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Komische Altersbilder im B12

Ausstellung führt hinter die Fassade gesellschaftlicher Altersdiskurse

Katrin Reck (links) und Franziska Polanski zeigen „Das Alter in der Karikatur“.© Stadt Bottrop

„Das Alter in der Karikatur“ ist der Titel einer neuen Ausstellung im B12 des Kulturzentrums August Everding.  Zeitgenössische Karikaturisten bringen mit spitzem Stift Gebrechlichkeit und Generationenkonflikte aufs Papier. Auf unterhaltsame und vergnügliche Weise setzt sich die Ausstellung mit Stereotypen und überkommenen Altersbildern auseinander.

Zusammengestellt wurden die Zeichnungen von Franziska Polanski. Seit zehn Jahren beschäftigt sich die promovierte Medizinerin und Kulturwissenschaftlerin mit Altersstereotypen im kulturellen Gedächtnis, im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Universität Heidelberg. „Es gibt grundsätzlich eine negative Einstellung zum Alter“, sagt sie. Berichte zum demografischen Wandel beschreiben die alternden Generationen als wenig innovativ und als Kostenbelastung für jüngere Menschen. Franziska Polanski beobachtet, dass dieses Bild in der Wissenschaft seit den 1970er Jahren vermittelt wird. Diese Vorstellung sei falsch, findet sie: „Das Lebensalter ist nur ein Kennzeichen von Menschen.“

Wie tief die Vorurteile verwurzelt sind, zeigen die Karikaturen. Humor setzt die rationale Kontrolle außer Kraft. Es treten Einstellungen und Gefühle zutage, die sich vom politisch korrekten, gesellschaftlichen Altersdiskurs erheblich unterscheiden. Es werden die Klischees von körperlichem Abbau, Gebrechen und Tod bedient. Polanski will mit der Zusammenstellung der Zeichnungen zum Nachdenken anregen: Inwieweit ist es legitim, sich über Altersgebrechen lustig zu machen, und wann beginnt die Abwertung der Menschen? „Man erkennt die eigenen Irrtümer und ertappt sich selbst“, sagt Katrin Reck, Kuratorin der Ausstellungshalle B12.

Die in den vergangenen 20 Jahren entstandenen Zeichnungen nehmen die Alterserscheinungen der Alt-68er aufs Korn, zeigen aber auch Aggressionen gegen Krankheiten. Insgesamt sind 75 Bilder als Digitaldrucke zu sehen. Zu den Meisterinnen und Meistern der komischen Kunst gehören Gerhard Haderer, Franziska Becker, Gerhard Glück und Greser&Lenz und etwa 30 weitere Zeichnerinnen und Zeichner.

Die Ausstellung wird am Samstag, 19. September, um 11 Uhr von Oberbürgermeister Matthias Buschfeld eröffnet und ist bis zum 14. November zu sehen.