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© Stadt Bottrop

Zweiter Runder Tisch zur Kokerei

Trotz Maßnahmen der Kokerei sind die Werte für polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe in den südlichen Stadtteilen weiter kritisch. Die Bezirksregierung Münster kündigt weitergehende Maßnahmen an.

Zum zweiten Runden Tisch rund um das Thema Kokerei, PAK-Belastungen und Staubimmissionen im Bottroper Süden waren am Mittwoch, 4. Dezember 2019, mehr als 60 Teilnehmer ins Rathaus gekommen. Die Veranstaltung war etwas weniger besucht als der erste Runde Tisch im Juni.

Eingeladen hatte auch dieses Mal die Stadt Bottrop und auch die Sitzungsleitung lag wieder in der Hand von Oberbürgermeister Bernd Tischler. Gekommen als Ansprechpartner waren Vertreter der Bezirksregierung Münster als zuständige Aufsichtsbehörde, des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) und des Konzerns ArcelorMittal als Betreiber der Kokerei.

Auf der Tagesordnung standen Berichte über die Ergebnisse der Proben von Grund- und Regenwasser, die Entwicklung der Staubbelastung im Umfeld der Kokerei, die Darstellung weiterer Untersuchungen im Rahmen des aktuellen Messprogramms, die Entwicklung der Werte für polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und daraus resultierende weitere Maßnahmen sowie ein Bericht über den Einsatz von Petrolkoks im Verkokungsprozess.

Ergebnisse aus den einzelnen Berichten

Entwicklung der Werte für polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

Das LANUV geht bei den vorliegenden Messwerten davon aus, dass die Zielwerte auch 2019 nicht eingehalten werden. Die Vertreter der Bezirksregierung äußerten dazu ihre Unzufriedenheit. Es zeige sich, dass die bisher durchgeführten Maßnahmen nicht ausreichend seien. In einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung waren technische Veränderungen und Verbesserungen in der Kokerei festgelegt worden, auch aufgrund der Expertise eines externen Gutachters. Die Bezirksregierung betont, dass nun weitere Maßnahmen seitens der Kokerei notwendig sind. Dazu sollen Empfehlungen eines neuen, aktuellen externen Gutachtens einfließen.

Die Bezirksregierung wird eine Ordnungsverfügung erlassen und darin der Kokerei eine Reihe von Auflagen machen. So werden die Intervalle zum Austausch der Türen vorgeben, Vorgaben zur Erneuerung des Gleisbettes gemacht und verstärkt Schulungen der Mitarbeiter gefordert.

Siehe hierzu:

Einsatz von Petrolkoks im Kokereibetrieb

Die Kokerei setzt Petrolkoks ein und fügt diesem dem Verkokungsprozess zu. Derzeit wird Petrolkoks aus den USA eingesetzt. Bereits zu Zeiten, als sich die Kokerei im Besitz der RAG befunden hatte, wurde Petrolkoks eingesetzt, so wie in vielen anderen Kokereien und Industriebetrieben wie beispielsweise in Ziegeleien auch. Die Genehmigung dazu stammt noch von der Bergaufsicht aus dem Jahr 1998.

In den Jahren 2015 bis 2017 wurde in Bottrop auch Petrolkoks von Shell aus der Raffinerie in Köln-Wesseling eingesetzt. Die Raffinerie dort hatte die Genehmigung, dieses Produkt aus der Erdöldestillation als Industriestoff zu verkaufen. Dies hat sich mittlerweile geändert. Aufgrund der hohen Werte für Nickel darf Shell dieses Produkt nicht mehr als Nebenprodukt in den Verkehr bringen, sondern muss ihn als Sondermüll entsorgen. Die Kokerei setzt diesen Stoff seit 2017 auch nicht mehr ein, sondern verwendet Petrolkoks von anderen Anbietern.

Die Genehmigung für die Kokerei, Petrolkoks einsetzen zu dürfen aus dem Jahr 1998, hat nach wie vor rechtlich Bestand. Der Petrolkoks wird der Kohle im Mischbett zugegeben.

Die Bezirksregierung hat aber auch zugesagt, den Sachstand zur Genehmigung und das Verfahren noch einmal zu prüfen.

Staubbelastung im Umfeld der Kokerei

Vertreter der Kokerei führten aus, dass eine Befeuchtungsanalage im Mischbecken nun installiert ist ebenso wie eine Befeuchtungsanlage an den Übergabestellen in der Bandanlage, mit der auf dem Gelände der Kokerei die Kohle zu den Koksbatterien transportiert wird. Die Staubimissionen in Welheim lagen in den letzten Monaten laut Kokerei unter den Grenzwerten. In Batenbrock hingegen waren die Werte von Mai bis August hoch. Nach Analysen habe sich aber herausgestellt, dass der Staub nur geringe Anteile hatte, die der Kokerei zuzuordnen sind. Stattdessen habe man hohe Anteile an Material biologischen Ursprungs wie Pflanzenpollen gefunden. In der Welheimer Mark würde man die Grenzwerte deutlich unterschreiten.

Technischer Beigeordneter Klaus Müller erläuterte die Messungen an den Staubmessstationen in Batenbrock und Welheim, die vom Hygieneinstitut Gelsenkirchen betreut wurden. Eine Messstation konnte nicht weiterbetrieben werden. Die vorliegenden Daten beziehen sich auf nur eine Messstelle und fallen exorbitant aus dem Messrahmen. Danach hätte der Staubeintrag im Stadtteil zentimeterdick sein müssen. Um die Messung aber genau und fachgerecht weiter durchzuführen, hat die Bezirksregierung zugesagt, dass das LANUV in den kommenden Monaten Staubmessungen durchführen und an mehreren Punkten Messstellen einrichten wird.

Untersucht wurden mittlerweile auch die Belastungen durch Schwermetalle in den Staubproben. Hier lagen alle Konzentrationen deutlich unter den Grenzwerten.

Ergebnisse der Proben für Grund- und Regenwasser

Im Umfeld der Kokerei wurden auch Proben im Grundwasser genommen. Weiterhin wurden Proben von Regenwasser gezogen. Es konnten keine Vereinrigungen von PAK gefunden werden.

Weiteres Vorgehen

Wichtigstes Ergebnis war, dass die Bezirksregierung eine Ordnungsverfügung gegen die Kokerei verhängen wird. Darüber hinaus sollen alle Untersuchungen fortgesetzt und das Staubmessprogramm erweitert werden. Auch im kommenden Jahr sollen weiter Runde Tische als Plattform des Dialogs stattfinden.

Siehe zum Thema auch:

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