Spiel- und Sportlandschaft Jacobi: Vom Pütt zum Putt
(Aus "Steinkohle" 3/2004, S. 24; Autor Ralf Pahl)
Der Weg vom schwarzen Gold zum weißen Sport dauerte auf der Zeche Jacobi an der Stadtgrenze zwischen Oberhausen und Bottrop fast 100 Jahre. Die ehemalige Zechenanlage ist im Rahmen der internationalen Bauausstellung zu einer grünen Lunge umgestaltet worden. Dort befindet sich heute die Neun-Loch-Volksgolfanlage Jacobi auf Oberhausener Stadtgebiet (31 ha) und die Spiel- und Sportlandschaft mit Bolzplatz, Beachvolleyball-Feldern und einem Fußball-Rasenplatz auf Bottroper Gebiet (6 ha).
Im Jahr 1912 leitete Kommerzienrat Hugo Jacobi, der Namenspatron der Anlage, mit dem ersten Spatenstich die Teufarbeiten ein. Die Schächte 1 und 2 erreichten im Juni 1913 die geplanten Endteufen von 450 und 540 Meter. In den nächsten vier Jahren entstand eine Anlage, die nicht nur in der näheren Umgebung ihresgleichen suchte und deshalb das "Versailles des Ruhrgebiets" genannt wurde.
Der Vergleich war durchaus berechtigt. Schritt der Betrachter von der mit Platanen gesäumten Jacobistraße auf die fast 200 Meter breite Frontseite der Anlage zu, so traf er auf das mit einem Glockenhaus geschmückte Tor. Zwei Verwaltungsgebäude flankierten den Eingangsbereich. Der große Innenhof mit seinen Rasenflächen und Baumreihen verstärkte den schlossartigen Charakter der Anlage. Als besonderes Prunkstück galt die helle, aufwändig mit blauen Fliesen gekachelte Lohnhalle.
Wie fast alle Schachtanlagen im Ruhrgebiet musste auch die Zeche Jacobi Höhen und Tiefen überstehen. 1934 förderte sie mit 1900 Mitarbeitern zum ersten Mal mehr als eine Million Tonnen Kohle oder fast 4000 Tonnen täglich. Knapp zehn Jahre später förderten 5400 Mann das Doppelte.
Seit 1952 gehörte die Schachtanlage, wie alle ehemaligen Zechen der Gutehoffnungshütte (GHH), der "Bergbau AG Neue Hoffnung", die ihrerseits von der "Hüttenwerke Oberhausen AG" übernommen wurde.
1965 kam es zum Zusammenschluss mit der Zeche Franz Haniel. Gleich im ersten Betriebsjahr förderte das Verbundbergwerk 2,5 Millionen Tonnen Kohle. Beide Anlagen blieben selbstständige Betriebsführungsabteilungen mit einer Gesamtbelegschaft von 4550 Mitarbeitern.
Im Jahr 1969 wechselte das Bergwerk Jacobi/Franz Haniel noch einmal den Besitzer. Es kam zur Ruhrkohle AG. Diese beschloss, die Betriebsabteilung Jacobi zum 31. März 1974 stillzulegen und die Betriebsabteilung Franz Haniel mit der Zeche Prosper zu einem neuen Verbund zusammenzufassen.
Heute erinnern nur noch das Pförtnerhaus und ein Stück alter Gichtgasleitung auf dem Golfplatz an die Zeche. Teilweise gut erhalten blieben aber die 1913 neben der Schachtanlage erbaute Bergarbeitersiedlung mit 534 Wohnungen, zwei Kindergärten, zwei Ledigenheime und zwei Filialen des GHH-Konsums. Noch heute beherbergt das damals erbaute Schulgebäude die Jacobi-Grundschule.
Nach dem Abbruch der Zechengebäude lag das Gelände bis zum Jahr 2001 brach. Mit der Eröffnung des Volksgolfplatzes im gleichen Jahr begann ein neuer Zeitabschnitt für das Areal. Die gesamte Grünanlage ist über die "Grüne Bahntrasse", beginnend am OLGA-Park in Oberhausen-Osterfeld, zu Fuß oder mit dem Rad gut zu erreichen.

