Geschichten von der Berne
Schülerinnen und Schüler auf Spurensuche
Im Rahmen des Mitmach-Projektes „Geschichten von der Berne“ haben Kinder der Offenen Ganztagsbetreuung der Schillerschule in ihren Ferien zur Historie des Gewässers recherchiert. Unter anderem wurden Interviews mit Menschen aus dem Stadtteil Ebel geführt und künstlerische Konzepte entwickelt. So lernten sie den Fluss, der von der Emschergenossenschaft im Zuge des Generationenprojektes Emscher-Umbau vom Abwasser befreit wurde, ganz neu kennen. Gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern haben die Grundschüler*innen Wandgestaltungen sowie ein Hörstück geschaffen – beides ist nun entlang der Berne in Ebel erleb- und erfahrbar. „Geschichten von der Berne“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Emschergenossenschaft und der Stadt Bottrop, gefördert wurde es mit Mitteln des nordrhein-westfälischen Städtebauministeriums.
Die Berne, die in Bottrop-Ebel in die Emscher mündet, hat den Stadtteil maßgeblich geprägt. Über viele Jahrzehnte diente sie infolge der Industrialisierung als offener Schmutzwasserlauf mitten im Quartier – aufgrund von bergbaubedingten Bodensenkungen war der Bau von unterirdischen Abwasserkanälen nicht möglich. Mit der Nordwanderung der Bergbaus Ende der 1980er-Jahre und dem anschließenden Strukturwandel änderte sich das Bild der Region: Im Rahmen des Umbaus des Emscher-Systems (1992-2021) hat die Emschergenossenschaft parallel zur Berne in Ebel einen unterirdischen Kanal verlegt und das oberirdische Gewässer damit von seiner Schmutzfracht befreit.
Mit der Abwasserfreiheit und der noch folgenden Renaturierung wandelt sich die Optik am Fluss – und mit ihr die Lebens- und Aufenthaltsqualität am Fluss: Die Sohlschalen, das „Betonkorsett“ der Berne, werden größtenteils weichen und dem Bach dort, wo es möglich ist, mehr Platz für einen neuen blaugrünen Lebensraum geben. An einigen Stellen stehen Teile der Sohlschalen unter Denkmalschutz und sollen auch in Zukunft an die industrielle Vergangenheit des Stadtteils und des Flusses erinnern.
Diese Geschichte der Berne, die eng mit dem Stadtteil und den Erinnerungen der Menschen in Ebel verbunden ist, haben die Schüler*innen der Schillerschule in ihrer Projektwoche recherchiert. Der Fluss ist Teil auch ihrer eigenen Lebenswelt und steht beispielhaft für den Wandel der Emscher-Region. Wie diese Transformation aussieht, haben die Kinder gemeinsam mit den Künstler*innen von „Die Urbanisten e.V.“ erarbeitet.
Die Auseinandersetzung mit der Berne wurde für die Kinder zu einem kreativen Prozess. Sie haben mit Zeitzeug*innen aus dem Stadtteil und Expert*innen gesprochen, Holzarbeiten zum blaugrünem Leben Assoziationen an der Berne erstellt und Gestaltungen für Wandbilder konzipiert. Die Holzobjekte zeigen zum Beispiel Tiere und Pflanzen wie Schmetterlinge, Fische und Blumen, die die Kinder mit der Berne verbinden. Sie wurden von ihnen selbst entworfen und gebastelt, mittlerweile wurden sie an den Zaun an der Berne in Bottrop-Ebel angebracht. Dort ist auch ein Schild mit QR-Code zu einem Hörstück zu finden, das ergänzend entstanden ist: Darin halten die Kinder Stimmen aus dem Stadtteil zu Geschichten von der Berne fest.
Die Ideen für die Wandgestaltungen haben die Künstler*innen im Anschluss an oberirdisch sichtbare Betriebsbauteile des unterirdischen Abwasserkanals Berne aufgebracht. Sie greifen die industrielle Geschichte und den blaugrünen Wandel mit stilisierten Bildern auf. Damit wird auf kreative Weise auf die wasserwirtschaftliche Infrastruktur aufmerksam gemacht, die erst die Abwasserfreiheit in dem Gewässer ermöglicht. Direkt an der Berne sind so dauerhaft sicht- und hörbare Spuren entstanden, die an die Geschichte und den Wandel des Ortes erinnern. Mit Bildungsprojekten wie diesem schafft die Emschergenossenschaft einen Mehrwert über die Revitalisierung des Gewässers hinaus. Bildungsarbeit, Wasserwirtschaft und Städtebau gehen Hand in Hand, denn Verständnis für die Entwicklung einer Region zu vermitteln, statt sie nur auszuführen, trägt nachhaltig dazu bei, dass sie weiter erfolgreich ist.
Das Projekt „Geschichten von der Berne“, in das rund 20.000 Euro investiert wurden, ist ein Projekt der Kooperation „Gemeinsam für Emscher und Lippe“. Es wurde zu 80 Prozent mit Mitteln der Städtebauförderung ermöglicht. Die Emschergenossenschaft trägt 20 Prozent der Kosten. „Gemeinsam für Emscher und Lippe“ ist eine Kooperation von Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV), dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Stadt Bottrop (stellvertretend für die Emscher-Kommunen).