Für Egon Bremer, 2025
Kunstwerk auf dem Egon Bremer Platz mit symbolischer Strahlkraft
Die Gedankengänge der Künstlerin
Lyriker Volker Demuth beschrieb den Heimweg von Egon Bremer einst wie folgt: „Auf dem täglichen Weg zur Arbeit von seinem Wohnhaus zu seiner Ziegelei ging Egon Bremer zu Fuß über den heute nach ihm benannten Platz. Heute ist dieser Platz ein Durchfahrtskreuz für Fahrradfahrer, die ihn zielstrebig und gradlinig durchqueren. Egon Bremer ging zu Fuß. Gehen besteht in einer fließenden Aneinanderreihung schwankender Ausgleichsbewegungen, weshalb jeder Mensch zu mehr oder weniger weit ausschwingenden Bögen neigt."
Dazu fällt mir die Arbeit von Marcel Duchamps mit den Fäden ein, Massnorm-Stoppagen, Paris, 1914: Der Fall des gespannten Fadens - in die Entspannung, in die freie, mäandernde Form.
Bezugnehmend auf M. Duchamps Vorgehensweise füge ich eine entspannte Linie, die dem Gehen entspricht, in den funktionalen Durchfahrtsplatz ein, der in seiner jetzigen Form, wie eine Ansammlung von gespannten Fäden (Fahrradwegen) erscheint.
Die entspannte Linie, die ohne Anfangs- und Zielpunkt da liegt, eröffnet einen Imaginationsraum für die Erinnerung an Egon Bremer, der diesen Platz so viele Male zu Fuß überquerte.
Die von mir ausgesuchten unbesandeten Tonpflasterklinker sind in ihrer Farbigkeit und Oberflächenbeschaffenheit hochwertig, im typischen Ziegelrot schaffen sie durch leichte Farbunterschiede und die Art der Verlegung einen Rhythmus in der gewundenen Linie. Diese Linie besteht aus 14 schmalen Klinkern, die versetzt nebeneinander in den Boden eingelassen und verfugt sind.
Tamara Grcic, Künstlerin und Professorin
Egon Bremer, ein „Vollblut-Bottroper“
Egon Bremer stammte aus einer Bottroper Bauunternehmer-Familie. 1878 hatte sein Großvater Ernst Bremer eine Bauschreinerei und eine Baumaterialienhandlung gegründet. Später kamen eine Baustoffgroßhandlung und eine Ziegelei hinzu. Vor dem Ersten Weltkrieg arbeiteten 2000 Mitarbeiter für das Unternehmen. 1918 teilten die Söhne des Firmengründers Ernst das Unternehmen untereinander auf.
Egon Bremer, geboren 1926, übernahm 1963 den Geschäftszweig „Baustoffhandlung und Ziegelei“ an der Horster Straße. 2006 starb Egon Bremer mit 79 Jahren. Zeit seines Lebens hatte er sich seiner Heimatstadt Bottrop sehr verbunden gefühlt. Er engagierte sich politisch – auch im Stadtrat von 1952 bis 1956. Als passionierter Jäger baute er das Waldpädagogische Zentrum mit auf.
Gekrönt wurde das Engagement von Egon Bremer für „seine“ Stadt mit der Gründung der nach ihm benannten Stiftung, der er testamentarisch sein ganzes Vermögen überschrieb.
Die Egon Bremer-Stiftung setzt sich seither für Bottrop ein, für Völkerverständigung z. B. durch Unterstützung der Städtepartnerschaften, für den Jugendsport. Und vor allem für das Kulturleben, das ohne die Egon Bremer-Stiftung nicht vorstellbar ist. Kein Großprojekt – sei es die Arbeit des Stadtarchivs oder des Museums Quadrat, sei es die Sommerreihe „Stadtflimmern“, die Internationalen Figurentheatertage, das Festival OrgelPLUS oder bedeutende Ausstellungen im B12 - kann ohne die finanzielle Unterstützung der Stiftung realisiert werden.