Die Berne wird zum Naturidyll

Der Fluss wird vom Abwasser befreit und in den kommenden Jahren naturnah umgestaltet
Dr. Jochen Stemplewski (v.l.), Klaus Strehl und Thomas Kufen gaben den Startschuss zum Berneumbau.

Rund 400 Millionen Euro wird die Emschergenossenschaft in die Renaturierung des Emscherzuflusses Berne investieren. Symbolisch gaben der Erste Bürgermeister Klaus Strehl, Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen und  der scheidende Vorstandsvorsitzenden der Emschergenossenschaft Dr. Jochen Stemplewski  im Bernepark den Startschuss.

Die zum offenen Abwasserkanal begradigte Berne soll auf rund 40 Kilometern naturnah umgestaltet werden. „Es wird getrennt, was nicht zusammengehört“, sagte Klaus Strehl. Künftig soll nur noch Oberflächenwasser in die Berne fließen. Das Abwasser wird in einen unterirdischen Kanal geleitet. Die  Emschergenossenschaft leiste mit ihrer Investition einen wichtigen Beitrag zur Stadtentwicklung und zum Strukturwandel. „Es wird eine lebendige und artenreiche Flusslandschaft entstehen“, sagte Strehl.

Auch Jochen Stemplewski zeichnet eine nachhaltige Zukunftsperspektive. „Die Emscherregion wird vom Hinterhof zum Vorgarten“, sagte er. In einem gewaltigen Investitionsprojekt werden 350 Flusskilometer renaturiert. 270 Kilometer davon entfallen auf die Nebenläufe der 80 Kilometer langen Emscher. Stemplewski, der Ende Januar aus seinem Amt scheidet, rechnete vor, dass die Genossenschaft fast eine Milliarde Euro allein in Bottrop investiert habe. Die Investitionen seien ein Wirtschaftsförderungsprogramm für die Region. „Wir schaffen eine moderne wasserwirtschaftliche Infrastruktur mit einer ‚blau-grünen‘ Mitte im Revier“, so Stemplewski.

Über die Berne wird ein Großteil des Abwassers aus Essen abgeleitet. Oberbürgermeister Thomas Kufen sieht in der Sanierung die Möglichkeit zur besseren Städte übergreifenden Zusammenarbeit, indem das Umfeld der Nachbarstadt angebunden wird. „Wir werden von der ökologischen Flusslandschaft profitieren“, so Kufen.

Der Abwasserkanal Berne-Unterlauf bildet das Bindeglied zwischen den oberhalb liegenden Teileinzugsgebieten des Berne-Systems, wie dem Borbecker Mühlenbach, und dem Abwasserkanal Emscher – der künftigen abwassertechnischen Hauptschlagader des Ruhrgebietes. Die Berne wird vom Abwasser befreit, so dass künftig nur das saubere Regenwasser über die Berne in die Emscher fließen wird.

Der Bau des Abwasserkanals im Unterlauf der Berne wird zirka zwei Jahre dauern. Mit der ökologischen Verbesserung des Gewässers wird frühestens 2019 nach der Fertigstellung der oberhalb liegenden Abwasserkanäle begonnen werden. Der Abschnitt zwischen der Ebelstraße und Mündung in die Emscher wird baulich nicht verändert. Der Betongraben wird als Industriedenkmal erhalten.

Die Zuwegung zu den Schachtbauwerken auf dem Bottroper Stadtgebiet erfolgt von der Borbecker Straße aus über die Oskar-, Haßlacher- und die Hafenstraße. Die Zuwegung zu dem Schachtbauwerk auf dem Essener Stadtgebiet erfolgt von der Bottroper Straße aus über die Econova-Allee und Sulterkamp. Kernstück der Baumaßnahme ist die Errichtung des Abwasserkanals in einer Tiefe bis zu 23 Meter mit einem Durchmesser von zwei Metern und den zugehörigen Schachtbauwerken in geschlossener Bauweise.

Für die Erstellung der Baugruben sind umfangreiche Schlitz-/Bohrpfahlwandarbeiten erforderlich. Diese Bauarbeiten können zu Verkehrsbehinderungen auf den zuvor genannten Straßen führen. Die Emschergenossenschaft bittet Bürger und Anwohner um Verständnis.

In den nun anstehenden Bauabschnitt investiert die Emschergenossenschaft rund 22 Millionen Euro. Insgesamt kostet der Umbau des gesamten Berne-Systems zirka 400 Millionen Euro. Rund 100 Millionen Euro hat die Emschergenossenschaft bereits  auf Essener Stadtgebiet eingebracht, etwa am Borbecker Mühlenbach.

(22.01.2016)