JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Raimund Girke. Malerei 1956 – 1986

19. Oktober bis 30. November 1986

Der erste Eindruck Girkescher Bilder ist der von Stille und diffuser Helligkeit. Eine Leere, die gespeist von einer Überfülle kleinster Kontraste.

Ab 1960 schafft Raimund Girke seine ersten 'weißen Bilder', denen eine Beschäftigung mit dem Informel und dem Tachismus vorausging. Seine frühen tachistischen Arbeiten  vor 1960 sind in dieser Ausstellung erstmals zu sehen. Nach dieser Phase traute Girke wie auch andere Künstler der spontanen malerischen Aktion keine bildbegründende Kraft mehr zu. Er gab seinen Werken eine beruhigte, objektiviertere Form, die Mustern und Schemata gehorchte. Die eigentliche Form wird hier vielmehr zum Formschema. Sie allein hat die Funktion der Steuerung der Farbfolge.

Schon bald beginnen sich in den übernommenen Elementen des Informel ganz eigene Charakteristika abzuzeichnen. Dazu gehören unter anderem Ruhe und Bewegung, Querzüge und zeilenartige Horizontalen, wie sie schon bald bestimmend werden. Diese Strukturen verfestigen die noch instabilen Fleckbilder. Inspiration hierfür gewinnt Girke aus natürlichen Strukturen - etwa Steinbrüchen und offen liegenden Gesteinsschichten.
Die reduziert weiß-grauen Bildwelten Girkes deuten in ihrer Sparsamkeit auf eine gründliche Malerei, die am Anfang beginnen möchte und all ihre Schritte vom Beginn an überprüft. Damit gesellt sich Raimund Girke entwicklungsgeschichtlich zur Tradition der abstrakten Malerei, indem er nach einem neuen Grund sucht, auf dem er die Malerei aufbauen kann.

 "Das Weiß entzieht sich jeder Festlegung, es scheint sich ständig auszudehnen und zu verändern. Es ist Ruhe und Bewegung zugleich, ist grenzenlos und nimmt dem Bild seinen materiellen Zustand". (Raimund Girke, 1963)