Kirche bietet seit Jahrhunderten Kultur

Die Kirchen waren schon immer Kulturträger. "Bottrop ist ohne die Christen kaum darstellbar", sagt Stadtdechant Johannes Knoblauch. Für die Katholische Kirche ist es nur konsequent, sich mit eigenen Veranstaltungen im Kulturhauptstadtjahr 2010 zu präsentieren. Während einer Pressekonferenz stellten Vertreter der Kirche jetzt die Ruhr.2010-Angebote vor. Neben dem Stadtdechant erläuterten die Katholikenratsvorsitzende Rita Brauckmann und die Lokalbeauftragten Andreas Pläsken und Gerhard Reinhold die Pläne für das kommende Jahr.
Gruppe zeigt Veranstaltungsplakate
Mit zahreichen Veranstaltungen engagiert sich die katholische Kirche bei der Ruhr.2010. Mit dabei sind Rita Brauckmann (v.l.), Gerhard Reinhold, Andreas Pläsken und Johannes Knoblauch.

Das traditionelle Festival "Orgel-Plus" bildet den Auftakt. Für das Kulturhauptstadtjahr wurde die Konzertreihe auf zwei Wochen verdoppelt. In der Zeit vom 1. bis 17. Januar sind die Bottroper Kirchen Austragungsort der Konzerte. "Orgel Plus strahlt weit in die Region aus", sagt Andreas Pläsken. Sogar bundesweit haben sich viele Gemeinden das Bottroper Festival zum Vorbild für eigene Konzertreihen erwählt.

Tour zu den Kirchen

An zwei Tagen im April stehen die Kirchengebäude im Mittelpunkt des touristischen Angebots in Bottrop. "Stadttouren zu Orten des religiösen Lebens", so der Arbeitstitel, werden am 10. und 17. April gemeinsam mit der Gesellschaft für Stadtmarketing (GSB) angeboten. Zunächst steht die Historie der Kirchenbauten im Mittelpunkt. Erklärt werden die Geschichte von Kirchen und Orten. Dies sind St. Cyriakus, Maria Himmelfahrt/Feldhausen, Halde Haniel mit Papstkreuz und Kreuzweg sowie die evangelische Martinskirche. Bei der zweiten Tour wird die Architektur von Kirchenbauten am Beispiel von Herz Jesu, St.Franziskus, Heilig Kreuz, der altkatholischen Kirche am Kreuzkamp und der evangelischen Kirche Fuhlenbrock erläutert. "Kirchen sind Stein gewordene religiöse Überzeugungen", sagt Andreas Pläsken. Diese Überzeugungen werden von Kirchenführern vor Ort erklärt. Die Kirchenvertreter hoffen, mit diesem Angebot auch Menschen zu erreichen, die mit Kirche nicht mehr viel zu tun haben. Abhängig von dem Interesse während des Kulturhauptstadtprogramms sollen die Führungen eventuell dauerhaft in das touristische Angebot Bottrops aufgenommen werden.

"Local Hero"-Auftakt mit Gottesdienst

Jeweils eine Woche lang stehen die einzelnen Städte im Mittelpunkt des revierweiten Kulturprogramms. Unter dem Titel "Local Hero" beginnt die Woche in Bottrop am 12. Juni 2010 mit einem ökumenischen Gottesdienst. Unter dem Motto "Da liegt Segen drauf" wird der Staffelstab, in Form eines Kreuzes aus Titan, von der vorhergehenden Local-Hero-Stadt Gelsenkirchen übernommen. Nach der Woche gibt Bottrop das Titan-Kreuz an Witten oder Hattingen weiter.

"Lesewand" zur Kirchengeschichte

Die katholische Kirche ist mit weiteren Aktionen während der "Local Hero"- Woche präsent. An einer Außenwand des Katholischen Stadthauses wird am 15. Juni 2010 erstmals eine "Lesewand" präsentiert. Auf 80 Zinktafeln wird die Entwicklungsgeschichte des katholischen Stadtdekanates nachgezeichnet. Ergänzt mit Daten zur Stadtgeschichte und Sätzen aus der Bibel wird die "Lesewand" auch einen Beitrag zur weiteren optischen Aufwertung des benachbarten Berliner Platzes leisten. "Der Berliner Platz entwickelt sich zur 1a-Lage. Mit der 'Lesewand' wird eine Keramikwand aus den 1970er-Jahren ersetzt", sagt Gerhard Reinhold, der die Chance sieht, das Katholische Stadthaus künftig stärker in das Bewusstsein der Bottroper zu rücken. Dechant Johannes Knoblauch hofft, dass Schulklassen die "Lesewand" zum Ziel von Exkursionen machen werden, um sich über die Stadtgeschichte zu informieren.

"Nacht der offenen Gotteshäuser"

Zur "Nacht der offenen Gotteshäuser" am 18. Juni 2010 laden zahlreiche Religionsgemeinschaften ein. Sieben Gemeinden der katholischen Kirche beteiligen sich an der Aktion. "Wir wollen zeigen, wie das kirchliche Leben vor Ort in den Gemeinden aussieht", sagt Rita Brauckmann. Insgesamt sind an diesem Abend 22 Stationen vorgesehen, die jeweils ein eigenes Besucherprogramm präsentieren. "Jeder möchte seine Spezialitäten zeigen und auf seine Eigenheiten hinweisen", verdeutlicht Brauckmann.

"Still-Leben auf dem Ruhrschnellweg A40"

Auch bei einer der spektakulärsten Aktionen der Ruhr.2010 ist die katholische Kirche dabei. Am 18. Juli 2010 wird die Autobahn A 40 gesperrt. Dafür wird auf dem "Still-Leben Ruhrschnellweg" eine Festmeile eingerichtet. Die Bottroper Kirchengemeinden haben 20 Tische reserviert. Gerhard Reinhold plant theaterähnliche Aufführungen. Dabei soll eine Gruppe unterschiedlich farbige Tafeln in die Luft halten. Das so entstehende Mosaik bildet dann ein weithin sichtbares Banner, das für Bottrop werben soll. Reinhold hofft, dass er damit die Aufmerksamkeit von Hubschrauberbesatzungen auf die Bottroper Gruppe lenkt. Von dort aus filmen Kameraleute das Spektakel auf dem Ruhrschnellweg A 40.

Rückgabe einer Kirchenglocke

Zu den beeindruckenden Gesten des kommenden Jahres gehört sicherlich die Rückgabe einer Glocke der geschlossenen Kirche St. Barbara. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Polen Glocken gestohlen, um sie für Waffen und Munition in Deutschland einzuschmelzen. Nach Kriegsende gab es in Hamburg einen "Friedhof" säuberlich registrierter Glocken. Von dort aus wurden sie an Gemeinden in Deutschland verschickt, wo sie in neugebauten Kirchen "wiederbelebt" wurden. Die Rückgabe an die ursprünglichen Kirchengemeinden verhinderte damals der Eiserne Vorhang. St. Barbara erhielt eine 1525 gegossene Glocke, die aus der polnischen Gemeinde St. Nikolaus in Polanka Wielka stammt. Dorthin geht sie im nächsten Jahr wieder zurück. "Die Glocke ist das älteste historische Zeugnis der Stadt", sagt Gerhard Reinhold. Der Zeitplan für die Rückgabe liegt noch nicht fest. Vor dem Abtransport soll die Glocke aber noch aufgehübscht und von 60 Jahre Ruhrgebietsstaub befreit werden, kündigt Reinhold an.

Seit rund zwei Jahren bereitet der Vorstand des Katholikenrates seine Aktionen für Ruhr.2010 vor. Die verbleibenden Monate werden noch benötigt, um die Vorbereitungen abzuschließen. Gerhard Reinhold sieht den Aufwand gelassen. "Die Kultur gehört seit Jahrhunderten zum Alltag der Kirche. Durch die Ruhr.2010 wird dies wieder ins allgemeine Bewusstsein gerückt", meint Reinhold.

(03.12.2009)



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