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Roter Faden statt lose Treffen

Bottroper Unternehmen: Weiter für starke Wirtschaftsallianz

© Stadt Bottrop

Das Votum war eindeutig: Nicht nur eine Plauderstunde beim Oberbürgermeister, sondern feste, nachhaltige Strukturen wünschen sich die Bottroper Unternehmen – und das auch über das vorläufige Projektende der Bottroper Wirtschaftsallianz im September 2019 hinaus. Das war das Stimmungsbild beim siebten Treffen des Bündnisses aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik.

Mit einem neuartigen Zusammenschluss zu einer nachhaltigen und stabilen Wirtschaftsstruktur am Standort beizutragen, mit diesem Ziel ist die Bottroper Wirtschaftsallianz 2016 unter Federführung von Oberbürgermeister Bernd Tischler angetreten. Auf seinem siebten Treffen hat der Verbund aus Bottroper Unternehmen, Stadt, Institutionen, Kammern und anderen Akteuren der Stadtgesellschaft jetzt eine positive Bilanz der Kooperation gezogen und sich für eine Fortsetzung ausgesprochen.

Im "Lokschuppen" sprachen sich die meisten der rund 50 anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer dafür aus, eine verbindliche Organisationsform mit eigener Geschäftsstelle beizubehalten, die den weiteren Prozess koordiniert und moderiert. Zuvor hatten die Beteiligten vier unterschiedlich enge Formen der zukünftigen Zusammenarbeit in Kleingruppen diskutiert: neben dem Szenario der bisherigen Wirtschaftsallianz auch ein Beirat-Modell sowie die Zusammenarbeit in einem losen oder einem von der Wirtschaft selbstorganisierten Netzwerk mit eigener Organisationsform. Am Ende sprachen sich jedoch die Unternehmen mehrheitlich für das bisherige Allianz-Modell aus.

„Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine themengeleitete Zusammenarbeit mit einem roten Faden mehr Erfolg verspricht als reine unverbindliche Netzwerktreffen“, sagte auch Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler am Rande der Veranstaltung. „Unternehmerinnen und Unternehmer bringen sich gerne ein. Sie können aber in der Regel nicht aus sich selbst heraus solche Prozesse organisieren und leiten. Es fehlen ihnen vielfach die Ressourcen, etwa Zeit. Hier kann unsere Wirtschaftsförderung mit einer festen Geschäftsstelle unterstützen. Die Unternehmen setzen die Themen und die Wirtschaftsförderung nimmt diese auf, macht Lösungsvorschläge und tritt damit wiederum in einen Dialog mit den Unternehmen.“

Gegenstromprinzip nannte das Judith Terstrieb vom Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen. Das IAT begleitete die Wirtschaftsallianz im Rahmen des Forschungsprojektes "Bottrop 2018plus". „Wirtschaftsförderung muss viel zuhören, Themen identifizieren und daraus Vorgaben und Ziele entwickeln und dann auf die gemeinsame Umsetzung achten.“ Und ihre Kollegin am IAT, Maria Rabadjieva, ergänzte: Wichtig sei die richtige Balance zwischen Vorgaben und Teilhabe.

Genau diese Balance hatte die Allianz während der rund dreijährigen Projektphase bereits austariert. Der Zusammenschluss definierte dafür zunächst drei zukunftsträchtige Handlungsfelder – „kooperative und digitale Produktionsformen im Handwerk, „Handel der Zukunft“ sowie „Nachhaltige Unternehmensgründungen“. In drei entsprechenden „Reallaboren“ erprobten die beteiligten Akteure schließlich die Zusammenarbeit und arbeiteten aktiv an aufgeworfenen Fragestellungen. Aus dem Reallabor „Handel der Zukunft/Hybrider Handel“ entstand im Herbst 2018 etwa das Citylogistikprojekt "LOUISE". Dabei handelt es sich um eine softwaregestützte Lösung, die es ermöglicht, Angebote etwa lokaler Einzelhändler wie bei einem Onlineversandhandel zu nutzen. Mit einer App sollen Nutzer zum Beispiel das Reparaturangebot des nahegelegenen Schusters buchen können. Der in das Netzwerk eingebundene Spediteur holt die Schuhe mit einem emissionsarmen E-Cargo-Bike beim Nutzer ab und bringt sie zum Schuster und wieder zurück.

Weitere zukünftige Potenziale der Wirtschaftsallianz leitete Nils Seipel vom Projektpartner Faktor 10 (Institut für nachhaltiges Wirtschaften) aus den Ergebnissen einer Unternehmensbefragung ab, die er auf dem Treffen vorstellte. „Ein beträchtlicher Teil der befragten Unternehmen setzt bereits Umwelt- und Gesundheitsmanagementsysteme sowie Maßnahmen zur Förderung umweltfreundlicher Mobilität um oder plant dies. Aber die Erfahrungen und Wissensstände damit sind sehr unterschiedlich. Hier könnten Unternehmen noch mehr voneinander lernen und profitieren.“

OB Bernd Tischler bekräftigte seine Bereitschaft, sich weiterhin persönlich für die Fortsetzung und Verstetigung der Zusammenarbeit zu engagieren sowie „dafür zu sorgen, dass angemessene Ressourcen vorhanden sind“. Ein Antrag auf eine zweijährige Anschlussfinanzierung sei bereits beim Bundesministerium für Forschung und Bildung gestellt. „Wir habe eine gute Form der Zusammenarbeit auf Augenhöhe etabliert, die es ermöglicht, Probleme auf kurzem Weg zu besprechen und zu lösen. Wir sitzen in einem Boot und rudern in eine Richtung. Das ist ein hohes Gut und nicht überall selbstverständlich. Diesen Gesprächsfaden dürfen wir jetzt nicht abreißen lassen“, so Tischler.

Einen konkreten Ausblick gab Sabine Wißmann, Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung, am Ende der Veranstaltung: „Wir werden die positiven Anregungen mitnehmen, um im September ein Konzept der weiteren Zusammenarbeit vorzulegen.“ Die praktische Arbeit in den Reallaboren gehe unterdessen weiter. „Wir wollen den eingeschlagenen Weg auf jeden Fall fortsetzen.“

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