JOSEF ALBERS MUSEUM QUADRAT BOTTROP

Joachim Brohm. Ruhr

10. Juni bis 12. August 2007

Joachim Brohms fotografische Serie Ruhr, die um 1980 entstand, ist einer der frühen europäischen Beiträge zur Auseinandersetzung mit der amerikanischen Fotografie, wie sie sich seit etwa 1970 entwickelt hatte. Brohm ist nicht nur einer der ersten künstlerischen Fotografen, die sich der Farbe zuwenden, als in Europa noch weitgehend in schwarz und weiß gearbeitet wird, er nimmt auch jenen von Walker Evans geprägten 'dokumentarischen Stil' ernst, der aus einer dezidiert sachlichen Formensprache, die sich scheinbar Nebensächlichem widmet, ein künstlerisches Idiom formt. Blicke des alltäglichen Lebens werden so als Teil eines größeren kulturhistorischen Zusammenhangs sichtbar.

Neben der bis heute klar erkennbaren Eigenständigkeit seiner Bildfindungen ist es Brohms besondere Leistung, die Arbeit solcher Fotografen wie Robert Adams, William Eggleston oder Stephen Shore in Europa erstmals bekannt gemacht zu haben. Das, was dann wenige Jahre später im Umfeld der Düsseldorfer Klasse von Bernd Becher entsteht, ist ohne das Bindeglied von Brohms Fotografie nicht vorstellbar.

Unter veränderten kulturellen Voraussetzungen ist Joachim Brohms Bildserie Ruhr ein frühes Echo auf diese jüngere amerikanische Fotografie. Ruhr drückt die tiefe Bewegung dieses ersten Moments der Entdeckung aus und ist zugleich schlüssige Antwort darauf. Die Bilder zeigen das Ruhrgebiet als eine Topografie des Anonymen. Sie bewegen sich in den Randzonen der Städte, den Neubau-, Gewerbe- und Freizeitgebieten. Im Banalen und scheinbar Ausdruckslosen gelingt es ihnen, eine spezifische Bildenergie aufzudecken. Das Alltägliche gewinnt Schönheit und eine Form stiller Monumentalität.

Zur Ausstellung ist ein Buch (dt./engl.) mit ca. 70 Abbildungen im Steidl Verlag erschienen. Preis: 29 Euro.

Die Ausstellung wurde gefördert durch:
Regionalverband Ruhr
Stiftung Kunstfonds

Essen, 1982
Essen, 1982