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Welheimer Mark

Die Welheimer Mark setzt auf junge Familien und lebenslanges Wohnen. Wohnungsbau-Programm soll Zukunft sichern.

Große Schwierigkeiten und großes Potential

Die Welheimer Mark ist vielleicht der Teil Bottrops, der im Moment mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Denn dem kleinsten der Stadtteile gehen die Bewohner aus. Die Menschen, die geblieben sind, sehen in ihrem Viertel jedoch großes Potential – und das nicht zu Unrecht.

© Stadt Bottrop

"Lasst uns die Welheimer Mark doch einfach dicht machen!"

Die Welheimer Mark liegt abgeschnitten zwischen der Prosper-Kokerei, der Zeche Prosper II, dem Klärwerk und dem Rhein-Herne-Kanal. Sie war nie ein großer Stadtteil. Nur auf einer Hand voll Straßen um die Hauptstraße „In der Welheimer Mark" wurde in den 50er-Jahren die Arbeiter für die Zeche Prosper II und später für die Kokerei angesiedelt. Dafür waren aber ihre Probleme von Anfang an umso größer.

Was ursprünglich eine schmucke, moderne Kolonie werden sollte, entwickelte sich schnell zum „Dreckloch" Bottrops. In den späten 50er-Jahren drohten die teilweise noch unkanalisierten Straßen zeitweise im Schlamm zu versinken, der mit LKW's aus der Kläranlage abtransportiert wurde. 1968 hatte der Ortsteil gleich nach Dortmund die größte Immissionsbelastung in Deutschland. Und noch 1991 wurden von zwei Studenten im Rahmen einer Studie „schwerwiegende Belastungen" und „dramatische Luftbeeinträchtigungen" festgestellt.

Kokerei, Kohle-Öl-Anlage und Kläranlage setzten den Bewohnern des Stadtteils mächtig zu. Dazu kamen über Jahrzehnte der Schwerlastverkehr und die fehlende Instandhaltung der Siedlungshäuser. Noch 1995 vertraten manche Bürger die Meinung: „Lasst uns die Welheimer Mark doch einfach dicht machen!" Und in der Tat wanderten immer mehr Bewohner ab. Dafür zogen wegen der günstigen Mieten immer mehr ausländische Mitbürger dazu. „In der Welheimer Mark wohnen nur Ausländer und Rentner", ist daher ein gängiges Vorurteil, das dem Stadtteil jedes Potential abspricht.

© Stadt BottropAls Arbeiterkolonie für die ZEche Prosper II wurde die Welheimer Mark in den 50er-Jahren erschlossen.

Die Kläranlage - beleuchtete Fauleier

Wer so urteilt, übersieht jedoch die Vorteile des Fleckchens an der Emscher. Still und leise, vom Rest der Stadt oft gar nicht wahrgenommen, hat sich einiges verändert in der Welheimer Mark. Zum Beispiel an der Kläranlage. Das erste, was man bei Dunkelheit von Bottrop sieht, wenn man sich der Stadt aus Richtung Essen über die B 224 nähert, sind vier riesige blaue „Ufo's". Als eine der neuen Landmarken im Ruhrgebiet zeigen die blau erleuchteten „Fauleier" den Wandel der Kläranlage vom „stinkenden Loch" zu einer der modernsten und geruchsärmsten Anlagen der Welt.

Seit 1929 steht das Klärwerk auf dem Gebiet der Welheimer Mark – und hat sie so manches Mal geplagt. Denn in der Anlage werden nicht nur das Wasser von 650.000 Menschen und zahlreichen Industriebetrieben geklärt, sondern auch der Klärschlamm aus dieser und zwei weiteren Anlagen behandelt. In der Vergangenheit hat das oft eine enorme Geruchsbelästigung und Verschmutzung für den Stadtteil bedeutet. Seit 1996 jedoch ist die Anlage komplett umgebaut. Geruchsbelästigung gibt es fast kaum mehr, obwohl in den vier „Fauleiern" weiterhin bei 38° Celsius „ausgefault" wird. Das heißt, die im Klärschlamm enthaltene biologische Masse wird zu Faulgas, das dann in Energie umgewandelt wird.

Sichtbar gemacht wurde diese Veränderung vor rund drei Jahren durch die Beleuchtung der „Fauleier" in einem überirdisch-blauen Licht. 68 Halogenleuchter weisen auf die positive Entwicklung hin, die die Kläranlage der Emscher-Genossenschaft genommen hat. Für die Zukunft plant die Emscher-Genossenschaft größere Renaturierungsmaßnahmen für die Emscher mit einem Schwerpunkt in der Welheimer Mark.

© Stadt BottropDie "Ufo's", die "Fauleier" des Klärwerks, sind weithin sichtbares Wahrzeichen der Welheimer Mark.

Renovierung der Wohngegend

Die übrige Industrie belastet den Stadtteil ebenfalls kaum noch. Die Kohle-Öl-Anlage wurde abgebaut und hat die Reise nach China angetreten, und die Kokerei ist mit den neuen Filtersystemen kaum mehr zu riechen.

Die Vermietergesellschaft THS, der die meisten Häuser im Stadtteil gehören, hat ein neues Konzept beschlossen, nach dem die nicht mehr zu renovierenden Häuser abgerissen und durch Häuser mit modernen, großzügig geschnittenen Wohnungen ersetzt werden sollen. Für die älteren Bewohner stehen demnächst spezielle Senioren-Wohnungen bereit.

Die größte Leistung geht allerdings von den Bürgern selbst aus. Sie haben ihre Welheimer Mark noch längst nicht aufgegeben, sondern zeigen, dass oft gilt: „Klein aber fein". Bestes Beispiel ist die Grundschule. Das Schulgebäude ist wie viele Häuser in der Welheimer Mark wegen der Nähe zur Emscher nicht unterkellert ist. Die Schule hat im Durchschnitt zwar nur 100 Schüler, versteht sich aber gerade deshalb als Stadtteilschule.

Sie integriert die Eltern der inzwischen die Hälfte der Schülerzahl ausmachenden ausländischen Kinder ebenso wie die deutschen Eltern. Gemeinsam werden in der Aula der Schuleimmer wieder kleine Kulturveranstaltungen wie das jährliche Adventssingen für die Bewohner der Welheimer Mark aufgezogen.

Ein Paradies für junge Familien

Das Schulfest hat sich mittlerweile zum Stadtteilfest entwickelt, bei dem alle Vereine dabei sind, die Kirchengemeinde St. Antonius genauso wie die türkischen Bewohner oder die Sonderschule für Geistigbehinderte.

„Als mir eine Frau, die nicht einmal in Bottrop wohnt, nach dem letzten Schulfest eine Karte schrieb und sich für den wunderschönen Tag bedankte, – die türkischen Spezialitäten würden ihr noch lange im Gedächtnis bleiben – , da wusste ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind", erklärt der Grundschuldirektor Dieter Meinerzhagen.

Er selbst lebt seit 20 Jahren im Bottroper Norden. „Trotzdem wird man dort immer noch als Zugezogener wahrgenommen und kommt nicht richtig dazwischen", schildert er. In der Welheimer Mark hingegen werde buchstäblich jeder Neuankömmling freudig begrüßt. „Und bei den günstigen Mieten, der verkehrsberuhigten Lage und dem dörflichen Charakter ist das hier eigentlich ein Paradies für junge Familien." Nur mit der Nahversorgung mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Gebrauchs hapert es in der Welheimer Mark. Der einzige Supermarkt kämpft seit Jahren bei ständig wechselnden Inhabern ums Überleben.

Die Rentnerin Christine Wallner fühlt sich trotz der fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in ihrem Stadtteil wohl. Sie wohnt seit Jahrzehnten gerne in der Welheimer Mark. Im Zuge der Renovierungs- und Abrissarbeiten muss sie zwar aus ihrer Wohnung ausziehen. Aber Christine Wallner ist sich sicher: „Ich bleibe hier." Zusammen mit ihrem Enkel André (19) will sie in eine der neuen, größeren Wohnungen in der Welheimer Mark ziehen. Denn „der Junge will auch nicht hier weg!"

Daten, Zahlen, Fakten

Die zweieinhalb Quadratkilometer der Welheimer Mark liegen im Südosten von Bottrop am nördlichen Ufer der Emscher. Einen Großteil der Fläche nimmt dabei jedoch die Kläranlage der Emschergenossenschaft ein. Mit weniger als 1200 Bewohnern ist die Welheimer Mark der bewohnermäßig kleinste Bottroper Stadtteil. Viele Häuser der Siedlung wurde für die Arbeiter der nahen Zeche Prosper II und der Zentralkokerei gebaut. Zusammen mit dem Ortsteil Welheim hat die Welheimer Mark den höchsten Ausländeranteil Bottrops.

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