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© Stadt Bottrop

PAK-Werte bei 'Grünkohl-Messung' haben sich drastisch verschlechtert

Die Stadt Bottrop muss nun die Gebiete, für die eine Verzehrempfehlung gilt, ausdehnen. Oberbürgermeister Bernd Tischler drängt auf Einhaltung der PAK-Zielwerte und ist von der Leitung der Kokerei enttäuscht.

© Stadt BottropKarte Verzehrempfehlungen. Stand: März 2020

Die Werte für die zweite Messung mit Grünkohlpflanzen im Bottroper Süden liegen vor und zeigen katastrophale Ergebnisse. Die Werte für polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) sind 2019 nicht nur nicht gesunken, sondern im Gegenteil an einigen Bestandsmesspunkten sogar noch deutlich gestiegen. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) hatte die Messungen durchgeführt und die Ergebnisse am Dienstag, 3. März 2020, gemeinsam mit Vertretern der Bezirksregierung und der Stadt Bottrop im Rathaus der Öffentlichkeit präsentiert.

Nachdem im August 2018 das LANUV an neun Punkten im Stadtgebiet rund um die Kokerei Grünkohlpflanzen ausgebracht hatte, um mit ihnen die PAK-Belastung zu messen, wurden von August bis November 2019 eine weitere Messreihe durchgeführt – dieses Mal an insgesamt 17 Punkten. Vor allem an dem im Landesmessprogramm seit längerem vorhandene Punkt „WDMP 203“ hat sich der gemessene Wert von 220 Mikrogramm pro Kilogramm Festmasse auf 450 Mikrogramm mehr als verdoppelt.

An fast allen anderen Bestandsmesspunkten wurden ebenfalls höhere Werte gemessen, bis auf zwei Punkte, bei denen sich die Belastung tatsächlich verringert hat. Für acht Messpunkte liegen keine Vergleichswerte vor, weil diese im Zuge der Ausdehnung der Messungen neu hinzugekommen waren.

Die PAK-Belastung in der Luft stieg im gleichen Zeitraum. Laut LANUV hat die Kokerei im Jahresmittel die Zielwerte erneut überschritten. 2019 lag die Abgabe demnach bei 2,3 (gerundet 2) statt bei 1 Nanogramm pro Kubikmeter Luft und damit ebenfalls höher als im Jahr 2018. Im Jahr 2018 lag der Wert bei 1,7 Nanogramm (gerundet 2) pro Kubikmeter Luft.

Bezirksregierung und Stadt zeigten sich von den Ergebnissen enttäuscht. Oberbürgermeister Bernd Tischler sprach von einer bösen Überraschung, weil man davon ausgegangen sei, dass die Maßnahmen, die die Kokerei angekündigt hatte, auch greifen würden. „Hier wurden Versprechungen gemacht, die nicht eingehalten wurden“, sagte Tischler. „Als Oberbürgermeister dieser Stadt stehe ich in der Verantwortung der Anwohner und bestehe darauf, dass die Zielwerte erreicht werden müssen.“ Es sei ärgerlich zu erfahren, dass beispielsweise der Austausch der defekten Ofentüren so lange auf sich warten ließ

Dr. Christel Wies, Abteilungsleiterin bei der Bezirksregierung Münster, verwies auf die Auflagen, die der Kokerei von Seiten der Behörde in Münster gemacht wurden, die aber bislang nicht die gewünschten Wirkungen zeigten. Die Kokerei habe den Austausch der stark beschädigten Ofentüren fristgerecht zum 29. Februar abgeschlossen und damit eine Auflage erfüllt, die ihr per Ordnungsverfügung im Dezember 2019 auferlegt worden war. „Ab 1. April muss die Kokerei aber auch in der Lage sein, defekte Ofentüren direkt am Folgetag auszutauschen“, so Wies. Wenn dies nicht ausreiche, müsse man über weitergehende Maßnahmen reden. "Die Bezirksregierung Münster hat als Aufsichtsbehörde ihre Aufforderung an den Betreiber bekräftigt, unverzüglich darzustellen, welche zusätzlichen Schritte der Stahlkonzern ArcelorMittal kurzfristig unternehmen will, um die PAK-Zielwerte sicher einzuhalten. Der Betreiber ist für die Einhaltung der Zielwerte verantwortlich. Die Bezirksregierung Münster wird der Kokerei, wenn nötig kurzfristig weitere Vorgaben machen." Geplant war beispielsweise, dass das Gleisbett des Schienenfahrzeugs, mit dem die Türen präzise eingesetzt werden, bis 1. Juli 2020 saniert werden soll. Diese Sanierung müsse dann eben möglichst schnell erfolgen.

Aufgrund der schlechten Messergebnisse hat die Stadt Bottrop in Abstimmung mit der Bezirksregierung und dem LANUV die Gebiete, für die eine Verzehrempfehlung gilt, ausgedehnt. Man befinde sich hier immer noch im Bereich der Vorsorge und die Empfehlungen seien keine Verbote, „aber diese Empfehlungen können keine Dauerlösung sein“, sagt Technischer Beigeordneter Klaus Müller. Ziel müsse es sein, dass die Belastung für die Bevölkerung im Umfeld der Kokerei nicht höher ist als für alle anderen Einwohner. Betroffen im gesamten Quartier seien rund 16.000 Einwohner.

Die Stadt Bottrop setzt weiter darauf, die Bürger über den weiteren Prozess zu informieren. In den Quartierbüros im Bottroper Süden sollen Sprechstunden eingerichtet werden. Die Hotline 02041 704050 bleibt weiter im Betrieb. Am 17. März soll es eine gemeinsame Sitzung des Sozialausschusses und des Ausschusses für Stadtplanung und Umweltschutz geben, bei dem die Ergebnisse und das weitere Vorgehen erörtert werden soll. Auch sind weiterhin runde Tische zum Thema Kokerei geplant.

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