JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Georg Tappert. Photographische Augenblicke eines Malers

5. April bis 26. Mai 2002

Georg Tappert (1880 - 1957), der vor allem als Maler und Grafiker im Umkreis des Expressionismus hervorgetreten ist, hinterließ ein beachtliches fotografisches Werk, das mit ca. 70 Exponaten auch in Bottrop, als Station einer Wanderausstellung, ausgestellt wurde.

Georg Tappert leistete einen eigenständigen Beitrag zur frühen künstlerischen Landschaftsfotografie und besonders auch zur Akt- und Modellfotografie. Erhalten sind rund 350 Negative - einer Plattenkamera für Trockenplatten im Format 13 x 18 cm, jedoch kamen wohl auch mindestens sechs andere ungewöhnliche Formate zum Einsatz -, die den Rang und Anspruch eigener Kunstwerke und nicht nur bloßer Schnappschüsse haben. Es sind kaum Kontaktabzüge oder Vergrößerungen, geschweige denn damals übliche Negativ- oder Positiv-Retuschen vorhanden. Dies kann darauf hindeuten, dass er entweder die Technik nicht beherrschte oder sich nicht dafür interessierte. Es ist davon auszugehen, dass er Lichtführung, Komposition und Gestaltung von Anfang an berechnet hat.

Mit seinem lange vergessenen Oeuvre gilt der Künstler mittlerweile als Schüsselfigur der deutschen Avantgarde und Kunstfotografie-Bewegung zwischen 1905 und 1933. Seine Fotografien verlangen heute mit einem "unbelasteten Auge" betrachtet zu werden. Denn hier zeigt sich die "neue Optik" einer Zeit, in der die Fotografie als künstlerisches Medium noch frisch in der Konkurrenz mit den seit Jahrhunderten etablierten Bildkünsten stand.

Tappert erhielt seine akademische Ausbildung in Karlsruhe und war danach Assistent beim Architekten und Lebensreformer Paul Schultze-Naumburg auf dessen Kunstschule Burg Saaleck. Schon dort scheint Tappert mit dem Medium der Fotografie in Berührung gekommen zu sein. Nach Verlassen der Schule aus Anlass eines Streits mit Schultze-Naumburg beschloss Tappert freischaffender Künstler zu werden und ging zurück in seine Heimatstadt Berlin, wo er 1905 seine erste Einzelausstellung in einer Galerie hatte.

Aus persönlichen Gründen zog er nach Worpswede. Hier verbrachte er einige Zeit und widmete sich besonders der Landschaftsfotografie. Seinen Stil prägt ein nüchterner Blick auf die Dinge und eine unprätentiöse Motivwahl, was sich in den Abzügen "Dorf an der Saale" oder "Teich im Wald" ablesen lässt. Vor allem grafische Elemente in der Natur und großflächige Kontraste reizten ihn. Dennoch stand seine Fotografie immer in Beziehung zur Malerei, wie die nach Fotografien entstandenen Ölbilder und Linolschnitte zeigen.

Wasserschöpfmühle im Teufelsmoor
Wasserschöpfmühle im Teufelsmoor, Worpswede, 1906 - 09
(Ausschnitt, Vergrößerung von Ulrich Mack, 1995)