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Welheim

Von der Arbeitersiedlung zum Vorzeigeprojekt - intakte Nachbarschaft fängt soziale Probleme in Welheim auf

Die "Gartenstadt"

Als „Gartenstadt" ist Welheim über die Grenzen Bottrops hinaus bekannt. Durch fast 15-jährige Arbeit von Stadt und Land hat der ehemalige Bergarbeiter-Stadtteil im Südosten Bottrops einen enormen Schritt nach vorn gemacht. Dass hinter den renovierten Fassaden immer noch eher sozial schwache Familien zu Hause sind, wird von Institutionen wie der Kirche St. Franziskus oder der Hauptschule Welheim und nicht zuletzt durch eine intakte Nachbarschaft aufgefangen.

© Stadt Bottrop

Kommende Welheim

Ist es heutzutage die Gartenstadt, die als Projekt der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) Berühmtheit erlangte, so war es vor 1000 Jahren das Gut Welheim, das in der Umgebung Rang und Namen hatte. Man sagt, 1230 habe Eberhard von Welheim das Gut dem Deutschen Orden vermacht, wodurch es zur Kommende (Ordensgut) wurde. Bis ins 19. Jahrhundert bildete die Kommende Welheim mit ihrer Kapelle den Anlaufpunkt für Batenbrock, Boy und Welheim.

Nach der Säkularisierung (Enteignung der kirchlichen Güter) kam das Gut in den Besitz des Herzogs von Arenberg. Danach begann für das Gut Welheim und für den ganzen Stadtteil ein neuer Abschnitt in der Geschichte. Denn mit dem Beginn des Bergbaus in Bottrop wenige Jahrzehnte später wurde 1928 neben der Burg die Kokerei Prosper gesetzt. Als die Burg im Zweiten Weltkrieg von Bomben, die eigentlich für die Kokerei gedacht waren, getroffen wurde, wurde sie nicht wieder aufgebaut, sondern endgültig 1980 beim Umbau der Kokerei unter Schutt begraben. Heute erinnert nur noch ein Wegstein an der Prosperstraße an das ehemalige Ordensgut.

© Stadt BottropOstermann-Gelände

Alpincenter und Ostermann

Nach dem Niedergang des Guts Welheim Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Zeit der Zeche „Vereinigte Welheim" auf dem heutigen Ostermann-Gelände und der dazugehörigen südlichen Siedlung, die als Gartenstadt nach englischem Vorbild gebaut wurde. 1910 wurde der Schacht abgeteuft, 1914 erstmals Kohle gefördert. Die Wohnungen für die Arbeiter entstanden von 1913 bis 1923 zwischen der heutigen B 224 im Osten, der Zechenbahn und dem Werksgelände im Norden sowie der Prosperstraße im Süden.

Zusammen mit dem südlichen Teil der Johannesstraße, dem „Stinnes-Wäldchen" zwischen der Bundesstraße und der Boye sowie mit „Alt-Welheim", jenem schon vorher bebauten Gebiet um das ehemalige Gut Welheim macht die Siedlung den heutigen Stadtteil aus. Mit dazu gehört auch das Alpin-Center auf der Halde an der Prosperstraße.

© Stadt BottropGroßbildansicht Alpincenter-Ansicht vom Tetraeder

Von der Bergarbeiterkolonie bis zur Gartenstadt

Von der Bergarbeiterkolonie bis zur Gartenstadt in der heute landesweit beachteten Gestaltung war es indes weiter Weg. Zwar hatte die Siedlung zur Zeit ihrer Erbauung Vorbildcharakter, doch der Zahn der Zeit nagte an der Kolonie. Nachdem die Zeche „Vereinigte Welheim" 1931 ihre Förderung eingestellt hatte – zuletzt produzierten auf dem Gelände die Chemischen Werke Hüls – wurde die Siedlung von den Eigentümern (wechselnden Treuhand- und Wohnungsbaugesellschaften) vernachlässigt.

Aufgrund fehlender Investitionen entsprachen die Wohnungen nach einigen Jahrzehnten nicht mehr modernen Standards und präsentierten sich in immer schlechterem Zustand. Noch Mitte der 80er-Jahre hatte ein Drittel der Wohnungen kein reguläres Badezimmer, geheizt wurde mit Kohle.

„Das war gerade für ältere Menschen eine schwierige Situation, die Asche jeden Tag zu entsorgen", erinnert sich Anwohner Heinz Amthor. Trist und grau, mit bröckelndem Putz spiegelte die Siedlung die Stimmung im Stadtteil wieder.

"Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf"

Die große Wende für Welheim kam 1989 mit der Aufnahme ins Landesprogramm „Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf" gemeinsam mit der Boy. Zeitgleich wurde die Bergarbeitersiedlung auserkoren als ein Projekt der Internationalen Bauausstellung. Von nun an setzte eine Grundsanierung von nie gekannten Ausmaßen in Bottrops Südosten ein. 1204 Wohnungen wurden für ca. 72,6 Millionen Euro in den folgenden zwölf Jahren renoviert.

Dazu kam die Sanierung von Straßen und Abwasserkanälen. Inzwischen galt die Bergarbeitersiedlung als denkmalgeschützt und mauserte sich laut damaligem Oberbürgermeister Ernst Löchelt zum „Vorzeigeobjekt". So nannte er Welheim beim Siedlungsfest zum Abschluss der Renovierungen im Mai 2002.

Der engagierte Bürger Heinz Amthor hat den Umbau über die Jahre hinweg in beeindruckender Weise dokumentiert. Er hat von mehreren Häusern eine Vorher-Nachher-Ansicht erstellt. Heute können die Bewohner es kaum mehr fassen, wenn sie diese Aufnahmen sehen. „Wie? So schwarz war unser Haus mal?", lautet immer wieder die Reaktion.

Heute leuchten die rund 580 Gebäude in freundlichen Beigetönen, die Dächer sind in leuchtendem Rot gedeckt. Das neue schöne Wohnumfeld innen wie außen ließ die Anwohner auch schnell vergessen, dass sie für bis zu sechs Monate aus ihren Häusern ausquartiert wurden.

Eine ganz besondere Mentalität

Was sich aber nicht geändert hat in der denkmalgeschützten Siedlung, ist die Tatsache, dass es sich um Sozialwohnungen handelt. Das heißt, wer nicht schon „ewig und drei Tage" in der Siedlung lebt,muss ein geringes Einkommen nachweisen, um in die Gartenstadt einziehen zu können. Daraus resultiert, dass viele sozial schwache Bewohner in den Stadtteil gezogen werden, darunter ein großer Anteil an Ausländern. Um die 1000 der etwa 5000 Bewohner sind ausländischer Herkunft. „So eine Mischung ist natürlich bevölkerungspolitisch schwierig", mahnt Pfarrer Horst Graffa von St. Franziskus an.

Auch Detlef Wendt empfindet die Zusammensetzung der Nachbarschaft manchmal als große Herausforderung. Seit 30 Jahren lebt er gerne in Welheim. „Dadurch, dass das hier ursprünglich eine Bergarbeiter-Kolonie war, ist die Mentalität hier eine ganz besondere", erklärt der Rentner. „Manche neu Hinzugezogene begreifen nur nicht immer, wie schön sie es hier haben." Neben der denkmalgeschützten, frisch renovierten Siedlung bietet sich den Anwohnern ein kleines Geschäftszentrum an der Kreuzung Gungstraße/Welheimer Straße. Ein kleiner Park zieht sich von Nord nach Süd fast durch den ganzen Stadtteil.

Hier sollte ursprünglich einmal eine weitere Transportbahn für die Industrie angelegt werden, weswegen die Fläche nicht bebaut wurde. Zusätzlich zu der verkehrsberuhigten Lage im Grünen machen zwei Kindergärten Welheim besonders familienfreundlich.

"Manchmal ist ein sozialer Brennpunkt auch eine Chance"

Dass es soziale und ethnische Probleme gibt,wird besonders in der Hauptschule spürbar. Ein Drittel der 300 Schüler sprechen nicht Deutsch als Muttersprache. Kinder aus insgesamt 16 Nationen besuchen die Schule. So kommt es häufig zu Reibereien untereinander und im Unterricht. „Wir versuchen, aus der Vielfalt etwas Geordnetes zu machen und das Gemeinsame, nicht das Trennende zu betonen", erklärt Schulleiterin Elke Rosner. Wie stark man gemeinsam ist, merkten Lehrer, Schüler und auch Eltern spätestens, als es darum ging, die Schließung der Schule vor einigen Jahren zu verhindern.

Die Schüler hängten Plakate auf, sie veranstalteten Demos und sammelten 2300 Unterschriften. „Viele unserer Schüler unterschätzen sich und müssen ein wenig geschubst werden", weiß der Religions- und Wirtschaftslehrer Werner Breitzke. „Manchmal ist ein sozialer Brennpunkt auch eine Chance." Breitzke leitet verschiedene Projekte an der Schule, zum Beispiel den christlich-islamischen Gottesdienst, der vom Bistum Essen als Vorzeigeprojekt schon einen Preis erhalten hat.

Daten, Zahlen, Fakten

Im Stadtteil Welheim leben knapp 5000 Menschen. Fast 1000 von ihnen sind Ausländer. Damit hat Welheim zusammen mit der Welheimer Mark den höchsten Ausländeranteil der Stadt von gut 19 Prozent. Der Stadtteil wird im Norden, Süden und Westen von Zechen- und Werksbahnen begrenzt, im Osten bildet die Boye die Grenze. Damit schließt der Stadtteil auf viereinhalb Quadratkilometern sowohl den Wald jenseits der B 224, als auch die Zentralkokerei Prosper und das Alpin-Center mit ein.

Die Keimzelle von Welheim ist die Kommende Welheim, die dem Deutschen Ritterorden gehörte. 1910 wurde der Schacht auf der Zeche „Vereinigte Welheim" auf dem heutigen Ostermann-Gelände abgeteuft und die Gartenstadt Welheim gebaut.

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