JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Anni und Josef Albers. Begegnung mit Lateinamerika

11. März bis 3. Juni 2007

Anni und Josef Albers begegneten sich Anfang der zwanziger Jahre am Bauhaus in Weimar, wo Josef den Vorkurs leitete und Anni in der Werkstatt für Weberei lernte. Das Paar heiratete 1925 und bildete eine dauerhafte Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die bis zu Josefs Tod 1976 andauerte.

Wir dürfen Anni Albers eine der bedeutendsten textilen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts nennen, die mit ihren Entwürfen souverän die Begrenzungen des angewandten Bereichs überschritt. Josefs eminente Karriere als Maler, jenseits seiner Leistungen als Pädagoge und Theoretiker, mündet in der großen Serie 'Homage to the Square', die künstlerische Analyse und Feier der unbegrenzten Darstellungsmöglichkeiten der Farbe ist.

Unsere Ausstellung ist zunächst eine der raren Möglichkeiten, die Werke der beiden Künstler in direktem Nebeneinander zu sehen. Was die Ausstellung darüber hinaus außerordentlich macht, ist die von ihr gezeigte Verbindung in ein bisher in seiner Bedeutung für die beiden Künstler fast unbekanntes Reich: nämlich die alte Kunst Lateinamerikas, namentlich die des präkolumbischen Mexiko und Peru.

Anni und Josef Albers reisten 1935 erstmals nach Mexiko und kehrten immer wieder, auch zu längeren Aufenthalten, dorthin zurück. Ebenso reisten sie nach Peru und Chile. Sie wurden in einem umfassenden Sinn zu Freunden der lateinamerikanischen Kunst und Kultur. Sie liebten die Landschaften dieser Länder, ihre Farben und fühlten sich von den Menschen und deren direkter Beziehung zu künstlerischen Formen angezogen.

Die deutschen Emigranten waren fasziniert von der Möglichkeit, hier einer alten, eigentlich vorhistorischen Kultur zu begegnen, die immer noch ganz gegenwärtig schien: in ihren Kultbauten und in Skulpturen. Genauso entdeckten sie die Schönheit textiler Gestaltungen.
Für Anni Albers wurden die Webereien aus den peruanischen Anden, deren Tradition sich aus alter Zeit bis in die Gegenwart verfolgen lässt, zu einer außerordentlichen Inspiration. Technisch komplex und zugleich formal überraschend stehen diese Gewebe für eine vor-schriftliche Kommunikation und sind zugleich mit einem ikonischen Überschuss versehen, der sie zu ästhetischen Formen eigenen Rechts werden lässt.

Josef Albers wiederum entdeckte in der Begegnung mit den Skulpturen und Architekturen des alten Mexiko wichtige Hinweise für die Entwicklung seiner bildlichen Formensprache. Seine künstlerische Begegnung mit der Pyramidalarchitektur Mexikos, für die seine Fotomontagen einstehen, lassen nachvollziehen, was er sah und welche Schlüsse er für seine Arbeit daraus zog.

Wenn wir an Josef Albers und Mexiko denken, ist vor allem auch an die Wirkmacht der Farbe zu erinnern. Sein Vertrauen in deren ganz eigene Sprachfähigkeit wird in der Begegnung mit Mexiko nochmals verstärkt. Hier erfährt die Farbe jene Sättigung durch das Licht, die von nun an das Signum seiner Malerei bilden wird.

Mexiko war für Anni und Josef Albers, wie sie an Wassily und Nina Kandinsky schrieben, "ein Land für Kunst wie es wohl nur einmal existiert ... es ist wirklich das Gelobte Land der abstrakten Kunst, denn hier ist sie 1000de von Jahren alt." In ihren Augen durchdrangen sich hier Geschichte, Kunst und Religion in außerordentlicher Weise.

Unsere Ausstellung, in der die reichen Bestände der von den beiden gesammelten präkolumbischen Kunst ihren eigenen Werken zur Seite gestellt werden, macht erstmals diesen Impuls deutlich. Kaum sonst haben sich alte Kunst und Moderne so innig und natürlich verbunden wie hier.

Die Ausstellung verdankte sich einer Zusammenarbeit der Josef und Anni Albers Foundation, Bethany, CT, und des Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid.

Zur Ausstellung ist der gleichnamige Katalog mit Texten von Brenda Danilowitz, Paulina Brugnoli, Heinz Liesbrock und anderen erschienen. Preis: 32 Euro.

Gefördert wurde die Ausstellung durch:
Kulturstiftung des Bundes
Kulturstiftung NRW
Finanzgruppe Sparkassen-Kulturfonds
Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop

Josef Albers, Variant/Adobe
Josef Albers, Tenayuca (Mexico)
Anni Albers, Two
Anni Albers, Camino Real
von oben nach unten:
Josef Albers, Variant/Adobe, »Reds and Ochre with Pink« 1948,
Öl auf Holzfaserplatte, 45,1 x 63,8 cm
Josef Albers, Tenayuca, Mexiko, o.J., Fotografie, 20 x 24,8 cm
Anni Albers, »Two«, 1952, Leinen, Baumwolle, Kunstseide, 47 x 102,2 cm
Anni Albers, Studie zu »Camino Real«, um 1967, Gouache auf Blaupause,
40,5 x 40,6 cm
(Alle Werke: The Josef and Anni Albers Foundation)