. a. mit einem höheren Umsatzsteueranteil bei den Städten. Die Altschulden-hilfe ist ein richtiges Signal. Sie ersetzt aber keine umfassende und dauerhafte Lösung der strukturellen Unterfinanzierung.

Die weitere Transformation an Rhein, Ruhr und Emscher braucht eine aktive Industrie- und Gewerbeflächenpolitik sowie eine zielgerichtete Weiterentwicklung der Förderkulissen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW). Ein Herausfallen aus der Förderkulisse wäre für viele Ruhrgebietsstädte fatal und würde dringend erforderliche Investitionen erschweren. Deswegen müssen Förderinstrumente so weiterentwickelt werden, dass sie die besonderen Herausforderungen industrieller Ballungsräume angemessen berücksichtigen.

Die Empfehlungen der Kommission zur Sozialstaatsreform enthalten keine kurzfristigen finanziellen Entlastungen für die kommunalen Haushalte. Die Bundesregierung ist aufgefordert, hier nachzubessern. Sie soll sich an den Kosten der Eingliederungshilfe finanziell stärker beteiligen und den Anteil an den Kosten der Kinder- und Jugendhilfe signifikant erhöhen.

Die Herausforderungen durch Zuwanderung aus Armutsregionen Südosteuropas sind komplex und vielschichtig. Sie betreffen Sozial-, Arbeitsmarkt-, Ordnungs-, Bit-dungs- und Gesundheitspolitik gleichermaßen. Die Bundesregierung ist daher aufgefordert, gemeinsam mit Ländern und Kommunen eine rechtlich tragfähige, finanziell unterlegte und europarechtlich abgestimmte Gesamtstrategie umzusetzen. Das Ziel ist es, den dauerhaften Bezug von Sozialleistungen bei nur geringfügiger Beschäftigung zu vermeiden, rechtsmissbräuchliche Berufungen auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit wirksam zu unterbinden und klare Kriterien für den Leistungsanspruch von EU-Bürgerinnen und -Bürgern zu schaffen.