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Vonderort

Dem Vorzeige-Wohnort fehlt noch die Infra-Strukutr. Vonderort hat sein Gesicht zweimal gewandelt.

Dem Vorzeige-Wohnort fehlt noch die Infrastruktur

Früher war Vonderort bekannt für seine Mülldeponie und die riesigen Löcher, die die Förderung von Formsand hinterließ. Heute steht der Stadtteil durch den gleichnamigen Revierpark und dem Gesundheitspark Quellenbusch für Freizeit und Erholung.

© Stadt Bottrop
© Stadt BottropDas Torhaus von Haus Hove wurde nach alten Plänen neu aufgebaut.

Vonderort hat sein Gesicht gleich zweimal gewandelt

Zweimal in der Geschichte hat Vonderort sein Gesicht verändert, bis es zu einem der beliebtesten Wohnorte
Bottrops wurde. Im sumpfigen Gebiet rechts der Emscher war so manche Brücke im mittelniederdeutschen „Vundern" nötig, um trockenen Fußes durch das Gelände zu kommen. Hier siedelten sich um die Jahrtausendwende die Herren von Vondern mit ihrem Stammsitz, der Burg Vondern an, die heute auf Oberhausener Stadtgebiet liegt.

Im 13. Jahrhundert ließ sich ein Abzweig der Familie von Vondern als Folge einer Erbteilung mit einem Rittersitz weiter nordöstlich nieder und nannte sich von da an „von der Hove". Torbaufragmente von Haus Hove haben genauso wie das mächtige Fundament des Herrenhauses die Zeit überdauert. Neu aufgebaut weist der denkmalgeschützte Torbogen den alten Verbindungsweg an der Kornbecke entlang in die Bottroper Innenstadt.

Seit 1874 gehört das Anwesen der Familie Steinhaus, deren jüngster Nachkomme Josef noch heute als Landwirt und Landschaftsarchitekt auf dem Hof lebt und arbeitet. Ursprünglich gehörte die Bauernschaft Vonderort gar nicht zu Bottrop, sondern war ein Ortsteil der zeitweise selbstständigen Stadt Osterfeld. Noch heute liegen der „Revierpark Vonderort" und die Burg Vondern jenseits der Stadtgrenze in Oberhausen.

Bei der Gebietsreform 1929, bei der Osterfeld seine Selbstständigkeit wieder verlor und von Oberhausen eingemeindet wurde, sicherte sich Bottrop unter dem Vorwand, eine geringfügige „Grenzberichtigung" rund um das neu erbaute Knappschaftskrankenhaus vornehmen zu wollen, den Großteil von Vonderort – ein großer Gewinn für die Stadt.

Güterbahnhof und Sandförderung

Denn obwohl der Ortsteil immer noch stark ländlich geprägt war, hatte er im Zuge der Industrialisierung zwei bedeutende Standbeine entwickelt: die Bahnlinie mit dem ehemals größten deutschen Verschiebebahnhof und die Sand-Förderung.

Der Güterbahnhof, der heute zwar in Oberhausen liegt, aber immer noch in Hörweite des Stadtteils ist, zog viele Arbeiter der Bundesbahn in das ländliche Gebiet. Für sie wurden an der Karl-Peters-Straße und der Straße Rhaland mehrgeschossige, schmucklose Mehrfamilienhäuser gebaut.
Der SV Vonderort war noch vor 30 Jahren vorwiegend dafür bekannt, dass in seinen Fußball-Mannschaften ausnahmslos Bundesbahner-Söhne spielten.

Zweites industrielles Standbein des Stadtteils war die Förderung von Formsand. Um das Wohngebiet herum wurde "ausgesandet", vor allem an der Straße In der Schanze und an der Seite der Straße Am Quellenbusch, die Osterfeld zugewandt ist. Der Formsand war für die Stahlindustrie ein begehrter Rohstoff. Im Zuge der Aussandung wurde auch der Donnerberg abgetragen, an dessen Fuß Vonderort lag. Verfüllt wurden die zurückgelassenen Löcher entweder mit Schutt oder Müll.

Erwin Ingendoh, der 1970 aus Oberhausen-Sterkrade an den Quellenbusch zog, musste in den ersten Jahren bei ungünstigem Wind immer wieder Müll von der westlich gelegenen Deponie aus seinem Vorgarten sammeln. „Damit mussten wir eben leben", sagt er rückblickend.

© Stadt BottropDie Bahn veränderte das Gesicht von Vonderort zum ersten Mal.

Der zweite Einschnitt

Mitte der 70er-Jahre begann sich das Gesicht von Vonderort zum zweiten Mal zu wandeln. Zu den Eisenbahner-Häusern kam die erste Neubebauung an der Straße Am Hang und der Suitbertstaße. Hier hat sich der Bottroper Architekt
Herbert Plankermann verewigt. Die Einwohnerzahl begann langsam zu wachsen, und spätestens als Anfang der 80er-Jahre die Aussandung endete und die Mülldeponie geschlossen wurde, sprach sich herum, dass es sich in Vonderort ganz gut leben lässt.

Darauf war Erwin Ingendoh freilich schon vorher gekommen. Ursprünglich nur für eine Übergangszeit nach Bottrop gezogen, bekannte er schnell: „Ich bin mit Leib und Seele Vonderorter und fühle mich hier sauwohl.“ Mittlerweile hat er sich zum Faktotum des Stadtteils entwickelt, der Mitglied in fast jedem Verein ist und in der Arbeitsgemeinschaft Vonderorter Vereine den stellvertretenden Vorsitz hat. Alle drei Jahre veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft ein Stadtteil-Fest. Spätestens in den letzten zehn Jahren hat sich Vonderort zu einem von Bottrops Vorzeigewohnvierteln gemausert.

Quellenbusch

Anfang der 90er-Jahre entstand im Rahmen eines Projektes der Internationalen Bauausstellung Emscherpark der Gesundheitspark Quellenbusch auf der Fläche der ehemaligen Mülldeponie. Mit der Neubebauung an den Straßen Am Freitagshof oder Hansiepenbusch sind besonders junge Familien mit Kindern in den Stadtteil gekommen. Sie schätzen die Nähe zur Stadt genauso wie die Lage im Grünen. Am Ende der Straße Am Freitagshof weiden noch heute Pferde auf der Koppel, direkt daran schließt sich das Nachtigallental an.

Die rund 3000 Bewohner, auf die es Vonderort heute bringt, reichen trotzdem noch nicht aus, um das kleine Zentrum rund um die Kreuzung Am Quellenbusch und Am Wienberg richtig zu beleben. Zwar gibt es unter anderem eine Sparkassen-Filiale und einen Bäcker, genauso, wie die „Dorfkneipe" „Jägerhof", aber ein Lebensmittelgeschäft konnte sich bisher nicht halten. Mehrere Supermärkte scheiterten in den Räumen, in denen jetzt ein Drogeriemarkt ist.

Genauso problematisch ist es, in Vonderort ein entsprechendes Angebot für die jungen Bewohner einzurichten. Zwar gibt es seit knapp zwei Jahren am Wienberg einen Stützpunkt des Jugendamtes, in dem nachmittags Hausaufgabenhilfe angeboten wird und die Jugendlichen einen Raum haben, in dem sie sich zum Quatschen und Musik hören treffen können.

Das kann aber auch nicht darüber hinweg täuschen, dass für die Altersgruppe in Vonderort „verdammt wenig los" ist, wie die Jugendlichen einhellig bestätigen. Der Vorteil der ruhigen Lage mit viel Grün drumherum wird für sie zum Nachteil.

© Stadt BottropDie Pyramide aus Birkenstämmen ist das Wahrzeichen des Gesundheitsparks.

Leben "In einem Stückchen Dorf in der Großstadt"

Wenig gestört hat der dörfliche Charakter bisher Clemens Matschke. Er backt in seinem Betrieb am Wienberg mit seinen rund 40 Mitarbeitern 40 Sorten Brot, die „Matschke's Marktbäckerei" dann auf Märkten im ganzen Ruhrgebiet verkauft. Seit fast 30 Jahren ist Clemens Matschke mit seiner Marktbäckerei in Vonderort vertreten. Eine Bäckerei freilich gab es an dem Standort schon lange vor seiner Geschäftsgründung.

Das Haus, in dem Matschke noch heute arbeitet und auch wohnt, ist aus dem Jahr 1907. Die Tradition der Bäckerei reicht also weit vor die zunehmend dichtere Bebauung in Vonderort. „Aber mit ein bisschen Rücksichtnahme auf die Nachbarn klappt das Miteinander von Betrieb und Anwohnern ganz reibungslos", erklärt der Bäckermeister. Damit, dass bei ihm der Mehlwagen „erst" morgens um sechs kommen kann statt mitten in der Nacht, damit hat Matschke leben gelernt. „Sonst müsste ich ins Industriegebiet umsiedeln und das will ich auf gar keinen Fall", erklärt der Obermeister der Bottroper Bäcker-Innung.

Denn aus dem vormaligen Wandervogel Matschke ist mittlerweile ein waschechter Vonderorter und Bottroper geworden. „Vor meiner Geschäftsgründung in dieser Stadt hatte ich noch nie was von Vonderort gehört", erklärt der gebürtige Cottbusser. Erst seine Wanderjahre als Geselle und später die Standortsuche für eine Betriebsgründung haben ihn dorthin gebracht. „Aber ich habe Vonderort ganz schnell lieben gelernt und habe mittlerweile kräftig Wurzeln geschlagen ", bekennt der 56-Jährige. „Man ist nicht anonym hier", beschreibt er die Vorteile des Stadtteils weiter. „Ich wohne eben in einem Stückchen Dorf in der Großstadt."

Daten, Zahlen, Fakten

Mit knapp einem Quadratkilometer Fläche ist Vonderort der gebietsmäßig kleinste Stadtteil Bottrops. Gleichzeitig hat er aber von den vier „kleinen“ Ortsteilen, zu denen noch Ebel, die Welheimer Mark und die Lehmkuhle gehören, mit knapp 3000 Einwohnern die größte Bevölkerungszahl. Diese Tatsache beruht auf der vermehrten Bautätigkeit der letzten Jahre in dem Stadtteil, der sich an der Stadtgrenze zu Oberhausen um den Bahnhof Vonderort und die Straße „Am Quellenbusch“ gruppiert.

Die Ursprünge der Burg Vondern, heute auf Oberhausener Gebiet, liegen im Dunkeln. Teile des Rittergeschlechts bewohnten ab dem 13. Jahrhundert auch das Haus Hove, dessen denkmalgeschützter Torbogen auf das älteste Bottroper Baudenkmal verweist.

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