Im Eigen ist "Literatur unterwegs"
Im September vergangenen Jahres wurde die Stadtteilbibliothek im Eigen, die zuletzt anderthalb Tage in der Woche geöffnet war, aus Kostengründen geschlossen. Der Befürchtung, dass dem Stadtteil damit Lesekultur verloren gehe, wurde das Konzept "Literatur unterwegs" entgegen gestellt. Seit Februar setzen die Bibliotheksmitarbeiterinnen Dietlinde Kamp-Kalus und Gabriele Kühlkamp das Konzept um und werden dabei von 14 Vorlesepaten im Alter von 16 bis 70 Jahren unterstützt. In Kooperation mit den Eigener Kindergärten, Familienzentren, Schulen sowie Altenheimen und Seniorenzentren finden regelmäßige Aktionen statt. Vor allem in den Grundschulen werden die künftigen Leser an die Bücher herangeführt. Mit den Handpuppen "Rudi Ratte" und "Kroko Krokodil" werden die Schüler in verschiedenen Stufen mit Büchern und die Bibliothek vertraut gemacht. "Ziel ist es, dass die Kinder ihre Schwellenangst abbauen und von sich aus in die Büchereizentrale kommen", sagt Gabriele Kühlkamp. Sie lernen das Recherchesystem Opac kennen, machen einen Ausflug in die Zentrale und erhalten am Ende einen Büchereiführerschein.
Mit dem Konzept "Literatur unterwegs" geht das Team der "Lebendigen Bibliothek" zu den Lesern und wartet nicht darauf, dass die Leser in die Bücherei kommen. "Wir erreichen jetzt ein anderes Publikum", sagt Gabriele Kühlkamp. Inwieweit sich die Aktionen der vergangenen Monate auf die Besucherzahlen im Kulturzentrum ausgewirkt haben, könne allerdings erst am Ende des Jahres ausgewertet werden.
Damit die Erwachsenen des Stadtteils nicht zu kurz kommen, wurde die Reihe "Literatur unterwegs an ungewöhnlichen Orten" ins Leben gerufen. Der Autor und Journalist Friedhelm Wessel las im Bistro "Rohdes Inn" am Eigener Markt Geschichten aus dem Revier und berichtete aus seinem Erfahrungsschatz. In Kooperation mit der Humboldt-Buchhandlung wurde im Juli sommerliche Urlaubslektüre präsentiert. Im November ist die nächste Veranstaltung dieser Reihe vorgesehen.
Regelmäßig geht Rita Jendroschka in Seniorenwohnheime, Schulen und Kindergärten. Die frühere Stammleserin der Stadtteilbibliothek hat großen Gefallen an ihrer neuen Aufgabe als Vorlesepatin gefunden. "In den Seniorenheimen wird zum Abschluss des Vorlesens gemeinsam gesungen", erzählt die 68-jährige von ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Für sie ist es Freizeitvergnügen. "Jedes Mal wenn ich nach Hause gehe, denke ich: 'Das war schön'."
(26.08.2011)


