Stolpersteine erinnern an Nazi-Opfer

Künstler Gunter Demnig erinnert an 14 weitere Opfer in Bottrop
Gunter Demnig
Großbildansicht Gunter Demnig setzt den 34. Stolperstein in Bottrop.

Bereits zum dritten Mal ist der Kölner Künstler Gunter Demnig nach Bottrop gekommen, um "Stolpersteine" in die Bürgersteige zu setzen. 14 weitere Messingschilder erinnern jetzt an Opfer des Nationalsozialismus, die aus ihren Häusern in Bottrop verschleppt wurden. "Ich will die Namen zurückbringen. Denn nach 60 Jahren ist vieles vergessen", sagt Demnig, der bundesweit mittlerweile rund 13.000 Stolpersteine gesetzt hat. 34 davon sind im Bottroper Stadtgebiet verteilt.

Den vorerst letzten Stein setzte Demnig für Kaplan Bernhard Poether vor der St. Josef-Kirche, Förenkamp 27. Poether hatte sich gegen die willkürliche Verhaftung polnischer Katholiken gewehrt und wurde dafür selbst am 22. September 1939 von zwei Gestapo-Beamten verhaftet. Am 5. August 1942 kam der damals 36-jährige Poether im KZ-Dachau ums Leben. Die offizielle Todesursache lautete damals "Herzschwäche".

Handfester Geschichtsunterricht


Großbildansicht Vor der St. Josef-Kirche erinnert ein Stolperstein an Bernhard Poether.

"Die Nazis haben über sechs Millionen Juden und sicher noch einmal die gleiche Anzahl weiterer Gefangener umgebracht", erklärt Demnig seine Aktion. "Obwohl ich seit 1996 die Stolpersteine setzte, ist es für mich immer noch nur eine abstrakte Größe." Erst wenn die Lebensgeschichte einzelner recherchiert wird, wird die Brutalität der Nazi-Herrschaft fassbarer. Vor allem bei Jugendlichen komme diese Form des "handfesten Geschichtsunterrichts" gut an, sagt Demnig zum Abschluss der Aktion vor der St. Josef-Kirche.

Die Initiative für die Stolpersteine kommt von Bottroper Bürgern. Gemeinsam mit der Stadtarchivarin Heike Biskup werden die Lebensläufe der bis dahin oft namenlosen Opfer recherchiert.

(11.10.2007)