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Emscher-Lippe-Raum soll Modellregion für Wasserstoff-Technologie werden

Ein Dekadenprojekt für die Transformation zur klimaneutralen Region wird auf den Weg gebracht. Mehr als 40 konkrete Projekte sollen im nördlichen Ruhrgebiet bis 2030 auf den Weg gebraucht werden. Es werden 1 Milliarde Euro öffentlicher und privater Investitionen erwartet.

© Volker BeushausenVon links: Regierungspräsidentin Dorothee Feller, Landrat Bodo Klimpel, Oberbürgermeisterin Karin Welge und Oberbürgermeister Bernd Tischler

Anderthalb Jahre wurde am Konzept gearbeitet, über 40 Projekte sind entwickelt worden: Am Dienstag, 6. Juli stellte in Gelsenkirchen auf der ehemaligen Zeche Westerholt ein breites Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einen konkreten Fahrplan für eine Wasserstoffregion Emscher-Lippe vor. Es handelt sich dabei um ein neues Dekadenprojekt, das mit einem Investitionsvolumen von ca. 1 Milliarde Euro bis 2030 umgesetzt werden soll und das unmittelbar Einfluss hat auf die Entwicklung in Bottrop. Oberbürgermeister Bernd Tischler sieht die Stadt in diesem Bündnis gut aufgestellt: "Ziel der Roadmap H2EL ist, die industrielle Basis der Region zu sichern und neue Arbeitsplätze in zukunfts­sicheren Branchen zu schaffen."

"Nach dem blauen Himmel an der Ruhr kommt jetzt die grüne Industrie an Emscher und Lippe", sagt Bodo Klimpel, Landrat des Kreises Recklinghausen und zugleich Präsidiumsvorsitzender der WiN Emscher-Lippe GmbH. Neben 12 Kommunen, darunter auch die Stadt Bottrop, und dem Kreis Recklinghausen sind zurzeit 21 private Unternehmen, Banken und Verbände an diesem regionalen Wirtschaftsförderungsnetzwerk beteiligt.

In Sachen Wasserstoff-Technologie verfolgt die Region einen pragmatischen Ansatz: "Wir nutzen die vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen, umso schneller und kostengünstiger eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen als andere Regionen“, so Klimpel. So bescheinige die international tätige Unternehmensberatung 'Ernst & Young' der Emscher-Lippe-Region "beste Voraussetzungen" zur Etablierung als H2-Modellregion, wenn ein eng abgestimmtes strategisches Konzept verfolgt werde.

„Die Roadmap H2EL weist den Weg in die Klimaneutralität mit grünem Wasserstoff und wird zugleich durch Versorgungskonzepte für Quartiere und neue Mobilität zu neuer Lebensqualität führen“, sagte Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge, stellvertretende Präsidiumsvorsitzende der WiN Emscher-Lippe GmbH. „Die Vorreiterrolle der Industrie kann den Weg zu Unternehmensansiedlungen ebnen und den konsequenten Einsatz von grünen Wasserstofftechnologien zu einem Exportschlager aus dem nördlichen Ruhrgebiet machen. Der Wandel geht weiter“, so die Oberbürgermeisterin. Als herausragendes Beispiel nannte Welge den „Klimahafen Gelsenkirchen“, wo Mittelstand, Binnenschifffahrt und Großindustrie in einem Verbundprojekt schrittweise auf Klimaneutralität umgestellt werden sollen.

Dekadenprojekt als Kraftakt für die Region Bei der Vorstellung betonten die Beteiligten, dass die Umsetzung der Roadmap bis 2030 einen Kraftakt für die Region bedeute: „Das Ziel der Klimaneutralität stellt die Industrie vor enorme Herausforderungen“, erklärte Lars Baumgürtel, Vizepräsident der IHK Nord Westfalen. Um die Transformation zu meistern, müsse der Mittelstand genauso wie die Großindustrie Zugang zu grünem Wasserstoff erhalten. „Wenn wir jetzt gemeinsam anpacken und Projekte mit vereinten Kräften umsetzen, kann die Emscher-Lippe-Region an bewährte Stärken der Metropole Ruhr anknüpfen und zur Wasserstoff-Modellregion werden“, sagte Baumgürtel, der in seinem Unternehmen ZINQ GmbH & Co. KG bereits massiv in klimafreundliche Technologie investiert.

Ehrgeizige Ziele für Wasserstoff-Mobilität Die Roadmap setzt auch ehrgeizige Ziele für die Mobilität: „Wir wollen den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor, der heute noch bundesweit bei 7,3 Prozent liegt, in unserer Region bis 2030 auf 30 Prozent steigern“, sagte Bernd Tischler, Oberbürgermeister der Stadt Bottrop und stellvertretender Präsidiumsvorsitzender der WiN Emscher-Lippe GmbH. Im Jahr 2030 sollen 1.000 Lkw, 120 Busse und 100 Müllfahrzeuge von Brennstoffzellen angetrieben werden und in jeder Stadt mindestens eine Wasserstofftankstelle vorhanden sein. „Dafür werden wir uns um eine weitere Förderung des Bundesverkehrsministeriums (HyPerformer) bewerben.“

Infrastruktur als zentraler Baustein für grüne Industrieregion Regierungspräsidentin Dorothee Feller gab einen Ausblick auf die nächsten Schritte. Der zentrale Baustein auf dem Weg zur grünen Industrieregion sei die Nutzung und der Ausbau der Infrastruktur: Schon jetzt geht von der Emscher-Lippe-Region die längste Wasserstoff-Pipeline Deutschlands aus. Das vom Bund geförderte Projekt GET H2 werde ein öffentlich zugängliches Netz schaffen, das die Wirtschaft mit grünem Wasserstoff aus dem Emsland versorgt und perspektivisch die Wasserstoffregion Emscher-Lippe mit den Nordseehäfen Rotterdam, Antwerpen und Wilhelmshaven und dem Rheinland verbindet.„Wenn wir Wasserstoff nutzen wollen, um Arbeitsplätze im energieintensiven Gewerbe zu erhalten, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Klimaziele zu erreichen, dürfen wir nicht allein in Regionen denken. Es wird entscheidend darauf ankommen, nationale und regionale Grenzen entlang von Wertschöpfungsketten zu überwinden und sich kooperativ zu verbinden. Als Regierungspräsidentin sehe ich meine Aufgabe auch darin, diese Transformation zu begleiten und Vernetzungen anzuschieben“, sagte Dorothee Feller.

Wasserstoff-Gipfel und Roadshow im Herbst

Die Perspektiven sollen am 4. Oktober auf der früheren Steinkohlenzeche Fürst Leopold in Dorsten beim Wasserstoff-Gipfel weiterentwickelt und konkretisiert werden, zu dem die Regierungspräsidentin einlädt. Auf dem Weg dahin gibt es die Möglichkeit, konkrete Projekte im Rahmen einer Roadshow kennenzulernen, so am 14. September im Chemiepark in Marl.

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