Umbau der Emscher ist größtes Abwasserprojekt Europas

Das Projekt hat nachhaltige Auswirkungen auch auf Bottrop und verbessert die Wohnqualität vor allem in den südlichen Stadtteilen.
Karte: Flusslauf der Emscher und geplantes Kanalsystem
Großbildansicht Flusslauf der Emscher und geplantes Kanalsystem

Die Emschergenossenschaft führt im Ruhrgebiet das größte Infrastrukturprojekt in Nordrhein-Westfalen durch. Auf einer Gesamtlänge von 51 Kilometern soll ein großdimensionierter unterirdischer Kanal gebaut werden, um in Zukunft die Abwässer der Region mit moderner Technik zu entsorgen. Mit einem kalkulierten Investitionsvolumen von 4,4 Mrd. Euro ist dieses Vorhaben das bedeutendste wasserwirtschaftliche Infrastrukturprojekt in Europa.

Geplant ist der Baubeginn für 2007. Fertiggestellt sein soll der Kanal im Jahre 2014. Erste Bohrungen entlang der Strecke wurden dafür bereits im Jahr 2003 durchgeführt. Im Jahre 2005 nimmt die Eschergenossenschaft insgesamt 1.350 weitere Bohrungen durch, deren Ergebnisse eine wichtige Grundlage für die konkrete Planung sind.

Emscher in Bottrop-Welheim
Großbildansicht Emscher in Bottrop-Welheim nach zweitägigen Regenfällen (01.07.2005)

Vor allem wegen der Auswirkungen des Bergbaus mussten bisher die belasteten und gesundheitsgefährdeten Abwässer im offenen Verlauf der Emscher transportiert werden. Der Fluss war nichts anderes als eine fließende Kloake auf einer Gesamtlänge von 81 Kilometern. Dies wird sich durch den Umbau ändern, denn das Schmutzwasser aus Haushalten und Industriebetrieben wird zukünftig durch den neuen emscher:kanal geführt.

Grafik: Modell der Emscher nach dem Umbau
Großbildansicht So könnte die Emscher nach dem Umbau aussehen: Ein Naherholungsgebiet entsteht.

Profiteure sind vor allem die Städte, die unmittelbar an der Emscher liegen. In Bottrop erstreckt sich deren Flussverlauf im Süden von Welheim nach Ebel. Ist das Projekt umgesetzt, verbessert sich unmittelbar das Wohnumfeld der betroffenen Gebiete allein schon dadurch, dass den Anwohnern die Konfrontation mit der Abwasserkloake erspart bleibt. Doch es gibt darüber hinaus noch weiterreichende Konsequenzen, denn der bislang abgesperrte Fluss soll zugänglich und als Freizeit- und Naherholungsgebiet erschlossen werden.

Im ersten Schritt wird mit der Verlegung des Kanals und dem Umbau des Flusssystems eine Promenade entlang der Emscher entstehen. Bereits heute schon sind Wege, die ursprünglich für Wartungsarbeiten angelegt wurden, als Rad und Fußwege nutzbar. Interessant für eine Umnutzung ist vor allem auch das Landstück zwischen der Emscher und dem Rhein-Herne-Kanal. Diese "Insel", die von Castrop-Rauxel bis nach Oberhausen reicht, kann für die Errichtung von Parks, Wälder und Bademöglichkeiten genutzt werden.

(30.06.2005)