Bottroper Kirchen mit architektonischen Besonderheiten

Einmal auftanken bitte! Mit einer vierstündigen Stadtrundfahrt führte die Gesellschaft für Stadtmarketing Bottrop (GSB) die Teilnehmer zu spirituellen und religiösen Orten in Bottrop. Zwar war die Architektur von Kirchengebäuden das Thema der Tour, doch das Atemholen vom Alltagsstress in inspirierender Atmosphäre gab es kostenlos dazu.

"Wir wollen den Teilnehmern deutlich machen, welche Inhalte die verschiedenen Religionen bestimmen und wie sich das in der Architektur niederschlägt", erklärte Stadtsprecher Andreas Pläsken. Die Tour, einer von vielen Bausteinen des Kulturhauptstadtjahres in Bottrop, bewirkte noch mehr. "Sie ist gleichzeitig Verbindungsstück weiterer Aktionen von RUHR.2010 wie zum Beispiel zur Ausstellung "Starke Orte" in der Heilig Kreuz Kirche oder zu den spirituellen Kulturtankstellen, einer Aktion des Bistums Essen", so Pläsken.

Den sonnigen Samstagmittag nutzten 25 Teilnehmer, um unter der fachkundigen Führung von Gerhard Reinhold, Geschäftsführer des katholischen Gemeindeverbandes, und Gästeführer Holger Kröcher Bottroper Kirchen von einer neuen Seite zu erleben. "Durch die technische und industrielle Entwicklung war es möglich, alle geometrischen Formen im modernen Kirchbau abzubilden. Allerdings stellte sich die Frage, ob man das auch wollte, denn im Gegensatz zu Gebäuden wie beispielsweise Fabriken, die von ihrer Funktion leben, leben Kirchen von ihrer spirituellen Atmosphäre", erklärte Gerhard Reinhold.
Die erste Station der Rundfahrt war die Kirche St. Franziskus. "Das Besondere ist, dass der Kirchraum keine Pyramide ist, denn dies ist ein Zeichen für Grabmäler wie bei den Pharaonen. Kirche soll Ort für lebendige Menschen sein und deshalb ist sie durch ihre Zeltform als Symbol für das wandernde Volk Gottes architektonisch einmalig", sagt Reinhold.

In der Herz-Jesu-Kirche erklärte Pastor Hans Vogel eindrucksvoll das Gotteshaus sowie die beiden angegliederten Kapellen. Bei den Teilnehmern öffnete er den Blick für die versteckten religiösen Botschaften in der Architektur. "Das Gebäude ist faszinierend, denn hier sind ganz viel Predigt und ganz viel Leben beieinander", sagte die Teilnehmerin Christina Peters beim Anblick des schlichten steinernen Taufbeckens, das in einer Senke eingelassen ist. Ein architektonisches Symbol, das Gott die Gläubigen aus der Taufe hebt und sie ins Leben aufrichtet. "Man merkt bei der ganzen Rundfahrt, mit wie viel Liebe die Menschen dabei sind, die uns über ihre Kirchen berichten", so Christina Peters.

Weitere Stationen waren die Heilig-Kreuz-Kirche mit dem Meistermann-Fenster und der eigenwilligen Form ihres als symmetrische Parabel angeordneten Grundrisses sowie die Kreuzkampkapelle, in der die Altkatholiken beheimatet sind, und die früher die Kapelle des alten Marienhospitals war.

Zuletzt luden die beiden evangelischen Pfarrer Volker Kramer und Achim Solty ins Martin-Niemöller-Haus im Fuhlenbrock ein. Hier ist man "evangelisch unter einem Dach". Will heißen, dass das helle, moderne Gebäude sowohl Kirchraum als auch Kindergarten und Versammlungsraum für Gemeindemitglieder ist. Deshalb fällt das Tageslicht durch kunstvoll gestaltete und gleichzeitig ballwurfsichere Fenster auf die Gläubigen, und Altar und Kanzel stehen auf Rollen und können ihren Platz für tobende Kinder räumen.

Dagmar Steinborn war nach vier Stunden Stadtrundfahrt sichtlich begeistert: "Im Urlaub besichtigt man immer gleich alle Kirchen, nur in der eigenen Stadt nicht. Durch diese Tour ist das endlich anders geworden". Bottrop ist eben mitten im Kulturhauptstadtjahr angekommen.

Großes Interesse hatten die Teilnehmer an den Erläuterungen zu den baulichen Besonderheiten der Bottroper Kirchen.

(19.04.2010)