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Vom Dialog zur künstlerischen Entgrenzung

Joseph Egan und Anton Himstedt finden ihren "Common Ground" im Josef Albers Museum Quadrat. Ausstellung ist bis 31. Oktober zu sehen.

© Stadt BottropUlrike Growe mit den Künstlern Anton Himstedt (links) und Joseph Egan der von ihr kuratierten Ausstellung.

 Mit einer Doppelausstellung meldet sich das Josef Albers Museum Quadrat aus der Corona-bedingten Unterbrechung zurück. „Common Ground“ vereint die beiden zunächst der unterschiedlich wirkenden Skulpturen und Bilder Joseph Egan und Anton Himstedt. Die Ausstellungshalle sei denn auch „eine Wunderkammer sehr unterschiedlicher Künstler“, sagt Ulrike Growe, Verwaltungsleiterin im Museum Quadrat.

Joseph Egan, 1952 in den USA geboren, ist Maler und Bildhauer. Sein Werk schöpft ganz aus der Farbe und bewegt sich frei von Gattungsgrenzen zwischen Malerei und Skulptur. Die Faszination durch Farbe anerkennt den Prozess ihrer Veränderlichkeit. Diese geistige Dimension gibt sich nicht sogleich zu erkennen. In den 1980er und -90er Jahren füllten die Werke Egan ganze Räume. Mittlerweile komprimiert er seine Kunst auf kleinformatige Objekte.  Die Materialien sind einfach, rau oder poliert, klein­teilig und kompakt. Ihr Charakter ist vom Bauen und Kon­struieren bestimmt, die Farbe von großer Klangfülle. Mehrere Werkgruppen — Dovecotes, House and Home, Color Constructions — sind Teil der Ausstellung Common Ground. 

© Stadt BottropAnton Himstedt

Mit dem Bildhauer Anton Himstedt verbindet ihn das gemeinsame Geburtsjahr 1952. Himstedt ist Bildhauer. Er studierte Bildende Kunst und Ägyptologie in Köln und Mainz und lebt heute in der Nähe von Wiesbaden. Zeigen die frühesten Werke noch eine Nähe zum deutschen Informel — in der Bildhauerei eher verstanden als Auflösung des festen Körpers denn seiner Struktur —, sind die späteren Arbeiten vielfältig und aus verschiedenartigen Materialien wie Metallen, Draht und Textil bearbeitet. Gleichzeitig werden definierte Ausformungen wie gewalzte Bodenelemente, gegossene Formen, gebogener Draht fast seriell bearbeitet, um deren spezifische Raumwirkungen experimentell auszuloten. Ein Großteil seiner gezeigten Arbeiten sind in Zusammenarbeit mit einem Tänzer Alessio Silvestrin entstanden.  Wie ein Tänzer den Raum mit seinen Bewegungen einnimmt, lässt Himstedt seinen Skulpturen den ihnen zugewiesenen Raum füllen. Die Dynamik der Bewegungen wird gleichsam im dreidimensionalen Raum nachgezeichnet und den Skulpturen festgehalten. Der künstlerische Prozess wird in der Ausstellung durch eine Video-Projektion der Tanz-Performance TANG  für den Museumsbesucher veranschaulicht. Teil seiner Ausstellung ist der Blick in den Skulpturengarten. Eine über 600 Kilogramm schwere Edelstahlarbeit mit dem schlichten Titel „Säule“ steht vor der Baustelle des Museumserweiterungsbaus. Mit einer Höhe von knapp 1,70 Metern, ihrer ungleichmäßigen Form und dem gleichzeitigen Glanz des Materials vermittelt sie Präsenz und Eigenwilligkeit. 

© Stadt BottropJoseph Egan

Die Präsentation zeigt beide Künstler wie in einem Dialog. Das zunächst Uneinheitliche verschmilzt bei andauernder Betrachtung. Die Werke beider überschreiten die Grenzen skulpturaler und malerischer Gestaltung, sie verbindet ein Hang zur Entgrenzung und Multiperspektivität. Die Werke von Joseph Egan sprechen über ihre Farbigkeit und erzählerische Fülle ganz unmittelbar an. Auch ein erster Blick auf die plastischen Werke Anton Himstedts zeigt eine große Vielfalt, kaum jedoch den inneren Zusammenhang, der sich erst allmählich erschließt.

Dies charakterisiert auch die Präsentation in Common Ground. Sie steht für einen Versuch: das Sehen zu aktivieren, der Wahrnehmung Raum zu geben. Joseph Egans Kunst oszilliert zwischen Tafelbild und Relief, ihr Farbenspiel lässt dabei Fragen nach einer Kategorisierung in den Hinter­grund treten. Bei Anton Himstedts Skulpturen liegt der Fokus auf dem Material und seiner Positio­nierung im Raum. Die scheinbare geometrische Strenge ist bei genauer Betrachtung nicht vorhanden.  Die Winkel sind nicht rechtwinklig, scheinbar parallele Linien laufen aufeinander zu. Himstedt will damit eine Dynamik erzeugen, die bei den Besuchern zu einer unbewussten Veränderung der Wahrnehmung führt. 

Zur Ausstellung erscheint ein 80-seitiger Katalog mit farbigen Abbildungen, Text von Ulrike Growe, Preis 18 Euro. Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop. Öffentliche Führungen werden am Sonntag, 20. Juni, 11. Juli, 29. August, 12. September, 10. Oktober, jeweils ab 14 Uhr angeboten. Informationen zu Führungen und Veranstaltungen sind unter https://quadrat.bottrop.de zu finden.  Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt vier Euro. Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober zu sehen.

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