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Projekt "Kurve kriegen" setzt auf Prävention

Die NRW-Initiative "Kurve kriegen", bei der es um frühzeitige Prävention in der Bekämpfung von Kriminalität geht, ist jetzt auch im Polizeipräsidium Recklinghausen gestartet. Für die Stadt Bottrop stellt die Initiative ein neues weiteres Angebot in der Kinder- und Jugendarbeit dar.

© Polizei Kreis Recklinghausen/BottropWollen stärker bei der Prävention Kooperieren: Vertreter der Kommunen und der Polizei.

Das Ziel, Kindern und Jugendlichen rechtzeitig einen Ausweg von ihrer Route in Richtung Kriminalität zu zeigen, wird von jetzt an im Polizeipräsidium Recklinghausen auch mit der wirksamen Landesinitiative "Kurve kriegen" verfolgt.

Seit Jahren spielt die Bearbeitung von Jugendkriminalität im Zuständigkeitsbereich der Polizei Recklinghausen eine besondere Rolle. Seit langem wird bereits das Intensivtäterkonzept in den Regionalkommissariaten umgesetzt. Das "Präventions- und Handlungskonzept gegen Gewalt in Marl" erhielt im Jahr 2013 den "Landespreis für Innere Sicherheit". Diese Konzepte werden nun durch die erfolgreiche Landesinitiative "Kurve kriegen" ergänzt.

Polizeipräsidentin Zurhausen: "Mit der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung "Kurve kriegen" gehen wir nicht nur einen weiteren wichtigen Schritt in der Präventionsarbeit, sondern wir senden auch ein wichtiges Signal: Wir kümmern uns und wir helfen. Die Landesinitiative "Kurve kriegen" mit ihrer im Rahmen einer Evaluation nachgewiesenen Wirksamkeit ist dabei ein ganz wichtiger Baustein. Die Entwicklung von Kindern wird maßgeblich von den persönlichen Lebensumständen beeinflusst. Negative Lebensumstände können Delinquenz und Straftaten begünstigen. Genau da müssen wir ansetzen. Genau da setzt Kurve kriegen an."

© Polizei Kreis Recklinghausen/BottropVertragsunterzeichnung im Polizeipräsidium: Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen und Fachbereichsleiter Karl Trimborn.

Oberbürgermeister Bernd Tischler begrüßt das Präventionsprojekt und auch das Ziel bereits früh in den Entwicklung einzugreifen. "Bevor die kriminelle Karriere von Kindern und Jugendlichen Fahrt aufnehmen kann, gilt die Devise: Abbremsen, das Lenkrad umlegen und die Kurve kriegen", so Tischler. "Bei dieser Arbeit unterstütze ich die NRW-Initiative in meiner Stadt Bottrop mit ganzer Kraft." Den Kooperationsvertrag unterzeichnete für die Stadt Bottrop, der Leiter des Fachbereichs Schule und Jugend, Karl Trimborn.

Der polizeiliche Ansprechpartner, die beteiligten elf Kommunen im Präsidialbereich und pädagogische Fachkräfte kümmern sich künftig gemeinsam um die Menschen, die bereits im Alter zwischen 8 und 15 Jahren stark delinquent (Strafunmündige) sind oder viele Straftaten begehen. In ihrem Netzwerk werden Maßnahmen getroffen, die verhindern sollen, dass junge Menschen dauerhaft in die Kriminalität abrutschen. Mit Blick auf die vielen Opfer, die enormen sozialen Folgekosten, die ein "Intensivtäter" verursacht sowie seine zu erwartende Außenseiterrolle muss die Intervention frühestmöglich erfolgen - und zwar bevor die "Karriere" Fahrt aufnimmt.

Zum Auftakt der Initiative in Recklinghausen unterzeichneten Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen und die Bürgermeisterin der Stadt Waltrop sowie die Bürgermeister der anderen Kommunen im Kreis Recklinghausen und der Vertreter des Oberbürgermeisters der Stadt Bottrop am Donnerstag die Kooperationsvereinbarung.

An dem Termin im Polizeipräsidium nahmen auch die Abteilungsleiterin der Polizei im Innenministerium, Frau Dr. Daniela Lesmeister, der polizeiliche Ansprechpartner, Kriminalhauptkommissar Thomas Kranjc und die pädagogischen Fachkräfte, Frau Damla Karakas und Herr Stefan Bohm (beide AWO) teil.

Die Bürgermeister der beteiligten Kommunen werden die Initiative unterstützen, indem die Jugendämter eng mit der Polizei und den pädagogischen Fachkräften kooperieren.

Informationen zum Konzept der Initiative "Kurve kriegen":

Frühzeitiges Erkennen besonderer Kriminalitätsgefährdung durch ein umfassendes und standardisiertes Risikoscreening von Polizei und pädagogischen Fachkräften können die besonders kriminalitätsgefährdeten Kinder und jungen Jugendlichen bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt sondiert und identifiziert werden. Dabei werden neben den strafrechtlichen Auffälligkeiten insbesondere die Lebensumstände der jungen Menschen in den Fokus genommen. Der frühe und individuelle Ansatz verhindert aus polizeilicher Sicht Kriminalität und zahlreiche weitere Opfer und ist aus pädagogischer Sicht besonders sinnvoll, um die notwendigen Verhaltensänderungen herbeizuführen.

Kompetente multiprofessionelle Fachkräfteteams Pädagogische Fachkräfte von Freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe sind mittels Dienstleistungsverträgen in die Arbeit der Polizei eingebunden. Sie sind hochqualifiziert und erfahren im Umgang mit der Zielgruppe. Sie haben ihren Arbeitsplatz in den Polizeibehörden. Dort steht ihnen ein kompetenter und erfahrener Kriminalbeamter als Teampartner zur Seite. Kurze Wege und ein schneller Austausch sind so jederzeit gewährleistet. Die pädagogische Fachkraft ist tagesaktuell über die Teilnehmer informiert und kann flexibel auf Veränderungen, z. B. neue Taten, reagieren.

Gemeinsame und verbindende Netzwerkarbeit Die pädagogischen Fachkräfte fungieren als Bindeglied zum Jugendamt und weiteren Kooperationspartnern wie z. B. Schulen. Sie koordinieren die Netzwerkarbeit und erstellen unter Berücksichtigung aller Aspekte, z. B. Planungen und Anregungen des Jugendamtes, ein passgenaues kriminalpräventiv wirkendes Angebot für die Kinder, Jugendlichen und deren Familien.

Individuelle und passgenaue Maßnahmen Die pädagogischen Fachkräfte schöpfen aus einem reichhaltigen pädagogischen und kriminalpräventiven Angebot lokaler Anbieter. Damit steht ihnen ein umfangreicher so genannter Baukasten an Maßnahmen zur Verfügung, der aus Elementen wie Kompetenztrainings (z.B. Coolnesstrainings oder Elterncoachings), integrativen Angeboten (z. B. Lernhilfe, Sprach- und Sportkurse), freizeitpädagogische Angeboten und weiteren wie z. B. Sucht- oder Schuldenberatung besteht. Wichtig dabei: Auf die Passung kommt es an! In manchen Fällen helfen bereits einzelne Maßnahmen, in anderen orchestriert die pädagogische Fachkraft ein ganzes Bündel solcher Hilfen.

Finanzielle Beteiligung des Landes Die Prävention von Jugendkriminalität steht in einem besonderen Landesinteresse, daher werden die Kosten für die pädagogischen Fachkräfte vollständig sowie die Maßnahmenkosten bis auf wenige Ausnahmen vollständig durch das Land NRW getragen.

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