Grundlagen für "Zero-Emission-Park" wurden gelegt
Für das Gewerbegebiet Kruppwald und Knippenburg steht das Maßnahmenbündel fest, das das Gewerbegebiet in einen "Zero-Emission-Park" verwandeln soll. Die Interessengemeinschaft IG Knippenburg & Kruppwald stellte es am Donnerstag, 14. Januar, der Öffentlichkeit vor. Die Handlungsvorschläge reichen von einer verbesserten Verkehrsstruktur, über die Nutzung von regenerativen Energien bis hin zu Aspekten zur Gestaltung des gesamten Areals.
"Gemeinsames Ziel der beteiligten Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung ist, ein Gewerbegebiet zu schaffen, dass mit möglichst wenig Emissionen die Umwelt belastet", sagt Projektleiterin Veronika Wolf. Dabei ist Bottrop Modellstadt. Gemeinsam mit zwei Hochschulen, der Technischen Universität Kaiserslautern und der Universität Oldenburg, wurde nach Möglichkeiten und Handlungsfeldern gesucht. "Der Ausgangspunkt war die simple Frage, was können die Unternehmen im Gewerbepark selbständig tun und was können sie gemeinsam in Kooperation unternehmen, um die ökologische Bilanz des gesamten Gebietes zu verbessern", so Wolf. "Weiterhin wurde der Frage nachgegangen, wie die Stadt auf dem Gebiet der Infrastruktur die Situation verbessern kann."
26 Firmen des Gewerbegebietes beteiligen sich an dem Projekt, das aus Sicht von Rolf Schwandtke von der IG Knippenburg & Kruppwald bereits jetzt gelungen ist: "Wir finden es positiv, dass die Unternehmen von Beginn an beteiligt wurden", sagt er. "Uns interessieren dabei nicht nur die betriebswirtschaftlichen Sparpotenziale. An einer ökologischen Aufwertung des Gebiets sind wir auch als Bottroper Bürger interessiert."
Ernorme Sparpotenziale
Ein großes Potential hat dabei der Energiesektor. Ein Ergebnis der wissenschaftlichen Begleitung war, dass hier 89 Prozent der bisher eingesetzten Energie im gesamten Gewerbegebiet eingespart werden könnten. Dabei wurden alle relevanten Bestandteile der Betriebe und des Gewerbegebiets in die Rechnung einbezogen.
So sollen die Abwässer des Industriegebietes in Zukunft Strom und Wärme liefern. Die Wärme kann durch ein geeignetes Rohrsystem dem Industriegebiet zur Verfügung gestellt und teilweise in Strom umgewandelt werden. Das Ergebnis wäre eine erhebliche Einsparung an Kohlendioxid.
Energetische Gebäudesanierung
Die Bausubstanz in dem Gewerbegebiet stammt zum großen Teil aus den 70er Jahren. Große Mengen an Energie und Kosten gehen über die Gebäudehülle verloren. Die Hüllflächen der Gebäude sollten unter Berücksichtigung der technischen Anlagen energetisch saniert werden. Dach- und Fassadenbegrünungen können ebenfalls zur Energie- und Kosteneinsparung beitragen.
Einsatz von Solarthermie
Durch solarthermische Nutzung der Dach- und Wandflächen im Industriegebiet kann der Bedarf an fossilen Energieträgern weiter gesenkt werden. Die Installation von Solarthermie-Anlagen bietet sich beispielsweise zur Heizungsunterstützung, für das Brauchwasser oder zur Kälteerzeugung an. Das erarbeitete Solarkataster zeigt die geeigneten Flächen dafür.
Vertikalwindräder
Ein weiterer Schritt zur alternativen Energieversorgung des Industriegebietes bietet die Aufstellung von Vertikalwindrädern entlang der Straßenzüge, die zu einem erheblichen Teil zur Stromerzeugung beitragen können. Auch die Signalwirkung dieser Windräder könnte die bisher einzigartige "Zero Emission Park" - Idee unterstützen und zum Markenzeichen des Gebietes werden.Darüber hinaus gehören die Abwärmenutzung der Produktionsanlagen, Einkauf von Ökostrom, Energieeffizienzberatung der Unternehmen, und ein effizientes Energiemanagement zu den Vorschlägen.
Wassermanagement
Durch die Sammlung und Nutzung von Regenwasser für Produktionsprozesse, Waschanlagen, Reinigung von Gebäuden, Fahrzeugen oder im Sanitärbereich können erhebliche Trinkwasserressourcen geschont werden und gleichzeitig Betriebsstörungen durch Erhöhung des Grundwassers im Industriegebiet vermieden werden. Die anfallenden Abwässer sollen reduziert, gereinigt und wenn möglich im Kreislauf geführt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Vorschläge bezieht sich auf die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Grundgedanke ist hier, kurze Fahrten - wenig Emissionen. So ist angedacht ein Standortleitsystem zu schaffen, das an den Zufahrten zum Gewerbegebiet "Infoterminals" zur Orientierung bereithält. Die Infoterminals sollen schnelle, computergestützte Routensuche und Kartenmaterial für die Besucher und den Lieferverkehr bereitstellen. Zur besseren Übersichtlichkeit soll das Gewerbegebiet in Areale mit Farben und Nummern eingeteilt und mit gut sichtbaren Beschilderungen an den Knotenpunkten ausgestattet werden.
Verkehrliche Anbindung
Das Industriegebiet leidet unter den schlechten Anbindungen an die Autobahnen und überörtlichen Straßen. Hier wurden verschiedene Varianten zur Verbesserung der Situation entwickelt:
Variante A: neue Anschlussstelle auf dem Autobahnabschnitt der A 42 zwischen Bottrop-Süd und dem Kreuz Essen-Nord. Hierdurch würde der Verkehr aus östlicher oder westlicher Richtung über die A 42 direkt von der Autobahn in das Gewerbegebiet geführt.
Variante B: neue Erschließung über die Prosperstraße/ L 671. Diese wird über die B 224 erreicht, welche im Norden die A 2 und im Süden die A 42 kreuzt. Diese Anbindung ist für Verkehr aus nördlicher, östlicher und teilweise aus südlicher Richtung attraktiv. Durch diese Art der Verkehrsführung werden keine Wohngebiete durchfahren und es findet eine erhebliche Lärm- und Schadstoffentlastung der Anwohner statt.
Variante C: Neue Zufahrt von der Essener Straße (L 631), nördlich der Ausfahrt der Anschlussstelle A42 Bottrop-Süd als Verlängerung der Polderstraße. Durch diese Verkehrsführung würden die Wegstrecken durch lärm- und schadstoffsensible Wohngebiete verkürzt.
Weitere Vorschläge zur Senkung der Kohlendioxid-Emissionen des Verkehrs sind eine Pendlerbörse, Optimierung des ÖPNV, Bau von Fahrradwegen und Stellplätzen, eine Car-Sharing-Station mit Elektroautos und eine Elektrotankstelle.
Städtebauliche Aufwertung
Zur Verbesserung des Erscheinungsbildes und der Aufenthaltsqualität des Industriegebietes sollen die Straßenräume mit Bäumen, straßenbegleitenden Regenwassergräben und durch Entsiegelungsmaßnahmen (z.B. Parkplätze) aufgewertet werden. Gestaltung der Grünflächen, der Vorgärten, die Schaffung von attraktiven Aufenthaltsorten (Imbiss) und eine Biotopvernetzung sollen ebenfalls dazu beitragen. Gleichzeitig soll ausreichend Parkraum auch für LKW geschaffen werden.
Kinderbetreuung
Vorgeschlagen wurden auch soziale Aspekte zur Verbesserung der Situation. So ergab eine Befragung der Beschäftigten der ansässigen Firmen, dass eine unternehmensnahe und flexible Kinderbetreuung gewünscht wird. Diese könnte durch die Einrichtung eines Familiendienstes, eines flexiblen Ferienprogramms sowie einer Früh- und Spätbetreuung im Industriegebiet realisiert werden, wodurch die Familien der Beschäftigten im Sinne einer sozialen Nachhaltigkeit unterstützt und entlastet werden.
Maßgabe für weitere Planung
Der Vorschlagskatalog ist Grundlage für die weitere Planung. Würden alle Maßnahmen umgesetzt, käme ein Investitionsvolumen von rund 50 Mio. Euro auf die Betriebe und die öffentliche Hand zu. Deswegen denkt man an eine kleinteilige Umsetzung. Vor allem für die Betriebe lohnt sich die Investition, weil Einsparungen beim Verbrauch von Ressourcen sich positiv auf das Betriebsergebnis niederschlagen. Eine weitere Option zur Umsetzung ist die Schnürung von Maßnahmenpaketen, die zugeschnitten sind auf spezielle Fördertöpfe.
(14.01.2010)
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Artikel zum Thema vom 20. März 2008.





