Bottroper Geschichte von Tresen aus gesehen

Wilfried Krix und Stadtarchivarin Heike Biskup
Großbildansicht Wilfried Krix und Stadtarchivarin Heike Biskup stellten den neuen Band der Geschichtswerkstatt vor.

In der Reihe "Geschichtsstunde" des Stadtarchivs ist jetzt ein neues Heft erschienen. Autor Wilfried Krix hat sich mit der Alt-Bottroper Kneipenlandschaft beschäftigt. Auf rund 170 Seiten zeichnet er "ein Stück Ortsgeschichte vom Tresen aus gesehen" nach.

Zweieinhalb Jahre brauchte Krix für die Recherchen. "Ich war überrascht von der guten Quellenlage", sagte der Hobbyhistoriker Krix. Für die Durchsicht der vielen Dokumente brauchte er aber viel Zeit. Zumal die Handschriften aus dem 19. Jahrhundert schwer zu entziffern waren und zudem "viel historischen Müll" beinhalteten, wie Krix sagte.

Krix, der bereits der Geschichte des Hüls-Geländes und dem Wirken des Städtischen Baudirektors Albert Lange in der Reihe "Geschichtsstunde" nachgegangen war, betonte, dass sein drittes Heft kein geschichtliches Erbauungsbuch sei. Anekdoten über den Bürgermeister Morgenstern, der bis in die frühen Morgenstunden durch die Kneipen zog und sich dann von der Polizei nach Hause bringen ließ, kämen zwar vor, aber das Heft solle auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

So ist denn das Buch keine Geschichten-Sammlung "aus der fidelen Stadt Bottrop", wie es auf einigen historischen Grußpostkarten heißt, sondern ein Abbild des damaligen kulturellen Lebens und der rasanten Industrialisierung während der Jahrhundertwende. So fand Krix Dokumente, die belegen, dass sich die Viehhändler über die geringe Zahl der Gaststätten beschwerten. Doch ihr Wunsch nach Unterkunft für sich und ihr Vieh mit angegliederter Schänke stand im Widerspruch zu der so genannten Mäßigkeitsbewegung, die die Obrigkeit zum Leitbild ihres politischen Handels nahm und Schankkonzessionen nur sehr restriktiv vergab. Erst eine Gesetzesänderung sorgte 1869 dafür, dass die Zahl der Gaststätten binnen kürzester Zeit von 30 auf 120 hochschnellte. In ihnen fand das gesellschaftliche Leben der damals nur 7.000 Einwohner Bottrops statt.

Rund 90 Gaststätten hielten sich, bis sich wieder strengere Moralvorstellungen durchsetzten und Lizenzen nur nach strikteren Regeln vergeben wurden. Dies blieb auch unverändert, als 1925 rund 80.000 Menschen in Bottrop lebten. Insbesondere ging es den Landräten und Amtmännern darum, den Branntwein-Konsum zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden die Schankgenehmigungen mit der Auflage versehen, auch Bier und Wein auszuschenken - ein Ersatz allerdings, der nur mäßigen Anklang fand.

Obwohl die Schankerlaubnis Garant für materiellen Wohlstand war, hatten die Wirte neben der Gastwirtschaft weitere Berufe. Sie waren Bäcker, Krämer und Gärtner. In den Vorläufern der heutigen Rathausschänke wurde geschneidert. Im Diebels-Fasskeller wurden einige Schnäpse zur Betäubung gekippt, bevor der Wirt in seinen Zweitberuf wechselte und seinen Gästen Zähne zog.

Ausführlich widmet sich Krix der Bedeutung der Kneipen für das Vereinsleben und der Politisierung der Bergarbeiter. Entlang der Arbeitswege zu den Zechen Prosper I und II fand das Leben an der Essener- und Prosperstraße statt.

Stadtarchivarin Heike Biskup freut sich sehr über den neuen Band der Geschichtswerkstatt. "Er ist sehr fundiert und gut geschrieben. Man bekommt ein sehr genaues Bild über die Funktionen der Gaststätten", sagte Heike Biskup bei der Vorstellung des Heftes.

Die Arbeit von Wilfried Krix ist auch Thema des nächsten Klönabends der Historischen Gesellschaft am Freitag, dem 9. Februar, ab 18 Uhr in der Rathausschänke. Die Publikation selbst wird im Stadtarchiv im Kulturzentrum August Everding an der Blumenstraße für fünf Euro verkauft.

(07.02.2007)