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Umgebungslärm

Das Europäische Parlament und der Rat haben im Juni 2002 die „EU-Umgebungslärmrichtlinie“ erlassen.

© Stadt Bottrop

Das Europäische Parlament und der Rat haben im Juni 2002 die „EU-Umgebungslärmrichtlinie“ erlassen.

Als Umgebungslärm werden hier belästigende oder gesundheitsschädliche Geräusche im Freien bezeichnet, die durch Aktivitäten von Menschen verursacht werden. Das ist Lärm, der von Verkehrsmitteln, Straßenverkehr, Eisenbahnverkehr, Flugverkehr sowie von Geländen industrieller/gewerblicher Tätigkeiten ausgeht.

Lärm, der von Personen in Wohnungen verursacht wird, Nachbarschaftslärm, Lärm am Arbeitsplatz, in Verkehrsmitteln, Freizeitlärm oder Baulärm ist kein Lärm im Sinne der Umgebungslärmrichtlinie.

Mit der Umgebungslärmrichtlinie soll in den EU-Staaten ein gemeinsames Konzept zur Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm festgelegt werden. Ziel ist die Verhinderung des Entstehens von Belästigungen, schädlichen Auswirkungen und die Verringerung vorhandener Belästigungen.

Die Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, in ihren Gebieten Lärmkarten für Straßen, Schienenwege, Flughäfen und Gewerbe-/Industrie zu erarbeiten und, soweit erforderlich, Lärmaktionspläne aufzustellen.


Ein kurzer Überblick zum Thema Umgebungslärm:

  • 18. Juli 2002 : Die "Richtlinie 2002/49/EG über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm" des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Juni 2002 tritt in Kraft.

  •  30. Juni 2005: Das "Gesetz zur Umsetzung der EG-Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm" vom 24.06.2005 tritt in Kraft.

  • 16. März 2006: Die "Vierunddreißigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über die Lärmkartierung - 34. BImSchV)" vom 6. März 2006 tritt in Kraft.

  • 17. August 2006: Im Bundesanzeiger erfolgt die "Bekanntmachung der Vorläufigen Berechnungsverfahren für den Umgebungslärm nach § 5 Abs. 1 der Verordnung über die Lärmkartierung (34. BImSchV)" vom 22. Mai 2006:
    - Vorläufige Berechnungsmethode für den Umgebungslärm
      an Schienenwegen (VBUSch)
    - Vorläufige Berechnungsmethode für den Umgebungslärm 
      an Straßen (VBUS)
    - Vorläufige Berechnungsmethode für den Umgebungslärm
      an Flugplätzen (VBUF)
    - Vorläufige Berechnungsmethode für den Umgebungslärm
      durch Industrie und Gewerbe (VBUI)

  • 20. April 2007: Die "Vorläufige Berechnungsmethode zur Ermittlung der Belastetenzahlen durch Umgebungslärm" (VBEB) vom 9. Februar 2007 wird im Bundesanzeiger bekannt gemacht.

  • 07. Februar 2008: Im Runderlass des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW "Lärmaktionsplanung" werden Hinweise für die Durchführung der Lärmaktionsplanung gegeben.

    Die wesentlichen Inhalte der EG-Umgebungslärmrichtlinie wurden in den Paragrafen 47 a bis 47 f des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Sechster Teil „Lärmminderungsplanung“) übernommen.

 


Lärmkartierung

© Stadt Bottrop

Die Lärmkarten stellen eine Bestandsaufnahme der Lärmsituation an den Hauptverkehrswegen und in den Ballungsräumen dar.

Im ersten Schritt waren Lärmkarten für Ballungsräume mit mehr als 250.000 Einwohnern sowie für Hauptverkehrsstraßen (Verkehrsaufkommen von mehr als sechs Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr), Hauptschienenstrecken (Verkehrsaufkommen von mehr als 60.000 Zügen pro Jahr) und Großflughäfen (Verkehrsaufkommen von mehr als 50.000 Bewegungen pro Jahr) zu erarbeiten. Dafür hatte die EU eine Frist bis zum 30. Juni 2007 gesetzt.

In Stufe 2 wurde die Lärmkartierung auf Ballungsräume mit mehr als 100.000 Einwohnern, auf Hauptverkehrsstraßen mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als drei Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr und Hauptschienenstrecken mit mehr als 30.000 Zügen pro Jahr ausgedehnt. Die Frist für diese Lärmkartierung endete am 30. Juni 2012.


Lärmkarten bestehen aus:

  • einer graphischen Darstellung der Lärmsituation mit Isophonenbändern für die Lärmindizes LDEN (Tag-Abend-Nacht-Lärmindex) und LNight (Nacht-Lärmindex)

  • tabellarischen Angaben über die geschätzte Gesamtzahl der betroffenen Menschen in den Isophonenbändern

  • einer Beschreibung der Hauptlärmquellen und deren Umgebung

  • Angaben über durchgeführte und laufende Lärmaktionspläne und Lärmschutzprogramme.

Der LDEN (Day, Evening, Night) ist ein gewichteter Mittelwert, der zwölf Tagesstunden (von 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr), vier Abendstunden (von 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr) und acht Nachtstunden (von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr) umfasst. Die Abendstunden werden mit einem Zuschlag von 5 dB, die Nachtstunden mit einem Zuschlag von 10 dB gewichtet. Der energetisch gemittelte LNight betrifft nur die acht Nachtstunden (Index für Schlafstörungen).

Für die Beurteilung wird ein Zeitraum von einem Jahr zu Grunde gelegt. Berechnet werden die Pegel für eine Höhe von 4 Metern über Grund. Bezugsjahr für Stufe 2 ist das Jahr 2011.

Der Lärm wird in Form farbiger Isophonenbänder z.B. entlang der Hauptverkehrsstraßen und Hauptschienenstrecken veranschaulicht. Isophonen sind Linien gleichen Schalldrucks; durch Isophonenbänder wird hier ein 5 dB(A) umfassender Bereich dargestellt. Aufgrund der pauschalen Berechnungsweise sind die Ergebnisse der Lärmkartierung nicht gebäudescharf.

Zur Erstellung der Lärmkarten werden einheitliche Berechnungsverfahren angewandt, die seitens der Bundesregierung getrennt für Straßen, Schienenwege, Flugplätze sowie Industrie und Gewerbe vorgegeben wurden. Lärmmessungen werden nicht durchgeführt.

Alle fünf Jahre muss eine Überprüfung und gegebenenfalls Überarbeitung und Aktualisierung der Lärmkarten erfolgen.

Die vorläufigen Berechnungsmethoden, die in Deutschland angewendet werden, sind durch Anpassung der bestehenden nationalen Berechnungsverfahren an die Anforderungen der EU-Richtlinie entstanden. Zukünftig will die Europäische Kommission europaweit harmonisierte Berechnungsverfahren vorgeben, deren Anwendung dann obligatorisch ist.

Ein direkter Vergleich der Werte der Lärmkartierung mit den in Deutschland verbindlich eingeführten Grenzwerten für die „Lärmvorsorge“ und „Lärmsanierung“ ist aufgrund der unterschiedlichen Berechnungsverfahren nur eingeschränkt möglich.

Die Umgebungslärmrichtlinie wurde als EU-Recht zusätzlich eingeführt. Alle bisherigen deutschen Regelungen zum Schallschutz haben weiterhin ihre Gültigkeit und sind entsprechend anzuwenden. Auch eine Anpassung dieser Regelungen an die Umgebungslärmrichtlinie ist nicht erforderlich.

Auf den Seiten des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW sind die für Nordrhein-Westfalen vorliegenden aktuellen Lärmkarten mit Bericht zur Lärmkartierung aller Orte einsehbar.

Die Lärmkarten aller 16 Bundesländer können über „Lärmkarten online“  - per link zu den Internetportalen der Bundesländer - auf den Internetseiten des Umweltbundesamtes (Thema Verkehr/Lärm – Umgebungslärmrichtlinie) aufgerufen werden.

 

Hier können Sie sich bei Interesse die an die EU gemeldeten Ergebnisse der Lärmkartierungen der europäischen Staaten ansehen (Straßen, Schienen, Flughäfen und Industrie):

Bottrop gehört mit mehr als 100.000 Einwohnern zu den Ballungsräumen der zweiten Stufe.

Die Stadtverwaltung hat die Kartierung für Hauptverkehrsstraßen und sonstige Straßen, für welche Verkehrszahlen zur Verfügung standen, sowie für nicht Bundesbahn eigene Schienenstrecken durchgeführt. Die Lärmkarten für die Hauptschienenstrecken des Bundes mit mehr als 30.000 Zügen pro Jahr sind vom Eisenbahnbundesamt zu erstellen.

Die Lärmbelastung durch Straßenverkehr ergibt sich aus der Anzahl der Kraftfahrzeuge, der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, der Straßenoberfläche, der Fahrbahnbreite, der Steigung und dem Lkw-Anteil.

Bei der Schallausbreitung werden die vorhandenen Schallschutzeinrichtungen, das Geländemodell sowie abschirmende Gebäude und Reflexionen berücksichtigt. Die Bundesregierung hat hierzu die „Vorläufige Berechnungsmethode für den Umgebungslärm an Straßen“ (VBUS) erlassen.

Die Lärmbelastung durch Schienenverkehr ergibt sich aus der Anzahl der Züge, der Zugart, der Zuglänge, der Geschwindigkeit, der Taktfrequenz, dem Aufbau des Gleisbettes, des Schienenzustandes sowie den topographischen und baulichen Gegebenheiten.

Die dabei verwendete Berechnungsmethode ist die „Vorläufige Berechnungsmethode für den Umgebungslärm an Schienenwegen“ (VBUSch).

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MKULNV) NRW und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW haben zum Thema Umgebungslärm eine gemeinsame Webseite eingerichtet.

Unter www.umgebungslaerm.nrw.de finden Sie ausführliche Informationen über die Umgebungslärmrichtlinie und die damit verbundenen Aufgaben. Alle mit der Umgebungslärmrichtlinie in Zusammenhang stehenden Gesetze und Regelwerke sind auf der Webseite im Wortlaut angegeben. Auch hier können Sie sich die Ergebnisse der Lärmkartierung für Bottrop und den Bericht zur Lärmkartierung ansehen.

Um den Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Verbänden u. a. Gelegenheit zu geben, sich zu den Ergebnissen der Lärmkartierung zu äußern, wurde in 2012 eine E-Mail-Adresse eingerichtet.

 


Lärmaktionsplanung

© Stadt Bottrop

Die EU-Umgebungslärmrichtlinie sieht vor, dass für Bereiche, in denen belästigende oder gesundheitsschädliche Geräusche im Freien auftreten, Aktionspläne aufgestellt werden.

Ein Aktionsplan ist ein strategisches Planwerk, um Ziele, Strategien und Maßnahmen zur Lärmminderung und zum Schutz ruhiger Gebiete zu formulieren. Der Lärmaktionsplan umfasst die Bewertungen der Lärmsituation, eine generelle Darstellung von Lärmminderungsmaßnahmen und eine Erläuterung der vorhandenen und geplanten Lärmminderungsmaßnahmen.

Auslösewerte für eine Lärmaktionsplanung sind in NRW in jedem Fall Pegel von 70 dB(A) beim LDEN (Tag-Abend-Nacht-Pegel) und von 60 dB(A) beim LNight (Nachtpegel) an Wohnungen, Schulen, Krankenhäusern oder anderen schutzwürdigen Gebäuden. In den Lärmkarten sind diese Grenzen als Auslösepegel-Linien dargestellt.

Die Aufstellung eines Lärmaktionsplanes ist Aufgabe der Gemeinden. Erste mögliche Maßnahmen für einen Lärmaktionsplan sind bei der Stadt Bottrop bereits verwaltungsintern abgestimmt worden.

Mit der Erarbeitung des jetzt vorliegenden Entwurfes wurde das Gutachterbüro LK-Argus GmbH aus Kassel beauftragt. In diesem Entwurf sind neben den Auslösewerten der Lärmaktionsplanung auch die Schwellenwerte für eine Gesundheitsgefährdung von 65 dB(A) ganztags und 55 dB(A) nachts betrachtet worden.

Zur Reduzierung bzw. Beseitigung des Lärms kommen verschiedene Maßnahmen in Betracht. Einflussmöglichkeiten sind z.B. durch Geschwindigkeitsreduzierung, Einbau von lärmarmem Asphalt, Bündelung von Verkehren, Vergrößerung des Abstandes zwischen Straße und Wohnhaus gegeben. Im vorliegenden Lärmaktionsplan sind 62 Maßnahmenbereiche aufgelistet, die in Priorität 1 bis 3 eingestuft sind.

Da die Zuständigkeit für die Lärmaktionsplanung an Schienenwegen des Bundes beim Eisenbahn-Bundesamt liegt, beziehen sich die 62 Maßnahmenbereiche im Lärmaktionsplan für die Stadt Bottrop auf Straßen. Das Eisenbahn-Bundesamt führte im Zeitraum 30. Juni bis 25. August 2017 die erste Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung für Schienenwege durch.

Die Umgebungslärmrichtlinie sieht vor, dass nicht oder relativ gering lärmbelastete Bereiche als so genannte „Ruhige Bereiche“ ausgewiesen werden können. Diese Bereiche sollen so vor Lärmzunahme geschützt werden.

Für die Stadt Bottrop sind sieben Flächen mit sehr ruhiger Kernfläche und sechs Flächen als ruhige siedlungsnahe Erholungsflächen empfohlen worden.

Der Lärmaktionsplan begründet kein Anrecht der Bürgerinnen und Bürger auf Umsetzung einer bestimmten Maßnahme. Umsetzbar sind Maßnahmen nur, wenn die deutschen gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden.

Der Entwurf wurde in den Bezirksvertretungen, im Bau- und Verkehrsausschuss sowie Ausschuss für Stadtplanung und Umweltschutz im öffentlichen Teil vorgestellt. Der Umweltausschuss hat am 22. Juni 2017 die Beteiligung der Öffentlichkeit (TÖB, sowie Bürgerinnen und Bürger) beschlossen.

Die Bürgerinnen und Bürger erhielten die Möglichkeit, sich per Internet den Entwurf des Lärmaktionsplanes anzusehen und  Anregungen, Hinweise, Anmerkungen, Wünsche, Einwände anzugeben. Diese Anregungen mussten bis zum 08. September 2017 eingegangen sein.

Der Entwurf des Lärmaktionsplanes für die Stadt Bottrop wurde außerdem ab 01. August 2017 in Bottrop-Stadtmitte und Bottrop-Kirchhellen bis zum 08. September 2017  ausgelegt.  Am  06. September ist zudem eine zentrale Bürgerversammlung durchgeführt worden. 

Der Lärmaktionsplan wird zur Zeit unter Beachtung der Anregungen und Bedenken überarbeitet und den politischen Gremien erneut vorgelegt. 

Weitere Infos im Internet:

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