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© Stadt Bottrop

Richard Paul Lohse im Quadrat

Ausstellung des Wegbereiters konstruktiv-konkreter Kunst im Mittelpunkt des Jubiläumjahres

Museumsleiterin Dr. Linda Walther erläutert die Parallelen von Richard Paul Lohse und Josef Albers.© Stadt Bottrop

Vor 50 Jahren wurde das Josef-Albers-Museum Quadrat eröffnet. Im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres steht eine Ausstellung des Schweizer Künstlers Richard Paul Lohse (1902 bis 1988). Damit wiederholt sich eine Einzelausstellung aus dem Eröffnungsjahr des Quadrats und setzt eine Klammer im 50-jährigen Ausstellungsbetrieb des Museumszentrums.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 14. Juni, eröffnet. Museumsleiterin Linda Walther benennt die offensichtlichen Parallelen zu Josef Albers. Beide beschäftigten sich mit geometrischen Formen insbesondere dem Quadrat. Beide arbeiteten mit nahezu mathematischer Präzision mit Farbanordnungen. Und beide setzen auf die serielle Reproduzierbarkeit ihrer Werke. Auch wird in der Ausstellung thematisiert, dass beide bei der Documenta 4 1968 in Kassel vertreten waren. Trotz dieser Überschneidungen ist offen, ob sich beide Konstruktivisten begegnet sind und sich über ihre Kunst ausgetauscht haben.

Richard Paul Lohse begann als Reklamemaler in Zürich. Früh entwickelte er ein politisches Engagement, das sich zeitlebens in seiner Kunst spiegelt. In seinen größer werdenden Bildern sind die vertikal und horizontal gegliederten Farbfelder gleichberechtigt. Es gibt keine bestimmenden Farben. Für Lohse ist dies ein Sinnbild für eine hierarchiefreie Demokratie, in der alle gleich viel wert sind.

Die Präsentation im Erweiterungsbau des Museums folgt den wichtigen Ausstellungsstationen Lohses. In Zürich thematisierte er 1942 noch Bewegung und Räumlichkeit im Bild. Dafür gruppierte er diagonale und gerundete Linien sowie Dreiecke und lässt sie in einen Austausch treten. 1961 konzentrierte er sich für eine Ausstellung in Amsterdam auf rechteckige und quadratische Farbfelder. Lohse verschrieb sich einer universell lesbaren Kunst, die auf Strukturen beruht und Improvisation ablehnt. Während der achten Biennale in Sao Paulo 1965 gerieten Lohses Gemälde neben den kinetischen Skulpturen von Jean Tinguely in den Augen der Betrachter in Bewegung. Die Beziehungen der Farben zueinander gewannen an Bedeutung. Rhythmische Kombinationen und verändernde Intensitäten innerhalb der strengen Geometrie verwandeln die Gemälde in pulsierende Wahrnehmungsfelder.

Auf der Documenta 4 im Jahr 1968 traten Richard Paul Lohses Werke in Kontakt mit internationaler Kunst. Dazu gehörten insbesondere Strömungen aus den USA; so auch des dort lebenden Josef Albers. Auf der Documenta waren 150 Künstler vertreten. Linda Walther weist darauf hin, dass sich Werke von 21 dieser Künstler in der Kunstsammlung des Museums befinden. Eines davon ist auch von Richard Paul Lohse. Dieses und weitere Arbeiten der Epoche sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen und stellen Lohse in den Kontext weiterer Konstruktivisten.

Als 70-jähriger vertrat Richard Paul Lohse die Schweiz 1972 bei der 36. Biennale in Venedig. Besondere Beachtung fanden dort seine großformatigen quadratischen Bilder. Gemäß dem Prinzip der Farbmengengleichheit hatte jedes Element den gleichen Wert. Die Bilder werden zum Modell einer nicht hierarchisch organisierten Struktur. Dies galt nicht nur im konstruktiv-künstlerischen, sondern auch im sozialpolitischen Sinne.

Unter dem Titel „Modulare und serielle Ordnungen“ widmete das frisch gegründete Museumszentrum Quadrat ihm 1976 die erste Einzelausstellung. Die Arbeit „Drei horizontale Teilungen“ ist die erste Erwerbung des Museums und legte den Grundstein für die Kunstsammlung „jenseits von Josef Albers“. Bis heute bildet die konstruktiv-konkrete Kunst einen wesentlichen Sammlungsschwerpunkt. „Die geometrische Abstraktion ist die DNA des Hauses“, sagt Linda Walther über ihr Museum.

Seine erste Ausstellung in den USA erlebte Richard Paul Lohse nicht mehr. Donald Judd, ein Hauptvertreter der Minimal Art, präsentierte Werke des Schweizers 1988 in Marfa/Texas und New York. Lohse wird als Bindeglied zwischen der avantgardistischen Bewegung in den 1910er Jahren in Europa und der minimalistischen sowie konzeptuellen Kunst in den USA der 1950er Jahre präsentiert.

In der Jubiläumsausstellung sind 50 Gemälde und 20 Zeichnungen des Schweizers zu sehen. Dabei handelt es sich um Leihgaben der Richard-Paul-Lohse-Stiftung in Zürich und aus Privatbesitz. Die Zeichnungen geben einen Einblick in die Arbeitsweise Lohses. Er plant seine Gemälde und bestimmt die Farbcodierung. Bis zur Umsetzung auf großformatigen Leinwänden vergehen Jahre und Jahrzehnte. Lohse notiert für seine Gemälde dann auch zwei Jahreszahlen – das Jahr der Erfindung und schließlich das Jahr der Ausführung.

Die Ausstellung ist bis zum 11. Oktober zu sehen. Das Museum ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr und donnerstags von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

Oberbürgermeister eröffnet die Ausstellung

Oberbürgermeister Matthias Buschfeld eröffnet die Ausstellung am Sonntag, 14. Juni, um 14 Uhr. Die Eröffnung ist gleichzeitig der Auftakt für ein Jubiläumsprogramm. In der Modernen Galerie wird die Ausstellung „50 Jahre Quadrat“ gezeigt. Das Museum für Ur- und Ortsgeschichte erinnert an den Gründer Arno Heinrich und die frühen Jahre des Hauses. Das Josef-Albers-Museum ist ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt am Eröffnungstag ist frei.