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Erinnerung: Juden nach Riga verschleppt und ermordet

Ausstellung im Kulturzentrum August Everding geht des Spuren Bottroper Familien nach

© Stadt BottropHistoriker Matthias Ester (v.l.), Oberbürgermeister Bernd Tischler und Judith Neuwald-Tasbach bei der Ausstellungseröffnung.

Durch Schicksale wird Geschichte lebendig. Die Deportation von Mitgliedern der Bottroper Familien Dortort, Krauthammer und Skurnik nach Riga stehen beispielhaft für über 25.000 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die ab 1941 aus dem damaligen Deutschen Reichsgebiet in die baltische Stadt verschleppt wurden. Ihren Spuren geht jetzt eine Ausstellung im Kulturzentrum August Everding nach.

Bis zum 19. Dezember zeigt das Stadtarchiv eine Doppelausstellung. Die Wanderausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge „Bikernieki - Wald der Toten“ thematisiert die Deportation deutscher Juden nach Riga und ihre Ermordung. Es geht aber auch um die Aufarbeitung und dem Umgang mit den Verbrechen und wie die Gedenkstätte von der lettischen Bevölkerung gesehen wird.

Mit dem Titel „ ‚Betrifft: - Abtransport der in Bottrop wohnhaften Juden‘ Die Deportation der Bottroper Juden nach Riga 1942“ nimmt das Stadtarchiv das Schicksal der Bottroper Männer, Frauen und Kinder in den Blick, die von den Nationalsozialisten in das Ghetto Riga in Lettland verschleppt wurde. 

Die Vorsitzende der Synagogengemeinde Gelsenkirchen, Bottrop und Gladbeck Judith Neuwald-Tasbach erinnert sich während der Ausstellungseröffnung an ihre Kindheit in der Nachkriegszeit. „Es hieß, die Juden seien ‚nach unbekannt verzogen‘ oder ‚für tot erklärt‘“, so Neuwald-Tasbach. Sie habe sich nicht vorstellen können, dass Menschen nicht auffindbar seien. Es war die Sprach der Nationalsozialisten, die so ihre Verbrechen kaschierten. „Ganz normale Bürger wurden entrechtet, gequält und ermordet“, sagt Neuwald-Tasbach.

Die Schicksale der Bottroper Juden hat der Historiker Matthias Ester aufgearbeitet. Die Nationalsozialisten haben ihnen Zwangsnamen „Israel“ und „Sara“ gegeben, die von der Verwaltung in der Nachkriegszeit noch weitergeführt wurden. Es sei von „Evakuierung“ und „Arbeitseinsatz im Osten“ gesprochen worden, wenn es um den Verbleib der jüdischen Nachbarn ging. Auch der Hinweis „nach unbekannt verzogen“ findet sich auf einer der Karteikarten, der Bottroper Juden.

Bottrop ist am 27. Januar 2019, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, dem Riga-Komitee beigetreten. Seither erinnert an der Gedenkstätte im Wald von Bikernieki ein Stein für die Bottroper Opfer der Naziherrschaft. In der Ausstellung ist die Beitrittsurkunde zu sehen. Sie erinnert daran, dass sich die Stadt ihrer Geschichte stellt. Der Historiker Matthias Ester: „Die Geschichte und Geschichtsschreibung ist nicht zu Ende.“

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