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„Mit etwas Mut und Einsatz kann man viel bewegen“

Kulturamtsleiter Dieter Wollek geht in den Ruhestand. Seit 1969 war er für die Stadtverwaltung Bottrop tätig. 1988 wechselte er ins städtische Kulturamt und veränderte die Kulturszene in Bottrop.

© Stadt BottropDieter Wollek im Kulturzentrum August Everding: Das Konzept entwickelte er gemeinsam mit dem berühmten Namensgeber.

Wenn Dieter Wollek zurückblickt, erinnert er sich an die Gespräche mit dem verstorbenen Theaterregisseur August Everding, mit Bayerns ehemaligem Kultusminister Hans Zehetmair und an den Bundesverdienstkreuzträger und ehemaligen Technischen Beigeordneten Norbert Wallmann. „Das waren große, belesene Persönlichkeiten. Die Gespräche waren immer ein Erlebnis.“ Ein spontanes Privatkonzert der deutschen Geigerin Anne-Sophie Mutter bereitet ihm heute noch Gänsehaut. „Als die nicht-öffentliche Generalprobe begann, fragte ich, ob ich bleiben darf. Kurz darauf spielte ein ganzes Orchester im Saalbau nur für mich“, lächelt Wollek. „Solche Momente vergesse ich nie.“

Karriere bei der Stadt beginnt mit väterlichem Rat

„Geh‘ mal zur Stadt. Da machste was Vernünftiges.“ Unsicher, wohin es für ihn gehen soll, folgte er dem väterlichen Rat und bewarb sich im Sommer 1969 als Verwaltungspraktikant bei der Stadtverwaltung. Zwei Jahre später legte er die Praktikantenprüfung ab, nach weiteren drei Jahren die Prüfung zum Stadtinspektoranwärter. Über fünf Jahre war Wollek als Ausbildungsleiter tätig, bevor er zum Büro des Oberstadtdirektors und Kulturdezernenten Bernd Schürmann abgeordnet wurde. Zu diesem Zeitpunkt habe er Gefallen an dem Kulturbereich gefunden. „Da bin ich dann reingewachsen“, verrät Wollek. Als stellvertretender Leiter des Amtes für Ratsangelegenheiten und Öffentlichkeitsarbeit bestellte er das erste Fax für die Stadt Bottrop. „Das war gar nicht so einfach“, lacht er. 1988 wechselte er ins Kulturamt, dessen Leitung er zwei Jahre später übernahm.

1988 veranstaltete Dieter Wollek zusammen mit dem verstorbenen Musiker Rainer de Byl und dem Journalisten Franz Naskrent das erste Bottroper Beat-Revival-Festival. „Dass die Bottroper Rock-Musik-Szene heute so aktiv ist, ist letztlich dem ersten Beat-Revival-Festival und Ihrem Einsatz zu verdanken. Dafür noch einmal ein ganz großes Dankeschön“, schreibt Monika de Byl, Witwe von Rainer de Byl, als sie vor wenigen Tagen von der bevorstehenden Pensionierung hört. „Mit etwas Mut und Einsatz kann man halt viel bewegen“, antwortet Wollek bescheiden. Wie die WAZ in einem Artikel formulierte: „Dem gebürtigen Bottroper geht es bis zuletzt um die Sache.“

„Ich hatte Glück mit den Leuten“

Dieter Wollek hinterlässt Spuren. Er produzierte Veranstaltungsformate, eröffnete Kultureinrichtungen, baute die Kinder- und Jugendkulturarbeit aus und förderte die lokale Kulturszene. Unter seiner Leitung entstanden kulturelle Begegnungsstätten wie die Musikschule, die Kulturwerkstatt, das „junge museum“ und die städtische Galerie. Mit seiner Hilfe fanden Stadtarchiv und Bibliothek geeignete Räumlichkeiten. Er gab den Anstoß für die erste ZWAR-Gruppe in Bottrop und brachte Menschen zusammen. Glück mit den Leuten hätte er gehabt. „Auf Unterstützung konnte ich immer zählen. Außerdem haben wir in Bottrop eine einzigarte, gut sortierte Kulturszene, um die uns andere Städte beneiden.“ Dass sei vor allem den vielen freien Akteuren, Künstlern und Sponsoren zu verdanken.

„Es wird Zeit für neue Impulse“

Wenn Dieter Wollek nach vorne blickt, überwiegt die Freude auf den Ruhestand. „Ich freue mich darauf, Kultur in Bottrop zu genießen, ohne diese innere Anspannung“, verrät der 64-jährige. Im Ruhestand möchte er sich weiterhin für die Egon-Bremer-Stiftung engagieren und dem Kulturförderverein beitreten. Seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger wünscht er so viel Glück und Rückendeckung, wie er in all den Jahren bei der Stadt Bottrop genießen durfte. „Nach 30 Jahren wird es Zeit für neue Köpfe, neue Ideen und neue Impulse, die den Kulturbereich in Bottrop weiterentwickeln.“ Auf die Füße treten werde er niemandem. „Das verspreche ich.“

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