"Masern sind keine Bagatellerkrankung"

Amtsarzt Dr. Erkrath empfiehlt Kontrolle des Impfschutzes bei Kindern
Seit eines überraschenden lokalen Ausbruches der Maserninfektion in einer Schule in Duisburg steht diese alte Infektionskrankheit auch im öffentlichen und medialen Interesse in Bottrop. Den Stand der Erkenntnisse fasst der Leiter des Bottroper Gesundheitsamtes, Dr. Klaus-Dieter Erkrath, zusammen: "Diese, von Viren ausgelöste, Infektionskrankheit ist seit fünf Jahren bereits bei Verdacht meldepflichtig. Der Hintergrund sind die Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und eben auch unseres Landes, die Masern auszurotten. Dies lässt sich nur durch geeignete Impfung bewerkstelligen.

In Bottrop gab es in den Jahren 2004 und 2005 keinen Masernfall. In diesem Jahr sind bislang zwei Fälle junger Frauen unabhängig voneinander aufgetreten. Diese beiden jungen Frauen wurden vor kurzem mit hohem Fieber krankenhauspflichtig und sind mittlerweile genesen.

Bundesweit gab es im Jahr 2004 knapp 130 und in 2005 etwas über 700 Krankheitsfälle. Das heißt, Masern sind in Deutschland sehr selten geworden.

Unabhängig vom lokalen Masernausbruch in Duisburg und offenbar weiterem Auftreten dieser Infektionskrankheit in anderen Bundesländern sind derzeit besondere Maßnahmen in Bottrop nicht angezeigt.

Bei den Masern handelt es sich um eine unangenehme Infektionskrankheit mit nicht unerheblichen Komplikationen, insbesondere bei Erwachsenen. Diese sind Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Gehirnentzündung. Letztere können in Einzelfällen zum Tode führen.

Da es sich nicht um eine Bagatellerkrankung handelt, wird allen Eltern empfohlen, den Impfschutz ihrer Kinder zu überprüfen. Im Einzelfall mit Beratung durch ihren Kinder- und Jugendarzt. Eine Impfung bietet den einzigen wirksamen Schutz. Notwendig sind zwei Impfungen, die bis zum zweiten Lebensjahr durchgeführt sein sollen.

Bei nicht-geimpften Erwachsenen müsse sich nicht unbedingt jeder die Impfung nachholen. Deutlich empfohlen sei der Schutz aber bei "Risikogruppen" wie Erziehern und Lehrern.

Dr. Erkrath betont außerdem nachdrücklich: "Leider gibt es hanebüchene Gegenargumente militanter Impfgegner (z.B. über das Internet) zur Impfung generell, die rationale Entscheidungen erschweren. Ginge es nach diesen Impfgegnern, wären zum Beispiel die Pocken weltweit nicht ausgerottet. Bei der Kinderlähmung (Polio) steht dieser Erfolg kurz vor dem Abschluss. Dies sollte auch mit den Masern geschehen."

(24.03.2006)