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© Gabi Lyko

Neue städtebauliche Projekte entlang der Emscher geplant

Das Land NRW, Emscher-Anrainer und Emschergenossenschaft unterzeichnen in Oberhausen eine neue Kooperationsvereinbarung. Beitragssteigerungen sinken in den kommenden Jahren kontinuierlich von fünf auf zwei Prozent.

Die Emschergenossenschaft hat auf ihrer jährlichen Versammlung am 17. November 2016 angekündigt, dass die Beitragssteigerungen in den kommenden Jahren kontinuierlich von durchschnittlich fünf auf zwei Prozent im Jahr 2027 sinken sollen. Damit hält die Emschergenossenschaft ihr Versprechen, dass der Emscher-Umbau bezahlbar bleibt. Und auch sonst gibt es gute Nachrichten zu verkünden: Gemeinsam mit dem nordrhein-westfälischen Städtebauministerium, vertreten durch Minister Michael Groschek, sowie den Emscher-Anrainern hat die Emschergenossenschaft in Oberhausen eine neue Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Bis 2020 sollen begleitend zum Emscher-Umbau mehr als 180 städtebauliche Projekte die Lebensqualität für die Bevölkerung in den emschernahen Stadtteilen verbessern. Investiert werden soll ein aus Bundes- und Landesmitteln finanzierter dreistelliger Millionenbetrag. Das Ziel: In der Schlussphase des Emscher-Umbaus will die Region im Jahr 2020 ihren Wandel in all seinen Facetten präsentieren und feiern.

© EmschergenossenschaftOberbürgermeister Bernd Tischler (3. von links) und Städtebauminister Michael Groschek (mitte) bei der Vertragsunterzeichnung.

Der Emscher-Umbau befindet sich auf seiner Schlussgeraden. Das Hauptziel dieses beispiellosen Generationenprojekts – eine vom Abwasser befreite Emscher – wird voraussichtlich Ende 2020 erreicht werden. In einem Zeitraum von dann drei Jahrzehnten wird die Emschergenossenschaft nach derzeitigem Kenntnisstand prognostizierte 5,266 Milliarden Euro in die Aufwertung der Emscherlandschaft investiert und eine moderne abwassertechnische Infrastruktur geschaffen haben.

„Die Entwicklung unserer Emscher ist damit jedoch noch lange nicht zu Ende, sondern läutet vielmehr den Beginn einer neuen Ära für die ganze Region ein. Mit der neuen Emscher haben wir die Voraussetzungen für die integrale Planung von Stadt, Land und Wasserwirtschaft geschaffen. Nur so lässt sich den zahlreichen Herausforderungen wie demographischer Wandel, klimatische Veränderungen etc. begegnen“, sagt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Dauerhafter Mehrwert

Die technische Emscher hat das Überleben der Menschen in der Region gesichert. „Die neue Emscher ist die Grundlage für das Aufleben der Region in ökologischer, städtebaulicher, sozialer und kultureller Hinsicht.  Diese neue Vision für das Emscherland und den Mitmach-Fluss wollen auch wir als Landesregierung nun gemeinsam mit den Emscher-Anrainern und der Emschergenossenschaft angehen und für die nächsten Generationen entwickeln und umsetzen“, sagt Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.

Der Emscher-Umbau, so Groschek weiter, sei eine wertvolle Investition in die Zukunft der Region: „Der dauerhafte Mehrwert für diese Region sowie für ihre Bürgerinnen und Bürger steht im Fokus dieses einzigartigen Projektes made in NRW.“

Da die komplexe Aufgabe einer Verbesserung der Lebens-, Wohn- und Arbeitswelten der Menschen in der Region ein abgestimmtes Handeln aller Akteure erfordert, haben das für die Stadtentwicklung verantwortliche Ministerium der nordrhein-westfälischen Landesregierung und die Emschergenossenschaft bereits im Jahre 2006 zum ersten Mal eine Kooperationsvereinbarung („Gemeinsam für das neue Emschertal“) abgeschlossen, um die Zusammenarbeit in den Stadtteilen rechts und links der Emscher in zahlreichen gemeinsamen Projekten mit den Kommunen und den Menschen in der Region kreativ zu gestalten. Als besonders beispielhaft gelten etwa die Blauen Klassenzimmer am Hahnenbach in Gladbeck sowie an der Emscher in Dortmund.

Schaufenster des Wandels

In der Schlussphase des Emscher-Umbaus geht es nun darum, alle seine Facetten in einem „Schaufenster des Wandels“ zu präsentieren. „Wir möchten dabei aber nicht nur eine „Werkschau“ ähnlich einer kleinen Bauausstellung durchführen, sondern mit dezentralen Veranstaltungen in den Quartieren an der Emscher, mit Emscher-Reisen, wissenschaftlichen Fachveranstaltungen und vielen kleinen und großen Ereignissen einmal mehr guter Gastgeber für Besucher aus der Region und von auswärts sein“, sagt Ullrich Sierau, Ratsvorsitzender der Emschergenossenschaft und Oberbürgermeister der Stadt Dortmund. In letzterer Funktion unterzeichnete Sierau am Donnerstag ebenfalls die Kooperationsvereinbarung.

Bei „Gemeinsam für Emscher 2020“ gilt es, den Mehrwert des wasserwirtschaftlichen Generationenprojektes für die Lebensqualität einer ganzen Region in den Kontext der Stadt- und Freiraumentwicklung zu stellen. Bereits in den vergangenen 25 Jahren haben die Kommunen den Mehrwert des zunächst rein technischen Emscher-Umbaus für strukturelle Verbesserungen erkannt, städtebauliche Projekte entwickelt und realisiert. Die Schlussphase des Emscher-Umbaus bietet die Chance, nicht nur die bisherigen Leistungen zu würdigen, sondern diese sogar noch zu intensivieren: Mehr als 180 städtebauliche Projekte sollen in den kommenden Jahren in den emschernahen Stadtteilen realisiert werden – der Wandel durch den Emscher-Umbau strahlt damit vom künftig blauen Fluss über seine neuen grünen Ufer in die Quartiere hinein.

In Abstimmung mit den Städten der Region erfassen das Präsentationsjahr und die Qualitätsoffensive für Emscher 2020 die vier folgenden Schaufenster des Wandels: 1) die fertige Emscher, 2) Emscherland 2020, 3) die Emscherinsel und 4) das Emscherdelta. In diesen vier Schaufenstern sollen von Emschergenossenschaft und den Kommunen dargestellt werden: realisierte Projekte für mehr Lebensqualität entlang der Emscher, in Arbeit befindliche Bauprojekte, Planungsvorhaben für städtebauliche Leitprojekte und Beteiligungsprozesse („Partizipation“) mit der Bevölkerung zur Weiterentwicklung ihrer Quartiere rechts und links der Emscher. Die Projekt-Liste umfasst insgesamt rund 270 städtebauliche Projekte. Davon sind etwa 80 bereits abgeschlossen, 65 in Arbeit und zirka 120 Projekte in Planung. Im Präsentationsjahr 2020 sollen alle realisierten neuen Qualitäten einer breiten Öffentlichkeit vor Ort sowie auch überregional anschaulich gemacht werden.

Die bereits bis heute erzielten Ergebnisse im Rahmen des Emscher-Umbaus standen folglich auch bei der Genossenschaftsversammlung in Oberhausen im Fokus des Jahresberichts. Aktuell hat die Emschergenossenschaft bereits rund 330 von zirka 420 Kilometern an neuen unterirdischen Abwasserkanälen fertig gestellt sowie 122 von 350 Kilometern an Gewässerlandschaften bereits ökologisch umgestaltet.

Emscher-Fakten zur Stadt Bottrop

Auch Bottrop ist eine Emscher-Stadt: Zum Emscher-System zählen neben der Emscher selbst die bereits umgestalteten Gewässer Kirchschemmsbach und Vorthbach sowie die sich aktuell im Umbau befindende Boye. Der rund 3,5 Kilometer lange Abwasserkanal Emscher auf Bottroper Gebiet liegt bereits komplett, aktuell arbeitet die Emschergenossenschaft an einem weiteren Bauabschnitt, der von Bottrop-Süd aus bis nach Oberhausen-Holten reicht.

In der Stadt Bottrop plant die Emschergenossenschaft im Rahmen des Emscher-Umbaus Investitionen in Höhe von insgesamt 716 Millionen Euro. Davon wurden bislang rund 617 Millionen Euro eingebracht. Allein in den Bau der Großkläranlage in der Welheimer Mark in den 1990ern sowie in die Modernisierung der Anlage hat die Emschergenossenschaft bislang 327 Millionen Euro investiert. Von insgesamt 27 Kilometern an neuen Abwasserkanälen in Bottrop wurden bereits 26 Kilometer fertig gestellt, von insgesamt 19 Kilometern an Gewässerläufen wurden bereits in Bottrop 10 Kilometer renaturiert.

Zu Beginn des Emscher-Umbaus noch gar nicht mit eingeplant, mittlerweile jedoch ein erheblicher Mehrwert-Faktor: der Bau neuer Radwegeverbindungen zur besseren Erlebbarkeit des neuen Emscherlandes. In Bottrop sind im Rahmen des Emscher-Umbaus bis heute rund 12 Kilometer an neuen Wegen entstanden.

Siehe hierzu auch:

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