Stadt Bottrop will Tor zum Wasserstoffzeitalter aufstoßen
Die Stadt Bottrop will in Zukunft verstärkt auf Wasserstoff als Energieträger setzen und unterstützt ein europaweites Projekt zur Entwicklung von Spezialfahrzeugen mit H2-Brennstoffzellen-Technik. Als erste Stadt in der Emscher-Lippe Region wurde am Freitag, dem 9. November 2007 eine vertragliche Vereinbarung zur Anschaffung von zwei solcher Fahrzeuge unterzeichnet. Sie sollen auf Alltagstauglichkeit getestet und dadurch die Entwicklung zu ihrer Marktreife unterstützt werden.
Eingebunden ist die Beschaffung der Fahrzeuge in das EU-Projekt HyChain-Minitrans. Dabei handelt es sich um eines der Leitprojekte der Generaldirektion Transport und Energie der Europäischen Kommission. Unter der Gesamtkoordination der Firma Air Liquide, mit Sitz in Paris, beteiligt sich ein Netzwerk von 25 europäischen Unternehmen und Institutionen an dem Projekt. Die regionale Koordination für das Projekt hat die WIN Emscher-Lippe GmbH in Herten übernommen.
Ziel des Projektes HyChain-Minitrans ist die Einführung von Wasserstoff als alternativer Kraftstoff auf der Basis innovativer Brennstoffzellenfahrzeuge im kleinen Leistungsbereich bis 10 Kilowatt. Hierfür wurden fünf verschiedene Fahrzeuge entwickelt, die in vier europäischen Regionen über einen dreijährigen Zeitraum eingesetzt und kommerziell getestet werden. Neben der Emscher-Lippe Region sind Rhônes-Alpes (Frankreich), Emilia Romagna (Italien), Castilla y Léon (Spanien) an dem Projekt beteiligt.
"Für die Stadt Bottrop und die gesamte Emscher-Lippe-Region bietet das Projekt HyChain-Minitrans die einmalige Chance, sich im internationalen Kontext als einer der zukünftigen Standorte für die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie zu profilieren", sagt Bottrops Technischer Beigeordneter Bernd Tischler. "Der damit verbundene Aufbau einer entsprechenden Wasserstofflogistik und der in dieser Form international einmalige Einsatz einer von Brennstoffzellen angetriebenen, innovativen Fahrzeugflotte verschafft der Region ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal."
"Wir freuen uns sehr, dass in unserer Region der erste Vertrag über den Verkauf von zwei Fahrzeugen mit dieser umweltfreundlichen Technologie unterzeichnet wird", so Günter Fritsch, Projektleiter Zukunftsenergien bei der WiN Emscher-Lippe GmbH. Bottrop habe mit dieser ersten Bestellung eine Vorreiterrolle zum Einsatz der auf Wasserstoffbasis betriebenen Brennstoffzellenfahrzeuge übernommen. Fritsch hofft, dass diesem Beispiel auch andere Kommunen und Unternehmen in der Region folgen werden."
Das erste Fahrzeug, das zukünftig von der Stadt Bottrop eingesetzt wird, ist das so genannte Utility Vehicle. Das Fahrzeug wird von einem italienischen Hersteller gebaut und ist ein Kleinlastwagen, mit einer Reichweite von circa 120 Kilometern. Es hat eine zugelassene Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde. Der Kleinlaster bietet zwei Personen Platz bei einer Zuladung von maximal 500 Kilogramm. Die Brennstoffzelle treibt nicht nur das Fahrzeug an, sondern liefert zusätzlichen Strom, der über zwei an Bord befindliche 230 Volt Steckdosen für Arbeitsgeräte genutzt werden kann. Der Kleinlastwagen soll zunächst für eine Arbeitskolonne der Stadtverwaltung im Rahmen der Graffiti-Beseitigung eingesetzt werden. Auch weitere Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise im Bereich der Grünflächenpflege, sind denkbar.
Das zweite Fahrzeug ist ein Lasten-Fahrrad, das unter dem Titel Cargobike firmiert. Gebaut wird das Fahrzeug in Deutschland von der Firma Masterflex in Herten. Auch hier wird die Brennstoffzelle, neben der Antriebsenergie noch zusätzlichen Strom beispielsweise für die Beleuchtung des Fahrzeugs liefern. Die zulässige Traglast beträgt 100 Kilogramm. Das Lasten-Fahrrad soll zunächst im Rahmen von Orts- und Außenterminen der Stadtverwaltung eingesetzt werden. Weitere denkbare Einsatzmöglichkeiten sind im Boten- oder Hausmeisterdienst.
Im Vergleich zu herkömmlichen Elektrofahrzeugen verspricht die Brennstoffzelle eine zwei bis dreimal so große Reichweite der Fahrzeuge. Die Fahrzeuge werden über austauschbare Hochdruck-Wasserstoffkartuschen betankt. Um den Wechsel der Flaschen für den Nutzer einfacher und sicherer zu machen, wurden in dem Projekt neuartige Wasserstoff-Kartuschen mit einem "Clip-On" genannten Schnellverschluss entwickelt. Verglichen mit dem Aufladen von Batterien ist der Zeitaufwand für das Austauschen der Kartuschen für die Nutzer verschwindend gering. Die Betankung des Kleinlastwagens durch Austausch der Flaschen beträgt circa fünf Minuten, die des Lastenrads wenige Sekunden.
Im Chemiepark Marl hat die Air Liquide Deutschland GmbH eine weltweit einzigartige 700-bar-Wasserstoff-Abfüllanlage errichtet, die gemeinsam mit den entwickelten Wasserstoff-Kartuschen und -Flaschen zukünftig eine zentrale Stellung innerhalb des Projektes einnehmen wird. Die Anlage ist bereits betriebsfertig. Von hier werden die Fahrzeuge in Bottrop sowie alle Fahrzeuge der vier beteiligten Regionen mit den für die Anwendungen notwendigen Hochdruckkartuschen und -flaschen versorgt.
Die Lieferung der Fahrzeuge, die auf Leasingbasis beschafft werden, wird voraussichtlich Mitte 2008 erfolgen. Die Kosten des dreijährigen Pilotprojektes betragen für die Stadt Bottrop rund 34.000 Euro pro Jahr. Darin enthalten sind die Kosten für Leasing, Service, Wartung und Nachschub der Wasserstoffkartuschen.
(09.11.2007)


