Zeckenbiss und die Lyme-Krankheit (Borreliose)

Zeckenstiche können Infektionskrankheiten zur Folge haben. Die Tiere übertragen unter anderem den Erreger der Lyme-Krankheit (Borreliose), das Bakterium Borrelia burgdorferi.

Wie häufig wird die Krankheit übertragen?

Die Ansteckungsrate nach einem Zeckenstich liegt bei 10 %, wobei erkennbare Krankheitszeichen nur bei 2 - 4 % der Betroffenen auftreten. Man schätzt, dass etwa 30 % der Bevölkerung in Mitteleuropa bereits Kontakt mit dem Erreger der Lyme-Borreliose hatten.
Die Infektion wird durch den Stich der infizierten Zecke hervorgerufen, wobei das Infektionsrisiko von der Dauer des Saugaktes der Zecke abhängt und bei einer Haftzeit von mehr als 24 Stunden deutlich ansteigt.

Wie lange dauert es, bis die Erkrankung ausbricht?

Die Inkubationszeit bis zum Eintreten der ersten Krankheitszeichen beträgt 1 - 3 Wochen.

Welche Krankheitszeichen gibt es?

Der Stich der Zecke ist schmerzlos. Man unterscheidet ein Früh- und ein Spätstadium. Deutlichstes Zeichen im Frühstadium ist eine runde, entzündliche Rötung der Haut bis handtellergroß an der Stichstelle (Erythema migrans). Eine spontane Rückentwicklung der Rötung ist möglich, aber es können an anderen Stellen erneut Entzündungen auftreten. Wesentlich seltener ist eine Lymphknotenentzündung. Bei Erwachsenen treten die Entzündungen oft an den Beinen auf, während bei Kindern häufig der Kopfbereich betroffen ist.

Zu welchen Komplikationen kann die Erkrankung führen?

Die am häufigsten zu erkennenden Krankheitserscheinungen betreffen das Nervensystem (Neuroborreliose) und die Gelenke (Arthroborreliose).
Bei der Neuroborreliose steht die Lähmung eines Gesichtsnervs (Facialisparese) im Vordergrund, die in der Regel einseitig ist. Die Lyme-Borreliose ist die häufigste Ursache der akuten Gesichtsnervlähmung im Kindesalter. Außerdem kann es zu einer Entzündung der Hirnhäute durch diese Erreger kommen (Borrelienmeningitis).
Die Arthroborreliose ist meist erkennbar an der Entzündung der großen Gelenke, besonders des Kniegelenkes. Ohne antibiotische Behandlung kann die Arthritis wiederkehren oder chronisch werden. Eine Mitbeteiligung des Herzens ist im Kindesalter selten. Im Spätstadium der Erkrankung findet man chronische Gelenkentzündungen und ebenso chronische Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute mit daraus folgenden Schäden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine Lyme-Borreliose muss immer durch den Arzt bzw. Kinderarzt diagnostiziert und antibiotisch behandelt werden. Je nach Schweregrad werden bei Hauterscheinungen orale Antibiotika und bei Nerven- und Gelenkborreliosen intravenöse Antibiotika verabreicht. Die Prognose ist umso günstiger, je frühzeitiger die Therapie begonnen wird. Die Lyme-Borreliose im Kindesalter ist eine Erkrankung mit meist akutem Verlauf und guten Heilungschancen. Die Gesichtsnervenlähmung ist unter Therapie in der Regel rückläufig.

Welche zusätzlichen Maßnahmen sollten ergriffen werden?

Von besonderer Bedeutung ist die Prophylaxe. Bei Wanderungen durch Strauchwerk, hohes Gras und beim Beerenpflücken ist helle Kleidung zu bevorzugen, die möglichst viel Körperoberfläche bedeckt. In Betracht gezogen werden kann auch die Anwendung von insektenabweisenden chemischen Stoffen.

Da die Infektionswahrscheinlichkeit mit der Haftzeit der Zecke zunimmt, ist das Absuchen der Haut nach Zecken, auch in den Hautfalten, nach dem Aufenthalt im Freien empfehlenswert. Bei Kindern ist auf die Kopfhaut zu achten.
Bei Befall ist die Zecke möglichst schnell zu entfernen (Zeckenpinzette). Dabei ist das Quetschen der Zecke zu vermeiden. Kleine, in der Haut zurückbleibende Reste sind nicht mehr ansteckend. Das Beträufeln der Zecke mit Öl oder Nagellack sollte vermieden werden, da die Zecke hierdurch ihren infektiösen Inhalt rascher in die Haut abgibt.

Quelle:
Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde
Handbuch der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (3. Aufl., 2000).