Bunker am Eigener Markt wird zur Galerie
Mit einer Kunstaktion wird der Bunker am Eigener Markt zu einer Galerie. Die Kulturwerkstatt der Stadt Bottrop will alle drei Jahre den Bunker mit Kunstwerken bestücken und so eine neue Form der öffentlichen Präsentierung von Kunst eingebunden in eine konkrete Aktion etablieren. Die erste Ausstellung, die jetzt Rahmen von "Ruhr.2010" präsentiert wird, heißt "Gesichter des Ruhrgebiets - Face to Face".
Offiziell eröffnet wird die "Galerie Eigener Markt" mit dieser Ausstellung am 19. Juni um 15 Uhr mit einem kleinen Rahmenprogramm. Oberbürgermeister Bernd Tischler, Offizielle der Ruhr.2010 GmbH und Professor Klaus Schäfer vom NRW-Familienministerium sind mit Grußworten vertreten. Das "Diamantenquartett" und die Rockband "In Vein" sorgen für Live-Musik. Auch Führungen durch den Bunker werden angeboten, allerdings ist hier vorab eine Anmeldung unter der Rufnummer 02041 / 70-3721 notwendig.
Bei "Gesichter des Ruhrgebiets - Face to Face" soll eine Sammlung von Portraits von Menschen im Stadtteil geschaffen und öffentlich an den Bunkerwänden präsentiert werden. Jugendliche der Kulturwerkstatt und der Willy-Brandt-Gesamtschule wirkten dabei mit, besuchten Bürgerinnen und Bürger im Stadtteil, erstellten Foto-Porträts und machten Interviews quer durch alle Altersgruppen. Professionelle Fotografen hatten die jungen Projektteilnehmer in Workshops auf diese Aufgabe vorbereitet. Im Vorfeld konnten Bürger im Stadtteil vorschlagen, wessen Portrait ausgestellt werden soll. Die Ausgangsannahme war und ist, dass nicht das Stadtbild und Gebäude das Gesicht einer Region prägen, sondern die Menschen.
Mit dem Konzept, die Außenwände des Bunker Eigens in eine Galerie für wechselnde Ausstellungen zu verwandeln, wird in dem Stadtteil ein einzigartiges, sich veränderndes Kunstwerk etabliert. Es gibt viele Bunker, die durch direkten Farbauftrag künstlerisch bearbeitet wurden. Es bleibt dann bei diesem Motiv und nach Jahren kann die Farbe abblättern. Das ist in Bottrop-Eigen anders, denn eine Unterkonstruktion aus Stahl dient als Bildhalter für die fast drei mal drei Meter großen Aluminiumplatten.
Die Bilder werden digitalisiert und auf die Aluplatten gedruckt. Nach Ablauf einer Ausstellung werden die Tafeln neu bedruckt und dienen so als ständig erneuerbare Kunstfläche. Eine weitere Besonderheit liegt in der Beteiligung des Stadtteils. Bereits beim ersten Projekt hatten alle Bürger die Gelegenheit sich mit Vorschlägen einzubringen. Die ausgewählten Kandidaten trafen sich schließlich mit den jugendlichen Fotografen, um sich ablichten zu lasen und wurden zu aktiven Teilnehmern. Damit wird der Bunker gleichsam zur sozialen Skulptur.
Der Bunker am Eigener Markt ist einer von insgesamt vier Hochbunkern in Bottrop, die während des Zweiten Weltkrieges 1941 fertig gestellt wurden. Auf sieben Stockwerken befinden sich 336 Liege- und 140 Sitzplätze. Dennoch suchten in dem Bunker während des Krieges bis zu 1.000 Personen Schutz. Nach dem Krieg blieb die Frage des Umgangs mit dem Kriegsbauwerk ein Problem. Ein Abriss der meterdicken Betonwände wäre äußerst teuer. Deswegen gab es immer wieder Überlegungen zur Gestaltung des Monuments. Schließlich wurde im Bunker am Eigener Markt eine Heißmangel untergebracht und Möbel eingelagert. Inzwischen wird der Bunker privatwirtschaftlich genutzt und vom "Bunkergemeinschaftszentrum" betrieben.
(10.06.2010)






