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Ebel

In der "Kolonie" kann man sich wohl fühlen. Ebel setzt neue Hoffnung ins Förderprogramm.

In der 'Kolonie' kann man sich wohl fühlen

Für die einen ist Ebel die „Insel der Träume“, wie es in einem Lied über den Fleck zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal heißt. Andere möchten dort noch nicht einmal „tot über dem Zaun hängen“. Und den meisten ist der „Ebel-Stau“ stadteinwärts auf der Bottroper Straße wesentlich vertrauter, als der Stadtteil daneben.

© Stadt Bottrop

Von Essen nach Bottrop

Das Jahr 1863 war nicht nur die Geburtsstunde der Zeche Prosper I, sondern auch die der Siedlung Ebel, die den Wohnraum für die Kumpel lieferte. Auf der südlichen Seite der Emscher gelegen, hatte die junge Kolonie jedoch lange gar nichts mit Bottrop am Hut. Denn bis zur Gebietsreform 1929 gehörte die Ebel, deren Name sich von fruchtbaren, mit Eichen bestandenen Hügeln im Emscherbruch ableitet, zur Stadt Essen. Nächster Bezugspunkt waren Dellwig und Borbeck. Wer von Bottrop aus in die Ebel wollte – der Name des Stadtteils ist weiblich, wie die Alteingesessenen bestätigen – musste über die „Fünf-Pfennig-Brücke“, die ihren Namen nicht ohne Grund hatte. Denn mit der Brücke überschritt man auch die Grenze zwischen den Provinzen Rheinland und Westfalen und musste fünf Pfennig Maut zahlen.

© Stadt Bottrop

Blütezeit

Erst mit der Fertigstellung des Rhein-Herne-Kanals 1914, mit der Ebel von Essen abgeschnitten wurde, orientierten sich die Bewohner mehr und mehr zum nördlichen Nachbarn. Dem Gesetz nach entfiel die Maut jedoch erst 1929, als Ebel nach Bottrop und damit vom Rheinland nach Westfalen wanderte.

In diese Zeit fiel auch die Blüte der Ebel. Zu der Zeche Prosper I auf damals Essener Gebiet war 1871 Prosper II gekommen. Außerdem entwickelte sich der Kanal mit seinem Industriehafen zum Glücksfall für die Ebel. Als 1963 der Stadtteil sein 100-jähriges Bestehen feierte, stellte er sich als klein aber fein dar: Mitunter vier Gaststätten, vier Lebensmittelgeschäfte und drei Metzger machten Ebel zu einem Mini-Zentrum, dazu ein reges Vereinsleben und eine aktive Kirchengemeinde St. Matthias. „In den Kneipen stand man in Dreierreihen vor der Theke“, erinnert sich der gebürtige Ebeler Peter Kuballa. Von alledem ist heute nicht mehr viel übrig. Ende der 60er-Jahre machten sowohl die beiden Zechen als auch der Industriehafen dicht. Die Einwohner, besonders aber die Geschäfte verließen in Scharen den Ortsteil. Arbeitslosigkeit und Ausländeranteil stiegen rapide an.

Zwei Trinkhallen und ein Frisör

Zur Zeit gibt es zwischen Kanal und Emscher noch genau zwei Trinkhallen und einen Frisör. Selbst den Pastor von St. Matthias muss man sich teilen mit der Gemeinde in der Welheimer Mark. Eine der Trinkhallen wird von Kasim Sahiz geführt. Er übernimmt auch die Nahversorgung der rund 1000 Ebeler. Was er in seiner kleinen Bude nicht vorrätig hat, gibt es auf Bestellung spätestens am nächsten Tag: von der Damenstrumpfhose über Waschpulver bis zum Maggi-Würfel. Hierhin kommt auch Peter Kuballa, wenn er nach Feierabend ein Bier trinken möchte. „Was gibt es denn sonst noch hier für Möglichkeiten?“, fragt der 52-jährige. Nach einem halben Jahrhundert hat er „seinen“ Stadtteil aufgegeben und zieht demnächst weg.

Insel im Tief

Noch nicht aufgegeben hat dagegen Winfried Kraaß. Der "Bürgermeister von Ebel", wie ihn Weggefährten nennen, engagiert sich seit über 20 jahren politisch für Ebel und ist Mitglied in so ziemlich jedem Verein auf der "Insel".
"Wenn man anfängt nachzudenken, was alles im Argen liegt, kann man gleich aufgeben“, weiß er. Deshalb packt er immer wieder mit an, um seinen Stadtteil aus dem Tief heraus zu holen. „In der Stadt könnte ich mich nicht wohl fühlen, nur hier in der Kolonie“, erklärt der 70-Jährige. „Ein bisschen Grün muss schon sein, und man muss auch mal ein Huhn halten können.“ Davon hat Winfried Kraaß noch an die 30, die jeden Tag für bis zu 20 Eier sorgen, die natürlich in der Nachbarschaft sehr beliebt sind.

"In Ebel nicht mal tot über dem Zaun hängen"

Den Stadtteil nach vorne bringen will auch die Stadt mit dem Programm „Stadtteil mit besondere Erneuerungsbedarf", in das Ebel aufgenommen wurde. Einer der ersten Schritte ist die Initiative, die Kapelle an der Bahnhofstraße zu einem Bürger-Treff zu machen.

Detlef Kestermann hat die Vorteile von Ebel schon vor einiger Zeit klar erkannt. Mit seiner Frau Janette ist er vor sechs Jahren aus Essen-Borbeck an die Ebelstraße gezogen. Zusammen mit den Kindern Laura(8), Louis(4) und Lea(4) bewohnen die beiden eines der schmucken neuen Reihenhäuser.

„Hier stimmt einfach das Preis-Leistungs-Verhältnis", sagt er. Das Eigenheim mit dem kleinem Garten war aufgrund der niedrigen Grundstückspreise wesentlich erschwinglicher als in Essen. „Früher wollte ich in Bottrop-Ebel nicht mal tot über dem Zaun hängen", erzählt Detlef Kestermann. „Aber dann haben wir festgestellt, dass man hier sehr gut leben kann."

Kinderbetreuung und Jugendarbeit

Die Grundschule ist fast um die Ecke, hat trotz eines hohen Ausländeranteils einen sehr guten Ruf. Gibt es für ältere Jugendliche auch nicht viele Freizeitmöglichkeiten, so sind die 6- bis 15-Jährigen doch im Spielhaus Ebel und in der „Heißen Kiste“, die beide vom Jugendamt geleitet werden, gut aufgehoben. Hausaufgabenhilfe, Basteln, Kochen und gemeinsame Spiele stehen hier an mehreren Tagen der Woche auf dem Programm. Deutsche Kinder und Jugendliche besuchen die beiden Jugendtreffs genauso wie ausländische. „Aber das geht hier ganz konfliktfrei ab“, erzählt Cim Sahin, der seit mehreren Jahren die Jugendlichen betreut.

© Stadt BottropUm den "Ebelstau" kommt niemand herum, der von Essen nach Bottrop will.

Problem: Schwerlastverkehr

Ein Problem werden die Bewohner von Ebel jedoch trotz der Maßnahmen für einen Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf so bald nicht in den Griff bekommen: Der Schwerlastverkehr macht den Ebelern zu schaffen. Zwar gibt es seit einiger Zeit eine Lärmschutzwand, die das Wohngebiet vor der Geräuschkulisse von der stark befahrenen Borbecker Straße schützen soll, aber gegen die „Brummis“, die die Abkürzung durch den Stadtteil nehmen, um den Stau auf der Borbecker Straße zu umgehen und das Industriegebiet an der Knippenburg zu erreichen, ist man machtlos. Bis zu 100 LKW’s donnern so täglich die Ebel- und die Bahnhofstraße entlang.

„Da fällt man morgens um sechs aus dem Bett, wenn die ersten Laster hier mit Tempo 50 statt 30 vorbei fahren“, klagt Detlef Kestermann. Seine Kinder dürfen darum nur im Garten spielen und die Straßen nicht alleine überqueren. Nur eine eigene Ausfahrt von der A 42 ins Industriegebiet Knippenburg könnte den Stadtteil von der Last befreien. „Aber darüber wird schon seit Jahren geredet, ohne dass die Pläne umgesetzt werden“, sagt Winfried Kraaß.

Daten, Zahlen, Fakten

Mit rund 1600 Bewohnern und einer Fläche von etwas mehr als einem Quadratkilometer ist die Ebel der zweitkleinste Stadtteil von Bottrop. Nur die Welheimer Mark hat weniger Bewohner und Vonderort weniger Fläche. Gleichzeitig ist die Ebel der südlichste Bottroper Stadtteil. Der Rhein-Herne-Kanal bildet die südliche Grenze. Die Ebel ist 1863 als Siedlung für die Zeche Prosper I entstanden und gehörte bis zur Gebietsreform 1929 zu Essen und damit zum Rheinland. Der Name leitet sich ab von fruchtbaren, mit Eicheln bestandenen Hügeln im Emscherbruch.

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