Landschaftsverband übergibt AOK-Akten an das Stadtarchiv

Das Stadtarchiv der Stadt Bottrop verfügt ab sofort über eine neue Quellensammlung. Am Donnerstag, 4. März, wurden die Akten der Allgemeinen Ortskrankenkasse Bottrop und Gladbeck dem Archiv übergeben. Damit kann ein Aspekt der Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Stadt Bottrop über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren ausgiebig erforscht werden. Für Heimatforscher und Historiker ist dies ein unschätzbarer Fundus.

Hans-Jürgen Höötmann, Heike Biskup, Dieter Hanker und Nicole Bruns.
Großbildansicht Von links: Hans-Jürgen Höötmann, Heike Biskup, Dieter Hanker und Nicole Bruns mit den Archivalien. Auch historische Fotos gehören dazu.

Die Übergabe der Dokumente war Teil eines bundesweit einmaligen Projektes des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Dort hatte man die Akten der Westfälischen Ortskrankenkassen gesichtet und befunden, dass die unbedingt erhaltenswert seien. Hauptverantwortlich für das Projekt waren Hans-Jürgen Höötmann und Nicole Bruns vom Archivamt des LWL. "Wir kooperieren mit 27 örtlichen Stadtarchiven bei diesem Vorhaben", sagt Hans-Jürgen Höötmann. "Dort ist es am sinnvollsten den Aktenbestand, der ja örtlichen Bezug hat aufzubewahren."

Die Ortskrankenkassen wurden im Jahr 1884 unmittelbar nach der Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 1883 durch Reichskanzler Otto von Bismarck gegründet. Anfangs gab es 8.200 von ihnen, denen die Arbeiter zugewiesen wurden, wenn sie nicht anderweitig zu versichern waren. In Bottrop gibt es die AOK seit 1893. Alle historische Perioden, angefangen vom Kaiserreich, über die Weimarer Republik, die Zeit die Nationalsozialismus und die Besatzungszeit bis hin zur gesamten Epoche der Bundesrepublik Deutschland sind in den Quellen der AOK belegt.

Zum Bestand gehören Sitzungsprotokolle der Gremien, Haushaltsunterlagen, eine Vielzahl weiterer schriftlicher Dokumente und auch Bilder. Belegt sind unter anderem auch die Ergebnisse der Sozialwahlen, die seit 1953 durchgeführt wurden. "Beispielsweise kann man Anhand dieser Quellen genau nachvollziehen, dass die kommunale Neuordnung von 1975 auch bei den Ortskrankenkassen große Turbulenzen auslöste"; sagt Dieter Hanker von der AOK Bottrop und Gladbeck. Auch andere Themen, die heute wieder sehr aktuell sind, wie die Regelung der Beiträge und die Überprüfung der Leistungskataloge sind dokumentiert.

Für Heike Biskup vom Stadtarchiv der Stadt Bottrop, sind die Dokumente eine wertvolle Ergänzung zum bestehenden Quellenbestand zur Bottroper Stadtgeschichte. "Ich bin sicher, dass sich eine ganze Reihe von Leuten melden wird, weil sie diese Archivalien thematisch auswerten möchten", ist sie sich sicher. Das Material steht ab sofort den Nutzern zur Verfügung. Das Archivamt des LWL hat die Unterlagen entsprechend aufbereitet. Das Material befindet sich in säurefreien Kartons und wurde von Büroklammern und Heftern aus Metall wegen der Korrosionsgefahr befreit. Vor allem übernahm das Archivamt des LWL die Katalogisierung und den Bestandsaufbau der Quellensammlung.

(05.03.2010)