Obertöne vor Ort mit »the blechner«

Veranstaltungsreihe für Klangkunst
Datum: Freitag, 15.10.2010
Ort: Ev. Martinskirche
Osterfelder Straße 11 (am Pferdemarkt)
46236 Bottrop
Beginn: 19.30 Uhr (Einlass: 19 Uhr)
Eintrittspreise: Eintritt frei, Spende erbeten
Veranstalter: Veranstalter: Ev. Martinskirche Bottrop Kurator/Organisator: Werner Worschech

Großbildansicht "The Blechner" sind Jan Heinke und Bertram Quosdorf.

Jan Heinke und Bertram Quosdorf präsentieren eine völlig neue Art von Musik: "Sheet Metal Jazz". Bekannte Eigenkompositionen sind: (J. Heinke, B. Quosdorf) und unbekannte, weil selbst erfundene, Interpretionen alter Jazzklassiker (W. Shorter, J. Redman) verschmelzen mit gewagt unverkrampften Adaptionen noch älterer Musik (E. Satie, R. Strauß) unter Zuhilfenahme unglaublicher metallener Instrumente zu einer völlig eigenen Legierung.

Bezaubernd, brachial, trocken und verhallt gehen The Blechner an ihr stählernes Werk. Unter ausschließlicher Verwendung von selbst erfundenen, gekauften oder  geborgten Instrumenten aus flachem Metall. The Blechner machen Weltmusik, zu zweit, aus einem sehr eigenen Blickwinkelmachen Weltmusik, zu zweit, aus einem sehr eigenen Blickwinkel.

Es geht ihnen nicht um das Nachempfinden oder die Imitation fremder Musikkultur, sondern um deren radikale Benutzung, Vermischung und Umsortierung.

Die eigene kulturell-abendländische Herkunft betrachten sie dabei als gleichwertige, wunderbare, wie seltsame Möglichkeit des musikalischen Ausdrucks.

Fasziniert aber respektlos nähern sie sich dem globalen Klangangebot auf improvisatorische Weise. Einzig die kreative Bühne des Jazz, ist ihrer Musik konstante Klammer, Anker oder Brennpunkt.

Um Mißverständnissen vorzubeugen, haben The Blechner zur Kennzeichnung ihrer Musik gleich eine eigene Schublade geöffnet: sheet-metal-jazz . Flaches Metall gab ihrer Musik und ihrem Projekt einen Namen. Wahrscheinlich war es eher Zufall, daß die verwendeten Instrumente meist aus diesem Material gebaut sind. Wichtiger für die Namensgebung war wohl die Entdeckung, welche erstaunliche Klangvielfalt in dem einerseits HighTech Werkstoff Stahl und dem andererseits fast archaisch anmutenden Eisen steckt. Aber noch wichtiger als der Baustoff der Instrumente, ist deren absichtsvolle Herauslösung aus ihrem traditionellen Kontext.

Wundersame klangliche Welten eröffnen sich, wenn auf einem mongolischen Langhorn ein didgeridooartiger Groove erzeugt wird, wenn man europäische Musik mit asiatischem Obertongesang darstellt oder wenn, welche Musik auch immer, auf gänzlich neu erfundenen Instrumenten erklingt. Denn die Besonderheit eines jeden Instruments, im Tonumfang, Klangverhalten und Dynamik zwingt zu einer kreativen Umformulierung der musikalischen Vorlage und belebt diese auf ganz neue Weise.

Einen besonderen Stellenwert hat das von Jan Heinke entwickelte Stahlcello mit seinem außergewöhnlich sphärischen Klang und das Saxophon, welches die langsam fließenden Töne des Stahlcellos mit zum Teil elektronisch vervielfältigenden Effekten zu enorm dichter Musik komplettiert.

Besonders hervor zu heben wäre vielleicht auch das eigens erfundene Slideridoo, eine die harmonische Kompatibilität des Instruments erfreulich steigernde Kreuzung aus Didgeridoo und Posaune. Doch welches Material auch immer, sei es ideeller oder materieller Natur, bekommt eine Chance auf klangliche Untersuchung und Verwertung zum Zwecke der Erzeugung von Musik.

Gelegentlich sind die Inspirationsquellen dieser Musik nicht mehr ausreichend recherchierbar. In solchen Fällen erlauben sie sich dann, den Stücken eigene fremde Namen zu geben. Die Veranstaltungsreihe »obertöne vor ort« entstand im November 2006 als Kooperationsform der Ev. Martinskirche Bottrop und dem Musiker und Klangkünstler Werner Worschech.

Tragender und prägender Gedanke hierbei war und ist es, den Menschen in Bottrop und Umgebung eine außergewöhnliche Veranstaltungsreihe auf einem künstlerisch hohen Niveau anzubieten, die allen Interessierten zugänglich ist (leider können finanzschwache Menschen heute selbst am subventionierten Kulturbetrieb oft nicht mehr teilnehmen).

Das bedeutet aber nicht, daß die Veranstaltungen »geschenkt« sind, denn die auftretenden Künstler (in der Regel Profis) müssen auch ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Sie kommen oft von weit her und arbeiten inklusive An/Ab-Fahrt- und Auf/Abbauarbeiten nicht selten bis zu zwölf Stunden an diesem Tag für das Zustandekommen eines Konzertes. Sie kommen im Vertrauen darauf, daß das Publikum, seinen wichtigen Anteil am Gelingen und Fortbestand der Veranstaltungsreihe beiträgt, indem es am Ende des Konzertes den Beitrag seines Ermessens spendet.

Somit steht und fällt diese Reihe mit den vier Säulen Ev. Martinskirche Bottrop und Werner Worschech (jeweils ehrenamtliche Organisation), dem Vertrauensvorschuß der auftretenden Künstler welche das Hauptrisiko tragen, und dem Publikum.

Nur so kann gemeinsam diese Tragfähigkeit immer wieder neu erschaffen und bewahrt werden. Dann werden wir sicher auch in den nächsten Jahren wunderbare Klangkonzerte auf höchstem internationalen Niveau in der Ev. Martinskirche Bottrop erleben können.