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Familie Kwasigroch - Im Scheierbruch 23

Franz Kwasigroch

© Stadt BottropFranz Kwasigroch

Im Scheierbruch 23
Patenschaft für den Stolperstein: Familie Kwasigroch, DKP-Ratsfraktion Bottrop

Franz Kwasigroch (geboren am 19. November 1881) arbeitete nach dem Besuch der Volksschule zunächst in der Landwirtschaft. Er kam 1904 nach Essen, wo er von nun an im Bergbau arbeitete. Zunächst auf der Zeche Zollverein beschäftigt, verdiente er anschließend auf der Bottroper Zeche „Rheinbaben" seinen Lohn. Zwischen 1930 und 1939 erwerbslos, nahm er schließlich eine Tätigkeit als Bauarbeiter im Bottroper Unternehmen „Bremer" auf.

Ohne ihr eingeschriebenes Mitglied zu sein, stand Franz Kwasigroch vor 1933 der KPD nahe und gehörte der „Revolutionären Gewerkschaftsopposition" und dem Be-triebsrat auf „Rheinbaben" an. Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung" wurde er im März 1933 zunächst für neun Wochen in Schutzhaft genommen. Zwei Monate später griffen die Verfolgungsbehörden erneut zu und sperrten ihn bis zum 17. Dezember in die Haftanstalt Brauweiler ein.

Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Franz Kwasigroch (wie auch die Bottroper Michael Mast und Karl Piorr) der von Wilhelm Knöchel und Willi Seng geführten „Knöchel-Organisation" an, die beabsichtigte, die kommunistische Partei neu aufzu-bauen sowie die Bevölkerung über die Stimmung in der Arbeiterschaft, über die wah-re Kriegslage und über die Gewaltverbrechen des NS-Staats mit Hilfe von Flugschrif-ten aufzuklären.

Am 2. Februar 1943 griff die Gestapo in Bottrop zu und verhaftete auch Franz Kwa-sigroch, der am 12. August 1944 (zusammen mit Michael Mast) zum Tode verurteilt wurde, da er sich „als aktiver Kommunist im Existenzkampf unseres Volkes auf die Seite des Bolschewismus, unseres ärgsten Feindes", gestellt habe und „der Heimat und der kämpfenden Front [...] heimtückisch und hochgefährlich in den Rücken gefal-len" sei. Der nationalsozialistische Unrechtsstaats vollstreckte das Todesurteil am 22. September 1944 in Dortmund.

Quellen: Beatrix Herlemann: Auf verlorenem Posten. Kommunistischer Widerstand im Zweiten Welt-krieg. Die Knöchel-Organisation, Bonn 1986.
Jörg Lesczenski: „Ab heute scheide ich von euch für immer". Widerstand und Resistenz in Bottrop 1933-1945, Bottrop 2005.
Detlev J. Peukert: Die KPD im Widerstand. Verfolgung und Untergrundarbeit an Rhein und Ruhr 1933 bis 1945, Wuppertal 1980.

Maria Kwasigroch

© Stadt BottropMaria Kwasigroch

Im Scheierbruch 23
Patenschaft für den Stolperstein: Marlies Dropmann

Im westpreußischen Bladau geboren (24. März 1886) ging Maria Osowitzka in ihren Jugendjahren landwirtschaftlichen Arbeiten nach, heiratete 1907 Franz Kwasigroch und siedelte nach der Eheschließung in das Ruhrgebiet über. Wie ihr Ehemann stand auch Maria vor der Machtergreifung der KPD nahe und engagierte sich nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gleichfalls in der „Knöchel-Organisation".

Maria Kwasigroch wurde am 5. Februar 1943 „wegen Verdachts der Vorbereitung zum Hochverrat festgenommen", da „sie mit dem illegalen Funktionär Seng in Ver-bindung" gestanden „und von ihm illegale Hetzschriften erhalten und weiter verbrei-tet" habe. Über ihre politische Arbeit in den Kriegsjahren heißt es in der Anklage-schrift vom 2. Mai 1944: „Ende 1941 oder Anfang 1942 lief in ihrer Wohnung der Funktionär Seng an [...]. In ihrer Gegenwart hat Seng über den Wiederaufbau der illegalen KPD gesprochen und ihren Mann zur Mitarbeit aufgefordert. [...] In Abstän-den von vier bis sechs Wochen erschien Seng weitere fünf bis sechsmal in ihrer Wohnung, brachte kommunistische Flugblätter [mit] und ließ sie auf dem Tisch lie-gen. [...] Von diesen Flugblättern, die Seng mit in ihre Wohnung brachte, hat auch die Angeschuldigte verschiedene gelesen. Sie gab Seng in ihrer Wohnung verschie-dentlich Kaffee zu trinken."

Das Oberlandesgericht in Hamm verurteilte Maria Kwasigroch zu einer Zuchthaus-strafe von 15 Jahren, die ihr größtenteils erspart blieb. Der Vormarsch der Alliierten und das nahende Kriegsende beendeten ihre Leidenszeit. Maria Kwasigroch lebte nach dem Kriegsende zunächst in Castrop-Rauxel, wohnte seit dem 22. August 1951 wieder in Bottrop und verstarb am 24. April 1952.

Quellen: Beatrix Herlemann: Auf verlorenem Posten. Kommunistischer Widerstand im Zweiten Welt-krieg. Die Knöchel-Organisation, Bonn 1986.
Jörg Lesczenski: „Ab heute scheide ich von euch für immer". Widerstand und Resistenz in Bottrop 1933-1945, Bottrop 2005.

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