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© Stadtarchiv

Blogbeitrag #14: "Bottroper Kulinarik"

Die Bottroper Geschichte gehört zu Antjes Hobbies. In ihrer Jubiläumsblog-Rubrik "Geschichte to go. Das schnelle Stück Geschichte für zwischendurch“ blickt sie in ihrem ersten Beitrag auf die kulinarische Zeit in Bottrop zurück.

Wenn man einen Bottroper kulinarisch zum Schwärmen bringen will, muss man keine Sterneküche bemühen. Ein paar Namen und Begriffe genügen, und der Bottroper schwelgt in geschmacklichen Erinnerungen. Das erste Highlight, quasi die Basis-Kulinarik, erfährt der Bottroper bereits im Kindesalter. An der Bude seines Vertrauens wird die erste gemischte Tüte nach Geldbeutel und Vorliebe zusammengestellt. Sätze wie „Eine Tüte für 20 Pfennig, aber ohne die roten“ begleiten einen Bottroper ein Leben lang. Diese Erfahrung ist generationenübergreifend und gibt es, seitdem es Buden in Bottrop gibt. Die erste Bude gab es im übrigen 1914 am Pferdemarkt, auch „Wasserschlösschen“, „Café Achteck“ oder „Artistenklause“ genannt. Fast alle Generationen erzählen Geschichten über Budenerlebnisse, denn es war üblich, dass man als Kind Zigarren, Zigaretten oder Bier für die Verwandtschaft an der Bude holte. Das Wechselgeld, das man behalten durfte, wurde direkt in gemischte Tüten investiert.

© StadtarchivGladbecker Straße 147, Metzgerei August Heger. 1928.

Sauerkraut-Brötchen und Schaschlikspieße

Das nächste kulinarische Stadium erreichte der Bottroper, wenn er in die Schule kam. Auf dem Weg zur oder von der Schule gab es immer einen Bäcker oder einen Metzger. Je nach Generation kaufte man beispielsweise bei "Kleinherne" auf der Bahnhofstraße eine Tüte mit Kuchenrändern, später dann Matschbrötchen. Bei "Kleine-Wortmann" auf der Friedrich-Ebert Straße holte man sich für zehn Pfennig ein Brötchen mit Sauerkraut. Jeder Stadtteil hatte seine Metzger und Bäcker, die diese Köstlichkeiten anboten.

© StadtarchivLebensmittelhaus Dreiskämper, 1920er Jahre.

Erste Imbissbude eröffnete an der Gladbecker Straße

Mit dem Heranwachsen erweiterte sich die kulinarische Palette. Wurde man älter, reichte der Wirkungskreis als Jugendlicher endlich bis zur Innenstadt. Dort war man dann im "kulinarischen Olymp" angekommen. Pommesbuden und die "Stadtküche Mengede" ersetzten die Mahlzeit zuhause. Ob nach der Schule, dem Besuch im Hallenbad am Berliner Platz oder der Disco; ohne Besuch der kulinarischen Tempel ging es nicht. Die erste Imbissbude, wie man das früher nannte, wurde bereits 1948 von Edith Objartel an der Gladbecker Straße eröffnet. Weitere folgten. Aber angesagt waren nicht Pommes rot/weiß mit Currywurst, sondern ein Klassiker für das schmale Budget. „Bei Omma“ an der Luise-Hensel-Straße „hinter der Trappe“ gab es in den 1970ern für 20 Pfennig Sauce mit Brötchen. Ab und zu gönnte man sich aber auch Schaschlik. Betrat man die damaligen Pommesbuden, stand man vor Theken, deren obere Hälfte verglast war. Man schaute auf zwei viereckige Grillplatten bzw. Vertiefungen. Auf der einen lagen die Bratwürstchen. Auf der anderen schmurgelten die Schaschlikspieße in der hauseigenen Sauce. Jede Bude hatte ihr besonderes Rezept und ihre Fans. Wer fast alle Fans vereinigte, war die Stadtküche Mengede am Pferdemarkt. So mancher Bottroper wurde anhand dieser Speisekarte geschmacklich sozialisiert. Im Laufe der Jahre verteilten sich die Pommesbuden über die ganze Stadt. 

© StadtarchivIm Hintergrund: Stadtküche Mengede, 1980.

Frikadellen und Soleier

Wer mittwochs oder samstags in der Stadt war, ging zum Markt, Fischbrötchen essen. Noch heute hat der eine oder andere Bottroper den Geschmack auf der Zunge. Den strengen Geruch nach Zwiebeln nahm man dafür in Kauf. Und wenn man auf dem Markt war, nahm man natürlich direkt frische Graupenwurst mit nach Hause. Zuhause in der Pfanne gebraten, ein Genuss.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die „Snacks“, die der Bottroper in den zahlreichen Kneipen aß. Frikadellen und Soleier. Aufbewahrt unter Glas oder Plastik, standen sie auf jeder Theke und stillten den kleinen Hunger nach dem Bier oder Herrengedeck.

© StadtarchivBlick auf das Dom Café Bäckerei Bergendahl, 1980.

Ging der erwachsene Bottroper zum Essen aus, aß er ab Mitte der 1950er u.a. Toast Hawaii und Krüstchen bei Ingendoh, „Attilas brennenden Säbel“ im jugoslawischen Restaurant am Pferdemarkt, Zigeunerschnitzel im Forsthaus Specht und Jägerschnitzel in der Pinte. 1961 gab es das erste chinesische Restaurant. Bereits 1969 eröffnete die erste Stehpizzeria in Bottrop. Sie soll eine der ersten in NRW gewesen sein.

Wie man sieht, begleiteten einen Bottroper die verschiedenen kulinarischen Highlights im öffentlichen Raum durch das ganze Leben. Die Essensvorlieben haben sich inzwischen geändert. Aber die Erinnerung an diese Geschmackserlebnisse sind geblieben.    


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