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Lehmkuhle

Das Südring-Center soll der Lehmkuhle ein Gesicht geben. Der zerschnittene Ortsteil ohne klare Grenzen hat durchaus seine Qualitäten.

Das Südring-Center soll der Lehmkuhle ein Gesicht geben

Obwohl die Lehmkuhle zu den vier ursprünglichen Bottroper Bauernschaften gehört, ist der Stadtteil vielen nahezu unbekannt. Zerschnitten von Bahntrassen und Durchgangsstraßen fehlt der Lehmkuhle ein echtes Gesicht. Mit dem neuen Südring-Center am Hauptbahnhof soll das anders werden.

© Stadt Bottrop

Stadtteilgrenzen

Eingefleischten Lehmkuhlern liegen die Vorteile ihres Stadtteils dagegen schon jetzt auf der Hand. „Lehmkuhle? Wo ist das denn?“ „Ach, da hinten an der Autobahn!“ Solche und ähnliche Reaktionen erntete Ulla Bähr von ihren damaligen Nachbarn, als sie vor sechs Jahren aus dem Fuhlenbrock in die Lehmkuhle zog.

Die Grenzen der ehernen Bauernschaft zu bestimmen, fällt heute tatsächlich nicht leicht. Im Süden grenzt die A 42 und die Emscher den Stadtteil von Ebel ab. Im Westen nach Vonderort zu stehen die Reste des Donnerbergs, der durch die Sandförderung bis Anfang der 80er-Jahre beinhae vollkommen abgetragen wurde und dann als Mülldeponie durch den Abfall der Stadt langsam wieder anwuchs.

Geht es um die Grenzen im Norden und im Osten, geraten selbst die eingefleischten Einwohner des Stadtteils ins Schwimmen. Denn im Norden geht die Lehmkuhle fast nahtlos in den Bereich Innenstadt über – wenig beachtete Grenze ist hier der Südring.

Historische Gebäude

Im Osten reklamiert man die Knippenburg gerne noch für sich, die im Zweiten Weltkrieg durch Luftminen-Treffer stark beschädigt und 1962 schließlich abgerissen wurde. Auf der Burg, die ihre Wurzeln im 14. Jahrhundert hatte, soll unter anderem die Dichterin Luise Hensel das Gebet „Müde bin ich, geh zur Ruh’“ geschrieben haben. Heute erinnert nur noch der Straßenname an die Knippenburg, auf deren Gelände sich das Deichmann-Lager angesiedelt hat. Tatsächlich aber bildet die Bahnhofstraße die offizielle Stadtteil-Grenze der Lehmkuhle, so dass das Abendgebet wohl im benachbarten Batenbrock-Süd entstanden ist.


Ein anderes historisches Gebäude, was tatsächlich in die Lehmkuhle gehörte, ist heute ebenfalls verschwunden. Die letzten Gebäude des Armeler Hofes wurden 1974 abgerissen. Davor konnte das Anwesen als ältester urkundlich erwähnter Hof Bottrops auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken.

© Stadt Bottrop

Essener und Lehmkuhler Straße

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschlang die Sandförderung jedoch immer mehr und mehr Teile der Felder und der Hof wurde schließlich unrentabel. Auch an ihn erinnert heute nur noch ein Straßenname.

Sind die Grenzen des Stadtteils oft unklar, so wirft die Frage nach einem Mittelpunkt noch größere Probleme auf. Die Straßen um die St. Barbara-Kirche, die jüngst ihr fünfzigjähriges Bestehen feiern konnte, werden von der vierspurigen Essener Straße, der Hauptverkehrsachse in die Nachbarstadt, nahezu abgeriegelt.

Ähnlich ergeht es der Lehmkuhler Straße und ihren Seitenstraßen. Sie sind auf der gegenüberliegenden Seite der Essener Straße eingekreist von Bahntrasse und Autobahn. Da ist es kaum verwunderlich, dass den täglich die Verkehrswege benutzenden Bottropern oft nur die
Hochhäuser an der Essener Straße als Bild vom Stadtteil Lehmkuhle haften bleiben.

© Stadt Bottrop

Leben in der Lehmkuhle

Die Pläne des Bistums Essen, wonach die Kirche St. Barbara, für die die Bewohner der Lehmkuhle vor 50 Jahren in mühevoller Kleinarbeit selbst das Geld zusammen trugen, geschlossen und die Gemeinde aufgelöst werden soll, tragen zur Fragmentierung des Stadtteils bei.

Klare Vorstellungen von der Lehmkuhle hatte auch Ulla Bähr nicht. „Ein Hauptbahnhof, der seinen Namen nicht verdiente", war für die gebürtige Hernerin Ende der 90er-Jahre das hervorstechendste Merkmal. Das Elternhaus ihres Mannes auf der Straße „Im Wildland" brachte sie mit der Lehmkuhle nicht in Verbindung. Dann wurde die Eigentumswohnung im Fuhlenbrock für die junge Familie zu klein und man suchte etwas, „was verkehrstechnisch gut angebunden ist, in einer Randlage, aber nicht zu weit entfernt von der Innenstadt liegt und wo das Umfeld stimmt", wie Andreas Bähr erklärt. Gemeint war eigentlich ein Häuschen im Fuhlenbrock.

Als die Eltern jedoch ihr Haus „Im Wildland" hinter der Barbara-Kirche anboten, weil sie sich kleiner setzen wollten, stellten Ulla und Andreas Bähr fest, dass ihre Vorstellungen eigentlich auf die Lehmkuhle zutrafen. So kehrte Andreas in sein Elternhaus zurück, und fand heraus, dass er nicht der Einzige war, der in den Stadtteil zurückgefunden hatte. „Die Nachbarn links und rechts sind dieselben Leute, mit denen ich groß geworden bin. Auch sie haben sich wieder für die Lehmkuhle entschieden", erzählt der heute 41-Jährige. Die Vorteile liegen für ihn und seine Frau auf der Hand. „Wir haben hier ein wirklich schönes kleines Viertel, wo Nachbarschaftshilfe noch kein Fremdwort ist", sagt die 37-Jährige. Als Mutter von Steffen (7) und Jona (5) ist es ihr außerdem wichtig, dass der Kindergarten nur eine Straße weiter liegt, und die Umgebung auch für die Kinder stimmt.

© Stadt BottropMit der Umgestaltung des Bahnhofs begann der baulische Aufschwung in der Lehmkuhle.

Der Hauptbahnhof

„Dadurch, dass wir von der Essener Straße so abgeschirmt werden, können wir die Kleinen in unseren Nebenstraßen auch mal aus dem Haus lassen, ohne Angst zu haben, dass sie gleich vor ein Auto laufen", beschreibt Ulla Bähr. Außerdem sind es mit dem Fahrrad nur ein paar Minuten bis in die Innenstadt und das Nachtigallental, von dem man bei Ausflügen bis zum Gesundheitspark Quellenbusch in Vonderort laufen kann, ist auch nicht weit.

„Ich hatte hier eine wunderschöne Kindheit", schwärmt Andreas Bähr, „und ich bin sicher, dass meine Kinder sie in diesem Stadtteil auch haben werden." Während der Familienvater erst ins „Exil" in den Fuhlenbrock musste, um zu erkennen, wie schön es doch zu Hause ist, war Rosemarie Jeschke schon immer klar, dass in der Lehmkuhle ihre Heimat ist und bleibt. Die langjährige SPD-Ratsfrau wurde vor 67 Jahren auf der Lehmkuhler Straße geboren, lebt heute nur ein Haus weiter.

Sie kann sich noch an die Zeit erinnern, als der eine Teil der Männer jeden Morgen zur westlich gelegenen Zeche Prosper I im Stadtteil Ebel aufbrach und der andere zur östlich gelegenen Grube Prosper II in Batenbrock ging.
Heute sind die beiden Zechen schon längst geschlossen und es wohnt kaum mehr ein aktiver Bergmann in der Lehmkuhle. Stattdessen haben sich in Rosemarie Jeschkes Umgebung in letzter Zeit viele türkische Bewohner angesiedelt, oft die Häuser sogar gekauft. „Das sind alles junge Leute, die sehr nett sind", erzählt sie. „Wir feiern vielleicht nicht zusammen, aber die Nachbarschaft ist sehr gut."

Auch sonst kann sich die ehemalige Lokalpolitikerin keinen besseren Ort zum Leben vorstellen. „Ich bin ruck-zuck zum Einkaufen in der Stadt, habe aber gleichzeitig hier mein ruhiges, familiäres Umfeld", sagt die Mutter von zwei Töchtern, die ebenfalls dem Stadtteil treu geblieben sind. Den Lärm der beiden Eisenbahn-Trassen und der Autobahn hört man als alteingesessener Bewohner der Lehmkuhler Straße kaum mehr.

Mit den Bauntwicklungen der letzten Zeit beginnt die Lehmkuhle jedoch auch langsam nach außen positiv zu wirken. Der Bahnhofs-Neubau mit seinen klaren Linien und der luftigen Atmosphäre war ein erster Schritt, die Attraktivität des „vergessenen" Stadtteils zu erhöhen. Mit dem gerade eröffneten Südring-Center kommt ein weiterer Anziehungspunkt für die ganze Stadt hinzu. Auf der Brachfläche gegenüber des Hauptbahnhofes entstand ein Zentrum mit Geschäften, einem Fitness-Studio, einem Schnellrestaurant und einigen kleineren Lokalen. „Dass das hier in unserem Stadtteil passiert, da sind wir richtig stolz drauf!", erklärt Rosemarie Jeschke. „Die Leute konnten es kaum erwarten, dass die Bauarbeiten endlich abgeschlossen wurden."

Zahlen, Daten, Fakten

Der Stadtteil Lehmkuhle im Süden von Bottrop besteht aus drei Wohngebieten auf gut eineinhalb Quadratkilometern: die Bebauung rund um den Hauptbahnhof, die Straßen an der Kirche St. Barbara und der Lehmkuhlerstraße und Böcklinstraße zwischen den beiden Bahntrassen. Dadurch fehlt dem Ortsteil, der zu den vier ursprünglichen Bottroper Bauernschaften gehört, ein echtes Zentrum. Insgesamt leben knapp 3000 Menschen in der Lehmkuhle. Für sie soll zukünftig das neue Südring-Center zwischen Bahnhofstraße und Essener Straße zur Nahversorgung und als Mittelpunkt des Stadtteils dienen.

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