Zukünftige Energie kommt aus Klärschlamm

NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben zum Spatenstich in Bottrop

Großbildansicht Hoffen auf den Erfolg des neuen Energieträgers: Bürgermeister Klaus Strehl (v.l.n.r.), Vorsitzender der Emschergenossenschaft Jochen Stemplewski, NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben und Oberbürgermeister Peter Noetzel.

Für 3,7 Millionen Euro hält Bottrop Anschluss an die Zukunft. So viel kostet eine Anlage zur Wasserstoffgewinnung, deren Bau Oberbürgermeister Peter Noetzel und NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben jetzt mit einem Spatenstich symbolisch einleiteten. Auf dem Gelände der Emscherkläranlage im Stadtteil Welheim werden Faulgase in Wasserstoff (H2) umgewandelt.

Oberbürgermeister Peter Noetzel hob die Umweltverträglichkeit der Anlage hervor. "Der Wasserstoff wird nicht aus fossilen Grundstoffen hergestellt, sondern aus den Faulgasen der Kläranlage. Angesichts der Klima- und Energieproblematik ist dies ein Modell, das bundesweit Beachtung findet und Schule machen könnte", sagte Peter Noetzel. Die Anlage stimme mit den energiepolitischen Zielen der Stadt überein. Neben dem Klärwerk sei auch die Kokerei ein potentieller Wasserstofflieferant. Im Bottroper Süden gäbe es in unmittelbarer Nähe Abnehmer für den Wasserstoff und ein neues Gewerbegebiet soll Unternehmen, die sich mit dieser modernen Energieform beschäftigen, nach Bottrop locken. Den Besuch der Ministerin Thoben nutzte Oberbürgermeister Noetzel, um auf den fortwährenden Strukturwandel in Bottrop hinzuweisen, der sich durch den geplanten Rückzug aus dem Steinkohlebergbau verschärfe. "Die Stadt Bottrop plant noch andere Projekte, die sich die günstigen Voraussetzungen im Bottroper Süden zunutze machen", sagte Noetzel verbunden mit der Bitte an die Landesregierung, auch weitere Maßnahmen zur Etablierung der Wasserstofftechnologie in Bottrop zu unterstützen.

Die NRW-Wirtschaftministerin Christa Thoben gab sich zuversichtlich, dass Bottrop mit weiteren Projekten im Rahmen der Zukunftsinitiative Ruhr zum Zuge komme. Der jetzt begonnene Bau habe eine Signalwirkung auf andere Verwerter von Biomasse. Denn hierbei sei es möglich Wasserstoff ohne den zusätzlichen Ausstoß von CO2 zu produzieren. "Die Effizienzsteigerung der Energieverwertung steht ganz oben auf unserer Liste", sagte Wirtschaftsministerin Christa Thoben. Eine besondere Rolle nimmt dabei die Wasserstoffproduktion ein, die landesweit mit bisher 7,5 Millionen Euro gefördert worden sei. Dass aus der Industrie eine noch höhere Summe investiert wurde, wertete die Ministerin als Indiz für die Zukunftsfähigkeit der Wasserstofftechnologie.

Jochen Stemplewski, Vorsitzender der Emschergenossenschaft, wies auf den Pilotcharakter der Wasserstoffanlage in Bottrop hin. Mit finanzieller Unterstützung von Land und Europäischer Union (EU) werde hier die Produktion von Wasserstoff im großen Maßstab erprobt. "Unsere Kläranlagen sind zukunftsweisende Standorte für eine schonende und effiziente Energieerzeugung. Das neue Emschertal braucht nach der Kohle neue Energiequellen", so Stemplewski.

Der Bau soll noch in diesem Jahr fertig gestellt werden. Ein Abnehmer für den Wasserstoff steht auch schon fest. Über eine 900 Meter lange Leitung soll das Schulzentrum Welheimer Mark versorgt werden. Dort wird der Wasserstoff zu Wärme und Strom umgewandelt. Und als Abfallprodukt entsteht reines Wasser (H2O).

(29.05.2007)



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