Psychiatrieplan

Über 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland erkrankt mindestens einmal in ihrem Leben an einer psychischen Störung. Die Tendenz ist steigend. Viele dieser Betroffenen werden nicht fach- und sachkundig behandelt, weil ihre Probleme nicht erkannt werden. Oder aus Scham erfolgt kein Gang zum Arzt, denn psychische Krankheiten sind auch heutzutage noch gesellschaftlich stigmatisiert. Wer in der "Klapse" war, wird auch verspottet.

Angesichts dieser Situation ist das Gesundheitsamt der Stadt Bottrop gefordert, ein nachhaltiges und bedarfsorientiertes regionales Versorgungsangebot zu schaffen, welches auch Prävention und Nachsorge einschließt. Der Psychiatrieplan erfasst gegenwärtige konzeptionelle und gesetzliche Grundlagen, aktuelle Daten sowie den Stand des Versorgungssystems der Stadt nebst Entwicklungstendenzen.

1995 erstmals für Bottrop verfasst, wurde er 2008 / 2009 fortgeschrieben und dem aktuellen Kenntnisstand angepasst. So können Ziele erkannt und in kommunales Handeln umgesetzt werden. Der Psychiatrieplan ist Aufgabe der kommunalen Gesundheits- und Sozialplanung und letztlich "Teamwork" aller an der Psychiatrie-Beteiligter in Bottrop. Diese sind, einer gesetzlichen Vorgabe entsprechend, organisiert als Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft. Der Psychiatrieplan beschreibt Versorgungsstand und Versorgungslücken ohne Entscheidungen vorzugreifen.

Mit einem Planungshorizont von einem Jahr werden in dem Psychiatrieplan kurz einige städtische Aktionsfelder genannt. Planungsziel, Aufgaben, Umsetzungsrad der Ziele und verantwortliche Gremien von Institutionen werden so für den Zeitraum 2009 /2010 ersichtlich. Der Umsetzungsgrad auf dem Weg zum Ziel wird auf einer Skala von 0 (Planungsvorbereitung) bis 7 (Handlungsempfehlungen umgesetzt) angegeben. Die Aufgaben entsprechen im vorgerückten Planungsstadium Handlungsempfehlungen, die in Teilschritten zum Handlungsziel führen. Vier Planungsziele werden im aktuellen Psychiatrieplan genannt.
  1. Der dauerhafte mobile aufsuchende Dienst für Demenzkranke (Projekt Demenzmobil), Stufe 6
  2. Vermittlungs- und Beratungsangebote für Menschen mit psychischer Behinderung und Vermittlungshemmnissen (insbesondere 18- bis 25-Jährige), Stufe 6
  3. Sicherung der Suchtberatung und ambulanten Rehabilitation (z. B. in Form von Gruppengesprächen) durch eine ausreichende Personenausstattung, Stufe 6
  4. Sicherung der Kontaktstelle beim Gesundheitsamt (in Zusammenarbeit mit der Diakonie), die "Stube" (Caritasverband) und Kontaktstelle am Borsigweg (in Zusammenarbeit mit Caritas) als dauerhaftes niederschwelliges Angebot für Menschen mit psychischen Problemen, Stufe 6

(29.09.2010)



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