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Familie Meyer

5 Stolpersteine für August Meyer, Fanny Meyer, Wilhelm Meyer, Fajga Dobra Meyer und Edgar August Meyer an der Gladbecker Straße 334.

August Meyer

Patenschaft

Patenschaft für den Stolperstein: Evangelische Kirchengemeinde Bottrop-Eigen
Verlegung des Stolpersteins: 11. Juni 2025

Fanny Meyer geb. Meyer

Patenschaft

Patenschaft für den Stolperstein: Jürgen Krämer
Verlegung des Stolpersteins: 11. Juni 2025

Wilhelm Meyer

Patenschaft

Patenschaft für den Stolperstein: Freiwillige Feuerwehr Bottrop-Eigen
Verlegung des Stolpersteins: 11. Juni 2025

Fajga Dobra Meyer geb. Markowitz

Patenschaft

Patenschaft für den Stolperstein: Familie Schwittay
Verlegung des Stolpersteins: 11. Juni 2025

Edgar August Meyer

Patenschaft

Patenschaft für den Stolperstein: Liesel Appel
Verlegung des Stolpersteins: 11. Juni 2025

Familiengeschichte

August Meyer

August Meyer, geboren am 6. Oktober 1874 in Unna, kämpfte im Ersten Weltkrieg als Frontsoldat für das Deutsche Reich. Am 9. Mai 1911 war er mit seiner Ehefrau Fanny geborene Meyer von Gelsenkirchen nach Bottrop an die Gladbecker Straße 334 gezogen.

Ab etwa 1920 führte August Meyer in diesem Haus ein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft. Am 28. Dezember 1935 stellte er einen Antrag an Oberbürgermeister Graf von Stosch und bat darum, seine „arische“ Hausangestellte weiter beschäftigen zu dürfen. Juden war es aufgrund der „Rassegesetze“ (Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“) nicht mehr erlaubt, deutsche Haushaltshilfen anzustellen.

August Meyer beschrieb in seinem Antrag, dass er sich als Frontkämpfer für das Deutsche Reich im Weltkrieg ein schweres Gichtleiden zugezogen hätte und daher fast durchgängig bettlägerig wäre. Auch sein Vater, ein Anstreichermeister, hätte „im Feldzug 1866/70/71 ebenfalls als Frontkämpfer“ teilgenommen.

Der Antrag wurde am 25. Februar 1936 abgelehnt, der Ausführung der Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Münster folgend, die schrieb, „daß es in Bottrop genügend Mädchen ohne oder mit polnischer Staatsangehörigkeit gibt, die bei Meyer in Dienst treten können“. Vier Tage zuvor, am 21. Februar 1936, war August Meyer verstorben.

Dieses Foto vom zerstörten Haus Gladbecker Straße 334 entstand am Tag nach der Pogromnacht.© Landesarchiv NRW

Fanny Meyer

Seine Ehefrau Fanny geborene Meyer, geboren am 16. Dezember 1875 in Essen, war zu dieser Zeit schon lange sehr krank, hatte mehrere schwere Operationen
hinter sich. Sie lebte nach dem Tod ihres Mannes weiter mit ihrem Sohn und seiner Familie in dem Haus im Eigen.

In der Pogromnacht vom 9./ 10. November 1938 wurden das Geschäft und die Wohnung verwüstet und die gesamte Familie in „polizeiliche Verwahrung genommen“. Ihr Sohn und seine Familie flohen daraufhin nach Palästina. Fanny Meyer blieb in Bottrop und hat wohl noch einige Monate in dem Haus gewohnt.

Am 8. Mai 1939 ist sie dann nach Gelsenkirchen, Von-der-Recke-Straße 4, verzogen, eines der sogenannten "Judenhäuser", in denen die jüdische Bevölkerung
zusammengezogen wurde. Vielleicht hatte sie dort Verwandte. Von dort wurde sie am 27. Januar 1942 mit 500 anderen Menschen jüdischen Glaubens aus Gelsenkirchen und anderen Städten, auch aus Bottrop, in das Ghetto Riga in Lettland verschleppt. Hier verliert sich ihre Spur.

Wilhelm, Fajga Dobra und Edgar August Meyer

Neben den Eheleuten Meyer sen. wohnte auch der gemeinsame Sohn Wilhelm Meyer mit seiner Familie auf der Gladbecker Straße 334. Wilhelm Meyer wurde am 8. März 1903 in Rauxel (bzw. Bövinghausen) geboren. Er heiratete am 9. Oktober 1936 in Essen Fajga Dobra Meyer, geborene Markowitz, geboren am 25. Juli 1905 in Alexandrow, Kreis Lodz / Polen. Nach dem Tod des Vaters übernahm Wilhelm Meyer das Geschäft seiner Eltern.

In der Reichpogromnacht am 9./ 10. November 1938 wurden das Geschäft und die darüber liegende Wohnung durch die Nazis verwüstet. Die Familie wurde unter Schlägen und Tritten auf die Straße getrieben, wo sie, unter weiteren Misshandlungen, der Zerstörung ihres Hab und Gutes zusehen musste. Man inhaftierte Wilhelm Meyer und seine Familie. Die Familie wurde - wie nahezu alle jüdischen Bürger - enteignet, sodass das Geschäft am 24. November 1938 erlosch.

Sohn Edgar, geboren am 20. September 1937 in Essen, widerfuhr ein anderes Schicksal. Er sollte in dieser Nacht von den Nazischergen, aus dem Fenster in den
Hinterhof des Wohnhauses geworfen werden. Ein an den Tumulten beteiligter Lehrer soll ihn schon an den Beinen gepackt und aus dem Fenster gehalten haben,
so eine Schilderung. Einer anderen zufolge soll das Baby im Kinderwagen von einem niedrigen Balkon auf die Straße gestoßen worden sein.

Wilhelm, Dobra und Edgar Meyer mit Schäferhund Rexie 1939 nach ihrer Ankunft in Palästina.© Liesel Appel

Wohl nur durch das mutige und energische Einschreiten des Nachbarn Friedrich Sommer, der ein Kino direkt neben dem Geschäft der Familie Meyer betrieb, hat das Baby überlebt. Johanna Beckfeld (später Banner), die Geschäftsführerin im Geschäft der Familie Meyer war, versteckte Fajga Dobra Meyer und ihr Baby danach über Wochen bei sich. Sie hatte Todesangst, dass es entdeckt würde, wie sie später ihrer Tochter erzählte.

Ihre Vermieter waren christlich eingestellt und haben sie nicht verraten. Friedrich Sommer hat nie hierüber gesprochen, auch nicht in seinem Entnazifizierungsverfahren nach dem Krieg. Seine Rolle damals ist unklar, Aussagen widersprechen sich. Im Entnazifizierungserfahren wurde er angeklagt, sich aktiv an den Ausschreitungen beteiligt zu haben.

Wilhelm Meyer verließ hiernach Bottrop nach Palästina. Schließlich bekam auch Fajga Dobra die ersehnte Ausreisegenehmigung und eine Schiffspassage nach Palästina und konnte mit Edgar August am 28. Februar 1939 endlich fort. Die Familie lebte von nun an in dem Dorf Ramat Hadar in der Nähe von Tel Aviv, wo Wilhelm Meyer eine Apfelsinenfarm betrieb.

Fajga Dobra Meyer verstarb schon sehr bald nach ihrer Ankunft, Wilhelm Meier am 30. November 1974. Edgar August Meyer verstarb am 4. Dezember 1992 in Israel.

Liesel Appel am Grab von Edgar August Meyer in Ramut Hashavim© Liesel Appel

Liesel Appel geborene Steffens hat fast ihr ganzes Leben mit der Suche nach Spuren der Familie Meyer verbracht. Ihre Familie wohnte damals im Nachbarhaus
und sie hatte zunächst angenommen, dass ihr Vater derjenige war, der das Baby gerettet hatte. Sie musste aber erfahren, dass er ein hoher Nationalsozialist gewesen war und auch ihre Mutter dieser Ideologie nahestand.

Diese einschneidende Erfahrung prägte sie sehr. Die jahrzehntelange Suche nach der Wahrheit und dem Verbleib der Familie Meyer, insbesondere nach Edgar
August Meyer, war schließlich glücklicherweise erfolgreich. Doch Edgar August Meyer war zu diesem Zeitpunkt leider schon verstorben. Sie schrieb ihre Geschichte, die mit der der Familie Meyer verwoben ist, nieder und hält immer wieder Vorträge und Lesungen über das Thema.

Heute lebt Liesel Appel in West Palm Beach, USA. Die Geschehnisse in der Gladbecker Straße 334 sind bisher nur sehr wenigen Menschen bekannt. Der Familie Meyer wurde, wie anderen jüdischen Familien, durch die Nazis erhebliches Leid zugefügt. Um auf dieses Leid hinzuweisen, sind vor dem Haus an der Gladbecker Straße 334 Stolpersteine für August, Fanny, Wilhelm, Fajga Dobra und Edgar August Meyer verlegt worden. Aber es soll auch daran erinnert werden, dass es in dieser dunklen Zeit auch mutige Menschen gab, die geholfen haben.

Literatur und Quellen

Manfred Lück: Juden in Bottrop, 2 Bde., Bottrop 1993, 2001.

Liesel Appel: Der Sohn des Nachbarn, 2014.

Entnazifizierungsakte Friedrich Wilhelm Sommer (Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland, Bestand NW 1039-S, Signatur: 1677).

Persönliche Erinnerungen von Hanne Ochs, Tochter von Johanna Banner.