Bezirksvertretung Mitte vertagt „kleine Halde Haniel“
Eine von Reinhard Wieczorek und Guido Hofmann geplante Installation „Am Lamperfeld“ soll nach Klärung offener Fragen realisiert werden
Die Grünfläche im Kreisverkehr „Am Lamperfeld“ soll künstlerisch aufgewertet werden. Dies will die Bezirksvertretung Mitte grundsätzlich ermöglichen und folgt damit dem Kulturausschuss, der der Umgestaltung einstimmig zugestimmt hatte. Allerdings wollte die Bezirksvertretung während der jüngsten Sitzung noch nicht abschließend entscheiden. Die Mitglieder meldeten weiteren Klärungsbedarf bezüglich der vertragsrechtlichen Regelungen an. Insbesondere geht es um den Unterhalt der hölzernen Stelen. Vor einer erneuten Beratung soll beispielsweise geklärt werden, wie mit Verwitterungsschäden umgegangen wird und welche Möglichkeiten es gibt, einzelne Stelen zu versetzen, wenn dies nachträglich notwendig wird. Die Bezirksvertretung will dies vor einer Entscheidung in Verträgen vereinbaren.
Trotz dieser Einwände betonen die Mitglieder der Bezirksvertretung den künstlerischen Wert der Installation. Damit wird eine Idee aufgegriffen, die Reinhard Wieczorek und Guido Hofmann entwickelt hatten. Die beiden Bottroper Künstler sind in diesem Jahr gestorben und hatten zu Lebzeiten vorgeschlagen, die Innenfläche des Kreisverkehrs als „kleine Halde Haniel“ zu gestalten. Vorgesehen ist eine Gruppe von Stelen, die Bezug auf die bekannten Totems auf der Halde Haniel nimmt.
Reinhard Wieczorek und Guido Hofmann waren auf unterschiedliche Weise eng mit Bottrop und der Kunstszene des Ruhrgebiets verbunden. Reinhard Wieczorek, 1953 in Bottrop geboren, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und wurde 1995 mit dem Kulturpreis der Stadt Bottrop ausgezeichnet. Über Jahrzehnte hinweg gehörte er zu den prägenden Persönlichkeiten der Bottroper Kunstszene. Viele seiner Arbeiten griffen Motive und Strukturen des Ruhrgebiets auf. Seine unverwechselbare künstlerische Handschrift soll sich auch in der farblichen Gestaltung der Stelen wiederfinden. Er starb im Februar.
Guido Hofmann lebte und arbeitete bis zu seinem Tod im Juli dieses Jahres als Bildhauer und Materialplastiker in Bottrop-Kirchhellen. Als Meisterschüler des baskischen Künstlers Agustín Ibarrola hatte er eine künstlerische und persönliche Verbindung zu den Totems auf der Halde Haniel. Hofmann engagierte sich über viele Jahre für ihren Erhalt und begleitete zuletzt auch deren Restaurierung und Wiederaufstellung auf der Halde. Er selbst verwendete in seinen Arbeiten Materialien wie Stein, Beton, Holz, Stahl und Bronze. Zahlreiche Skulpturen und Landmarken in Bottrop zeugen von seinem Wirken.
Die unterschiedlichen künstlerischen Ansätze – die expressive Farb- und Formensprache Wieczoreks auf der einen und Hofmanns bildhauerischer Umgang mit Material, Raum und Skulptur auf der anderen Seite – sollen in der Gestaltung zusammengeführt werden. Die Realisierung des Projekts soll nun in enger Abstimmung mit den Künstlerfamilien erfolgen. Die Gestaltung der Stelen folgt den Vorstellungen Wieczoreks. Die handwerkliche Fertigung wird durch einen Sohn von Guido Hofmann übernommen. Mit dem Gestaltungselement im öffentlichen Raum entsteht zugleich ein dauerhafter Erinnerungsort für die beiden Künstler.rationen hinweg.
Standort und Umsetzung
Die konkrete Positionierung der Stelen wurde unter Berücksichtigung der gestalterischen Wirkung, der Bepflanzung sowie der besonderen Anforderungen an die Verkehrssicherheit geplant. Die Sichtbeziehungen zwischen den ein- und ausfahrenden Verkehrsteilnehmenden dürfen durch die Kunstobjekte nicht eingeschränkt werden. Die Installation soll als Kunstwerk wahrnehmbar sein, ohne eine unnötige Ablenkungs- oder Irritationswirkung für den fließenden Verkehr zu erzeugen. Auf bewegliche Elemente, spiegelnde Oberflächen, besonders grelle visuelle Effekte und eine zusätzliche Beleuchtung soll verzichtet werden. Der Fachbereich Tiefbau, das Straßenverkehrsamt und der Fachbereich Umwelt und Grün stimmen sich bei dem Aufbau der Stelen ab. Die Egon Bremer Stiftung beteiligt sich an der Finanzierung des Kunstprojekts. Transport, Aufstellung und Einbau der Stelen erfolgen durch den Fachbereich Umwelt und Grün.
Würdigung
Die künstlerische Gestaltung des Kreisverkehrs verbindet die Neugestaltung eines öffentlichen Stadtraums mit einem besonderen Stück Bottroper Kunstgeschichte. Das Projekt versteht sich als Hommage an Reinhard Wieczorek und Guido Hofmann, als dauerhafte Erinnerung an ihr künstlerisches Wirken in Bottrop und als Weiterführung ihrer gemeinsamen Idee über Generationen hinweg.